Hi Swen!
Ich erinnere mich an wohl vergleichbare Lehrveranstaltungen, wo selbst gestandene Rettungssänitäter den Raum verlassen haben. Selbst in einem lehrhaften Kontext, der darauf abzielt, Situationen kennenzulernen, wo man also darauf vorbereitete ist, schlimmes zu sehen und weiss, dass man es wissen sollte, um später nützlich reagieren zu können, ist so etwas schrecklich. Und das ist auch gut so. Es zeigt uns ja, dass wir unsere Empfindlichkeit bewahrt haben: "man" ist nicht "mannhaft", nur weil "man" solche Situationen aushält.
Ich kenne einen der arbietet seit jahren bei uns in der freiwilligen feuerwehr in Wr. Neudorf und wir haben auf unseren autobahnabschnitt so 450 umfälle jahr. Und von gewöhnung kann keine rede sein! Am schlimmsten hat ihm mitgenommen, als eine junge frau in seinen armen starb und zuvor noch unter schmerzen schrie und bettelte.
Schlimmer und schmerzhafter empfinde ich mittlerweile die Abwesenhiet von "Nachsorge" in den helfende Berufen. Meine Frau supervidiert sehr viel in diesen Berufen und kann kein schönes Lied davon singen. Über Trauerarbeit hat sie ihre Magisterarbeit geschrieben, ich maile sie dir diese Woche.
Sowas wie nachsorge, wie du es nennst, ist eigentlich nur theoretisch existent - sei es im rettungswesen, altenbetreuung oder sonstwo.
Als zivi sind wir ohne jegliche vorbereitung (wußten nichtmal welche arbeiten zu erledigen werden sein) am ersten tag, auf die station "gestoßen" worden. Unser grundlehrgang begann erst ein monat später. Dort hatten wir zwar eine stunde eine psychologin zu besuch - es waren aber über 50 in der vorlesung (bzw. mit der letzten zivinovelle in *.at wo viel *** gebaut wurde, ist unter anderen der grundlehrgang ersatzlos gestrichen worden!). Trotzdem hat der erfahrungsaustausch mit den anderen sehr geholfen und auch oft über die stunden hinaus zu sehr tiefgehenden diskussionen geführt.
Überhaupt war dieses monat wirklich eine ganz tolle lebenserfahrung. Die vorlesung waren sehr lebendig gestallten und durch die großen anzahl von fertigen akademikern (einer von 50 hatte keine matura ;-), waren die zahlreichen philosophischen diskussionen sehr lehrreich - aber das ist ein anderes thema.
Eigent wollte ich ja noch was zur nachbetreuung sagen: Bei uns im pfegeheim gabe es 2 1/2 angestellte psychologen für 2.200 Patienten und 2.400 angestellte (wobei nicht auch viele büro und versorgungsjobs darunterfallen)! Ist natürlich eine utopie das ein zivildiener eine hätte bekommen können, wäre sie nötig gewesen.
In vielen anderen bereichen ist es nicht anders.
Werde das mal ernsthaft in erwegung ziehen.
Ich bezog mich auf Reanimationen. Das war häufig Thema auf der Wache oder in den Ausbildungsveranstaltungen. Wo man sich fragte, ob man Schicksal spielen darf (z.b. bei älternen Menschen, die offensichtlich soeben friedlich starben?), oder ob selbst schon die Suche nach Außnahmetatsbeständen (wie eben in der Klammer) ein Anmassung ist und man verpflichtet sei, sein Können unbedingt anzuwenden. Ein Teufelskreis.
In den 8 monaten wo ich auf der station war, haben sie genau eine dame versucht wiederzubeleben (und das eher tölpelhaft - aber wieder eine andere thematik). Am anfang habe ich mit meinen schwesterherz, sehr oft über solche punkte diskutiert - besonders sterbehilfe war mal ein langes thema - und meine meinung hat sich wärend des zivis mehrmals geändert und ist bis heute nich fixiert.
zu themen wie katastrophen fällen könnte ich nur, das wiederkauen was wir im zivilschutz gemacht habe - hatte mri eigentlich keine weiterführenden eigenen gedanken darüber gemacht.
Da habe ich manchmal schon gefragt, ob der Grundwehrdienst mein Gewissen in einer gewissen Art nicht sogar weniger belastet hätte.
Ja es war eien riesen belastung für mich. Und nicht wie es viele zivildienstverächter meinen, die der militärgehirnwäsche vollkommen unterlegen waren, alles andere als ein zuckerlecken - aber ich bereue es auf kenne fall und sehe mich dadurch denen die militär gemacht haben in den punkten "überlegen".
CU Roman