Hallo Chräcker
stimmen eigentlich die "Geschichten", die man sich, zumindest damals, erzählte, das ein "outing" einen auch recht schnell vom Wehrdienst befreit hätte?
Ja, da hast du einen wunden Punkt angesprochen, der wahrlich kein Ruhmesblatt für die Schwulenbewegung ist. Mir wurde damals häufig von Mitschwulen meines Alters berichtet, dass insbesondere ein Gutachter von der Uniklinik Frankfurt jedem Schwulen, der es wollte, bescheinigt haben soll, dass er sobald er auch nur gemeinsam mit anderen Jungs duschen müsste, "nicht an sich halten könne".
Gottseidank kamen Schwule aus den folgenden geburtenschwächeren Jahrgängen dann nicht mehr so einfach mit dieser klischeebestärkenden Ausrede durch.
Der Zivildienst ist ja auch keine eigene Sache sondern nur ein Dienst, wenn man den Wehrdienst verweigert. Man durfte ja auch den Wehrdienst nicht aus politischen Gründen verweigern, sondern nur aus moralischen. Auch bei mir (Jahrgang 66) stand der Zivildienst noch in keinem gutem Ruf. Heute ist es doch so, wie man am Ausgangsposter erkennen kann: es wird nicht wirklich der Wehrdienst aus Faulheit verweigert (wie uns noch vorgeworfen wurde) sondern der Zivildienst ;-) Und warte bis der Wehrdienst abgeschaft wird, da zittern einige soziale Einrichtungen und fragen sich dann auch, warum man nur den Zivildienst mit dem Wehrdienst gekoppelt hat und nicht besser umgekehrt... Zivildienstpflicht, und wer den verweigert (dann aber bitte wieder mit Anhöhrung) darf Dienst an der Waffe machen.
Gute Idee, aber das dann bitte auch für Angehörige jeglichen Geschlechts und geschlechtlicher Orientierung. Allerdings macht dieses Zivildienstdumping dann immer noch die Preise für Krankenschwestern und Altenpfleger kaputt, deren Stundensätze deutlich unter denen eines Automechemikers liegen. Es ist doch pervers, wenn jemand, der sich professionell um Menschen kümmert weniger "verdient" als jemand, der sich um unbelebte Materie kümmert.
Gruß Gernot