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Lieber Rolf,

Und dass diese Person sich diskriminiert fühlt, wenn Du ihr sagst: Das ist keine Tatsache, dass Du Dich als Frau fühlst.

wenn die Meldung von einer Transperson berichtet, dann ist es eine Person, deren Gefühl offensichtlich im Widerspruch zumindest zu ihrem Phänotyp steht, denn entweder sieht der Uninformierte eine Frau und muss lernen, dass sie eben keine ist ("Transmann" oder "divers"), oder sieht einen Mann und muss lernen, dass er keiner ist ("Transfrau" oder "divers").

Natürlich stellt sich sofort die Frage, warum da nicht einfach nur "Mann" oder "Frau" steht. Und wenn das da stünde, wäre es dann eine Tatsache oder keine? Denn wenn man nicht mehr von Männern und Frauen reden kann, ohne diejenigen zu brüskieren, die in keine der beiden Kategorien passen, wie will man denn da noch vernünftig/diskriminierungsfrei/politisch korrekt berichten? Was macht das aus unserem Sprachgebrauch? Ist der nicht mit diesen neuen Erkenntnissen kaputt weil nicht mehr in allen Belangen funktionstüchtig?

Meiner Meinung nach hat der Sprachgebrauch unserem Alltag zu dienen. Und der gestaltet sich noch immer so, dass wir uns je nach Umfeld in aller Regel mit Personen auseinandersetzen, die entweder in die Kategorie "Frau" oder "Mann" passen. Das ist zurecht als eine Regel in unseren Köpfen. Daher darf und soll meiner Meinung nach eine Berichterstattung von "Frau" und "Mann" berichten. Verwendet sie stattdessen einen Begriff wie "Transperson", dann wird sie unangenehm genau, da sie eine persönliche Präferenz ins Spiel bringt, die für den zu berichtenden Vorgang vielleicht nicht von Bedeutung ist. Warum darf der Bericht nicht von einer Frau sprechen, wenn Außenstehende diese Person als eine solche spontan wahrgenommen haben? Auch wenn sich diese Frau als Mann (oder etwas anderes) fühlt? Wem soll die Berichterstattung dienen? Dieser einzelnen Person oder der Öffentlichkeit? Und womit kann diese Öffentlichkeit mehr anfangen? Mit einem tradierten Bild von Frau oder Mann, oder mit "Transperson"?

Die Botschaft, die ankommt, lautet: Du hast ein Hirngespinst, stell Dich nicht so an, leb gefälligst dein biologisch prädeterminiertes Leben.

Man kann grundsätzlich jede Botschaft missverstehen wollen. Insbesondere dann, wenn man auf eine Mission aus ist, kann man in den kleinsten Mehrdeutigkeiten Anlass finden, Streit vom Zaun zu brechen.

Man kann meine Aussage auch so deuten: Ob ein Mensch eine Frau oder ein Mann ist, muss man die Person immer erst fragen um das sicher sagen zu können, eben weil es keine prädestinierte Geschlechteridentität gibt.

Und dafür, dass ich anerkenne, dass es der aktuell gehypten Theorie nach keine prädestinierte Geschlechteridentität gäbe, werde ich nun downgevotet. Mache ich vielleicht schon in diesem Punkt etwas falsch?

Das willst Du vielleicht nicht ausdrücken. Aber so kam es bei mir, und vermutlich auch den Minusgebern, an.

Was dieses gesamte Thema angeht, gehe ich langsam auf den Standpunkt über, dass es mir mehr und mehr egal ist. Die Menschen, mit denen ich interagiere, haben das Recht, als Menschen angenommen zu werden. Bei der Geschlechteridentität haben sie bei mir die völlige Freiheit allen möglichen Unsinn für sich in Anspruch zu nehmen, so lange sie mir Missverständnisse zugestehen, wenn ich vom äußeren Erscheinungsbild und Duktus auf eine der beiden üblichen Varianten schließe. Man darf mich in einem solchen Fall gerne darüber aufklären, als was man gerne betrachtet werden will. Dann kann ich von "er/sie" auf "sie/er" wechseln. Jedoch werde ich niemals jemanden als etwas anderes als "sie" oder "er" bezeichnen, weil ein Mensch ein Geschlecht hat und das ist nicht nur in der deutschen Sprache damit eine Person, auf die man sich als "sie" oder "ihn" bezieht.

Liebe Grüße

Felix Riesterer

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