Hallo Stefan, hallo Forumer,
seit wann ich "dabei" bin, weiß ich nicht mehr. Ich habe gerade mal gesucht, ein Posting stammt vom September 1998 (ausgerechnet eine falsche Antwort). Leser des Forums bin ich aber wesentlich länger. Die Gänsefüße beim "dabei" sollen etwas heißen, nämlich, daß ich im Forum (täglich!) eher lese, als etwas zu posten. Warum? HTML und Co. sind für mich eher eine Nebensache. Ich habe einige Seiten erstellt, habe sie aber nie zum Mittelpunkt meines Interesses erklärt - sie sind Mittel zum Zweck. Nicht mehr und nicht weniger.
Utz stellte die Frage, ob denn niemand HTML ohne SelfHTML gelernt hat. Darauf kann ich antworten: ich. Trotzdem war es immer ein Hilfsmittel, wenn es darum ging, schnell etwas zu finden. Meine Frau und ich nennen z. B. die Kurzreferenz die "Bibel", weil man schnell findet, was man sucht. Ich möchte auch die anderen Möglichkeiten - egal, ob SelfHTML selbst oder die Archivsuche - nicht missen. Ein großes Dankeschön dafür an Stefan und seine Mitstreiter.
Warum ich aber poste: Auch ich habe einige Erfahrungen in Sachen Foren. Seit einigen Jahren antworte ich im Excel-Forum von Spotlight. Von daher kann ich viele Parallelen zu Stefans Forum feststellen.
Wie ist es denn: Man stößt zu einem Forum, das erst kurze Zeit besteht. Als Autodidakt kann man zwar einiges, bewundert aber immer wieder die Antworten von anderen Postern. Irgendwann ist man dann selbst soweit, weil man durch Fragen und Antworten viel gelernt hat. Dann fängt man an, selbst zu antworten und entwickelt sein Spezialgebiet (bei mir VBA und Excel-Formeln). Man gibt Antworten und kommt mit den anderen Antwortern in Kontakt - durch fachliche Diskussionen, aber auch durch Menscheleien. Irgendwann telefoniert man und trifft sich. So war es auch bei uns. Gleichzeitig spinnt man Gedanken um alle möglichen Projekte, so wie es bei Euch mit dem SelfBrowser und mit PAF's Seiten war.
Die Zeit vergeht; in das Forum kommen immer neue Fragesteller, aber auch Antworter. Selbst hat man auch beruflich genug zu tun, so daß viele Antworten von anderen Postern gegeben werden. Aus den verschiedensten Gründen verabschieden sich dann die "alten Hasen" aus dem Forum. Liest man aber manchmal die Antworten von manchen (neuen) Postern und Fragestellern, sieht man, daß vieles mit der Zeit vernachlässigt wird. "Früher" war es normal, daß man mit Anrede und Verabschiedung gepostet hat. Heute werden die Fragen, wie es Stefan einmal postete, einfach "dahingerotzt".
Diese, wie auch viele andere Sachen, stören auch mich - aber was kann man machen? Man stellt sich darauf ein - oder verläßt das Forum.
Andererseits sieht man aber auch, wie andere Antwortende Lösungen posten, die von einem selbst stammen. Mir selbst gibt das dann wieder einen Ansporn, doch weiterzumachen und weiter nach Lösungen zu suchen - die dann aber ausgereifter und flexibler anwendbar sind.
Und dann ist da noch die Dankbarkeit. Es gibt viele Fragesteller, die nichtmal eine Resonanz geben, ob die gepostete Lösung überhaupt funktioniert hat. Aber dann gibt es noch die andere Seite: Fragesteller, die ihren Dank deutlich zum Ausdruck bringen. Auch das motiviert.
Um zu diesem Forum zurückzukommen: Es ist gut so, wie es ist. Wenn Stefan es umgestalten würde, wäre es aber auch gut. Bei einer Teilung würde ich auch beide Foren lesen. Ich bin der Meinung, daß man immer lernen kann. Auch Anfänger haben Tips, auf die man (weil sie so einfach sind?) vielleicht nie gekommen wäre.
