Hallo, Stefan!
...zum Beispiel Freundschaft und Liebe. Letztere werden dadurch eigenartig leicht und einfach, aber nur aus dem Grund, weil ihnen die entscheidende Dimension fehlt, die "sinnliche Realitaet".
Zitat:" Für den Menschen ist es lebensnotwendig, sich für Außenimpulse zu
öffnen. In seiner Angewiesenheit auf Sinnes- und Sinnerfahrungen offenbart
und erweist er sich selbst als Sinnorgan."
Im Folgenden erläutert der Autor die Funktionsweise und Bedeutung der
einzelnen WAHR-nehmungsorgane.
Genuine Gefühligkeit (z.B. "lieben" eines Gegenübers oder die Wahrnehmung,
geliebt zu werden) kann nur mit / in dieser sinnhaft erlebten Wahrnehmung
im Hier und Jetzt erfühlt und erlebt werden.
Also: Niemals am Bildschirm!!!
Denn: Man hört und sieht sich nicht, riecht und schmeckt nix (Atmosphäre),
die Haut als "zweites Gehör" ist nicht beteiligt...
Insofern tatsächlich: "Baden ohne Wasser" oder "Pillen als
Nahrung"..."Essen ohne Geschmack" (jeder hatte schon mal einen Schnupfen
und weiß, wie unangenehm das ist, nichts schmecken zu können...), usw.
In der Cyber-Kommunikation sind wir quasi auf uns selbst "zurückgeworfen".
Keinerlei Außenimpulse haben über die Sinne Zugang zu uns, es findet hier
keinerlei Austausch zwischen drinnen und draußen statt.
Was entsteht da?
Ein riesiges, leeres Feld an Informationslücken! Die Sinne aber BRAUCHEN da
Informationen (s.o. im Zitat: Angewiesenheit! ).
Woher nehmen?
Machen wir SELBST, gar kein Problem!<g>
Unser "geistiges Vorratslager" gibt da eine Menge her! Ein ganzes Reservoir
steht da "unter'm Dach auf dem Speicher" bereit!<g>
Assoziationsketten zu anderen Personen und Situationen z.B., Deutungen,
Wertungen, Vor- Urteile (auch positive), Wunschvorstellungen,
Idealisierungen, Fiktionen, Phantasien...
Also her damit! Stopf "ordentlich" 'rein in die Lücken...
Da genau liegt die Gefahr: Das macht alles so leicht und einfach!
Es ist nämlich selbst-genügsam und bequem, sich nur mit seinen eigenen
"zurechtgestopften" Vorstellungen auseinanderzusetzen und die Wahrheit
schlichtweg auszublenden! "Cyber-Liebe-Illusionen" sind doch angenehm!<g>
Die einzige Chance, damit angemessen umgehen zu lernen:
1. Ist es möglich, Wissen zuzuschalten:"lieben" als Gefühl kann es am
Bildschirm nicht geben!Punkt.
2. Sich diese "Lückenstopferei" mit den eigenen Konstruktionen vehement
bewußt zu machen!
3. Im Real Life die Wahrheit zu erleben und die eigenen Konstruktionen "auf
den Prüfstand" zu stellen.
Hier kann es, je unerfahrener jemand mit der neuen Cyber-Welt umgeht,
häufig zu Enttäuschungen und Desillusionierungen kommen!
Es will gelernt werden, virtuelles und reales Leben zu unterscheiden. Wir
stehen hier noch ganz am Anfang dieser Entwicklung.
Mir stellt sich allerdings ganz allgemein auch diese Frage:
(Denn das gibt es ja auch:)
Wenn's denn dann noch schöner kommt, im RL, als man es sich vorgestellt
hatte: Wer will das dann schon wirklich? ;-)
cu, Jutta
(P.S.: Zitat aus: Walter Alfred Siebel, Der Mensch als Sinnorgan.In:
Wissenschaft und Logos.1/1988, S.21ff)