Hallo Thorsten,
Willkommen im Grenzbereich! Willkommen in der Ära der unsicheren Rechtslage des Netzes. Wilkommen im Chaos!
Sehr gut gesagt!
Es gibt keinen Grund, diese und andere Bilder zu veröffentlichen. Zumindest keinen plausiblen.
So etwas ist unnötig. Vielleicht nicht strafbar, aber absolut überflüssig.
Ich nehme mal an, du unterstellst dem Anbieter solcher Bilder mit dieser Aussage zumindest noch, dass er einfach nur "informieren" will und dabei nur ein etwas krankes Verstaendnis von Information hat. Eine Dokumentation mit dem Titel "wie vergewaltige ich eine Frau" ist nun mal keine Dokumentation mehr in meinen Augen. Es gibt hier in Muenchen ein ambitioniertes Hinterhofkino, das "Werkstattkino", da wurden auch schon Filme gezeigt, die sich genau an dieser Grenze bewegen, eindeutig gewaltverherrlichend sind, sich aber als Dokumentation ausgeben und sich damit in das Deckmaentelchen des Legalen kleiden wollen.
Noch eine andere Schublade sind aber jene Angebote, die nicht mal mehr mit dem Impetus "wir informieren ueber diese schrecklichen Dinge" auftreten, sondern gleich mit einem "schaut hierher, wir zeigen euch das, was ihr doch so gerne sehen wollt".
...was, wenn nicht Neugier, treibt einen dazu, sich solche Bilder anzuschauen? Ein Verlangen nach Aufklärung? Perversion? Unbekümmertheit?
Die Konsumentenfrage ist wieder eine andere Frage, aber nicht weniger interessant. Aber selbst wenn man das psychologisch sauber aufdroeselt, bleibt die Frage, wie man verhindern kann, dass es solche Konsumwuensche ueberhaupt gibt. Es gibt viele unschoene Dinge, die man auch in einer einigermassen funktionierenden Gesellschaft nicht vollstaendig ausmerzen kann. Aber kann man sie auf ein absolutes Minimum reduzieren? Und wenn ja, wie weit sind wir hier bei uns damit?
Wenn die ICANN schon nicht ein Grundkonzept bezüglich Ethik und Moral im netz durchsetzen kann (jetzt abseits von Kinderpornografie und Rechtsradikalismus), und die jeweiligen Staaten entsprechende Statuten nicht aufsetzen können, dann müssen wir auf den gesunden menschenverstand hoffen.
Der aber von den Juristen aller Laender einheitlich belaechelt wird, weil er nur allzuoft der Feind gewachsenener und verschrobenener Gesetzeslandschaften ist. Ausserdem ist er leicht missbrauchbar, denn jeder kann sich auf ihn berufen. Die Nazis haben das auch getan. Eigentlich steckt aber ja, was die Beurteilung von moralischen Fragen mit Hilfe des gesunden Menschenverstands betrifft, nichts anderes dahinter als das ganz normale Gewissen. Gewissen ist etwas Persoenliches, und du kommst ja auch zu dem entsprechenden Schluss:
hoffnung und Engagement jedes einzelnen. Boykottieren. Anprangern.
So weit so gut, aber:
links setzen?
»» In dem Kontext dieses Threads?
»» Ja!
Du kennst doch vielleicht die Doppelmoral der Serie "Schulmaedchenreport". Diese Folgen leben davon, dass ein Erzaehler die sexuelle Hemmungslosigkeit junger Maedchen anprangert und dann eben diese zeigt. Nun mag man diese Doppelmoral dort noch belaecheln. Aber geraet ein Linksetzen auf solche Seiten, selbst wenn oder vor allem wenn es anprangernd und empoerend ist, nicht in die Gefahr eben dieser Doppelmoral, und zwar auf einer wesentlich weniter harmlosen Stufe als beim Schulmaedchenreport?
»» Sich über die ungewisse Rechtslage hinwegsetzen?
Nein!
Tja - als Anbieter von Inhalten, zu denen durch Techniken wie so einem Forum auch andere mit beitragen koennen, bin ich aber verantwortlich fuer die Links. Und indem ich sie stehen lassen wuerde, wuerde ich mich denke ich schon ueber die ungewisse Rechtslage hinwegsetzen.
viele Gruesse
Stefan Muenz