Aber: Ich hätte keine Sehnsucht danach, Mitglied der Community zu werden. Du hast eine ehrliche Meinung gefordert, hier ist sie. Viele Postende treten mir einfach zu unnahbar, extrem gesagt, zu überheblich auf. Anscheinend fühlen sich viele Poster nicht in der Lage, sich in ihre Anfangszeiten zurückzuversetzen. Mein Eindruck ist, daß manche nur darauf lauern, einen neuen Namen oder den längsten Thread zu sehen, um darauf reagieren zu können. Wenn ich mich an den 30.09.98 erinnere, als ich eine falsche Antwort gegeben hatte, so wurde damals sehr freundlich reagiert. Heute ist es leider nicht mehr so. (Wie gesagt - ich lese das Forum seit Jahren täglich, kenne also die Entwicklung.)
Meiner Meinung nach steht viel zu sehr das Archiv im Vordergrund. Es ist schon richtig, daß es durch viele Postings einfach nur aufgebläht wird. Aber durch diesen Hintergrund leidet meines Erachtens einfach die Spontaneität der Postings. Vielleicht wäre es möglich, nicht mehr alle Beiträge zu archivieren, sondern nur die, die die Leser als interessant finden? Ich habe keine Ahnung von CGI u. ä. - deshalb lyncht mich bitte nicht für diesen Vorschlag.
Nun noch einige Quotings:
Wer von euch seit ein, zwei Jahren das Forum kennt, kann noch ganz andere Dinge erzaehlen. Da hat es beispielsweise mal eine Community gegeben, die richtig berauscht war von ihrem eigenen Zustandekommen, und die sich laengst in einzelne Freundschaften aufgeloest hat, die an anderen Orten (virtuell und real) weitergepflegt werden. Oder er weiss von Threads zu berichten, die richtig Geschichte gemacht haben, weil alle Beteiligten das Gefuehl hatten, an einer wirklich wichtigen, oeffentlichen Diskussion teilzunehmen.
Ja, das war bei uns im Excel-Forum genauso. Auch dort gibt es einige, die kaum noch anzutreffen sind. Aber die Freundschaften bestehen. Mittlerweile ist es so, daß wir uns mit weiteren Gebieten beschäftigen wollen, als "nur" mit dem Thema, bei dem wir uns kennengelernt haben. Threads, die Geschichte gemacht haben, gab es bei uns auch - z. B., wie man eine Zahl in ein Wort umwandelt.
Jede dieser Gruppen hat also einen eigenen Blickwinkel auf das Forum und das ganze Drumherum. Ich selber gehoere als Betreiber des Forums naturgemaess zu der letzteren Gruppe und teile deren Blickwinkel. Dieser Blick ist ein wenig melancholisch und resigniert.
Das geht mir in unserem Forum genauso. Aber was hilft es - die Realitäten kann man nicht verkennen. In der Zeit der Flatrates wird es immer mehr Poster geben, die sich mit der Geschichte gar nicht befaßt haben. FAQ's werden nicht gelesen, weil eine Frage schnell gestellt ist. Bei der Fluktuation der Postenden (Fragestellern, aber auch der Antwortenden) jedesmal eine große Rede halten? Das lohnt sich doch nicht.
Kommen wir zu den Perspektiven. Welche Perspektiven hat dieses Forum? Wohin bewegt es sich? (dass es sich bewegt, bemerkt ja schon wie erwaehnt die Gruppe derer, die seit ein, zwei Monaten dabei ist).
Keine Ahnung. Eins scheint aber sicher zu sein: Es haben immer mehr Leute - egal welchen Alters - Zugang zum Internet. Und wenn ein Forum bekannt ist, muß man sicher damit rechnen, daß es für viele Leute etwas Normales ist. Es scheint eine Anonymität da zu sein, und so werden dann auch die Fragen gestellt. Aus meiner Sicht liegt deshalb das Problem, wie mit Fragen umgegangen wird, nicht bei den Fragenden - sondern bei den Antwortenden. Fragesteller, mit denen sachlich (und nicht zynisch, lakonisch, usw.) umgegangen wird, bilden wahrscheinlich die Garde derjenigen, die später Fragen beantworten werden. Als Antwortender hat man dann die Wahl: Entweder postet man in sachlichen Diskussionen weiter, auch wenn andere den gleichen Wissensstand haben, oder man postet Antworten, die das Problem besser lösen. Wenn nicht, bleibt einem nichts Anderes übrig, als sich aus dem Forum zurückzuziehen und melancholisch zu werden.
Und nun noch ein Link: http://jolorenz.exit.de/fragen.htm
Viele Grüße
Jörg