Enrico: Normalisierung von mp3-Dateien: besserer Ansatz als mp3gain?

Guten Abend,

ich hoffe, dass mein Beitrag nicht ignoriert wird, da das Thema "Normalisierung" von
mp3-Dateien (fast) schon unendlich breitgetreten wurde, aber ich bin mit den Ergebnissen,
die mir beispielsweise mp3gain liefert nicht zufrieden, aus dem einen einfachen Grund,
als dass ich es auch hier nicht schaffe, dass alle meine mp3-Dateien annähernd gleich laut
klingen.

mp3gain sorgt zwar für eine Angleichung der Lautstärke als solche, aber nicht für eine
Angleichung der Dynamik der einzelnen Frequenzbänder zueinander.

Nehmen wir hier mal das Musterbeispiel eines Radiosenders hinzu:

Die Songs werden normalisiert bzw. annähernd gleich normalisiert in's Studio eingespielt,
das schafft auch mp3gain. Jetzt kommt aber der entscheidende Schritt: Die Songs werden vor
dem Aussenden durch ein sogenanntes Processing "gejagt", das über etliche Hardwaregeräte
dafür sorgt, dass die Frequenzen aller Songs in Echtzeit angeglichen werden, so dass alle
Songs annähernd gleich laut klingen.

Es wurde also zum einen die Lautstärke der Songs zueinander angeglichen als auch die Dynamik
der einzelnen Frequenzbänder.

Und genau hier scheint es kein Programm zu geben, zumindest habe ich noch keines gefunden,
das im Batchbetrieb folgenden Ansatz umsetzt:

1. REFERENZSONG

Der Referenzsong ist der Song, der für einen die beste Aussteuerung liefert, d.h. der
      Frequenzverlauf klingt für einen optimal.

Das Programm ermittelt nun die maximalen Level der einzelnen Frequenzbänder und erzeugt
      die gesamte Equalizer-Einstellung.

2. BATCHBETRIEB

Nun werden die Level aller hinzugefügten Songs zueinander analysiert und mit der zuvor
      ermittelten "Muster-Equalizer"-Einstellung verglichen. Ist der Level zu hoch, wird er
      auf den jeweiligen Musterwert gesenkt, ist er zu niedrig, dann wird er angehoben.

Mit diesem Ansatz müsste es doch möglich sein, dass dann alle Songs annähernd gleich laut
klingen, nur leider bin ich im Internet hierzu nicht fündig geworden, wobei ich nicht glauben
kann, dass es solch ein Programm nicht gibt.

Wisst ihr hier Rat und könnt mir weiterhelfen?

Bin schon sehr gespannt auf eure Anregungen/Tipps und Tricks.

Gruß
Enrico

  1. Hi,

    Es wurde also zum einen die Lautstärke der Songs zueinander angeglichen als auch die Dynamik der einzelnen Frequenzbänder.

    Letzteres *verfaelscht* also schlicht und einfach die Musik.
    Wie kann man denn so etwas wollen?

    MfG ChrisB

    --
    „This is the author's opinion, not necessarily that of Starbucks.“
    1. Hi,

      Letzteres *verfaelscht* also schlicht und einfach die Musik.
      Wie kann man denn so etwas wollen?

      Der Fachbegriff fuer diesen - m.E. - Unfug lautet Dynamikkompression, Englisch dynamic (range) compression.

      Mit dem Suchbegriff findet man z.B. VLevel, welches sich auch als Plugin in foobar2000 nutzen laesst.

      MfG ChrisB

      --
      „This is the author's opinion, not necessarily that of Starbucks.“
      1. Hallo Chris,

        Letzteres *verfaelscht* also schlicht und einfach die Musik.
        Wie kann man denn so etwas wollen?
        Der Fachbegriff fuer diesen - m.E. - Unfug lautet Dynamikkompression, Englisch dynamic (range) compression.

        nicht ganz, denn unter Dynamikkompression versteht man die *nicht* frequenzselektive Verringerung der Dynamik. Für das, was Enrico beschreibt, gibt es AFAIK gar keinen Fachausdruck, weil es für die Fachwelt Blasphemie wäre.

        Mit dem Suchbegriff findet man z.B. VLevel, ...

        ... das nur die Gesamtlautstärke kontinuierlich nachregelt und damit das Frequenzspektrum relativ unbeeinflusst lässt, wie das jeder Musikhörer erwarten würde.

        Ciao,
         Martin

        --
        Die beste Informationsquelle sind Leute, die jemand anderem versprochen haben, nichts weiterzuerzählen.
          (alte Journalistenweisheit)
        1. Hi,

          Der Fachbegriff fuer diesen - m.E. - Unfug lautet Dynamikkompression, Englisch dynamic (range) compression.

          nicht ganz, denn unter Dynamikkompression versteht man die *nicht* frequenzselektive Verringerung der Dynamik.

          Nein, nicht notwendigerweise.

          Für das, was Enrico beschreibt, gibt es AFAIK gar keinen Fachausdruck, weil es für die Fachwelt Blasphemie wäre.

          Das waere dann multi-band compression, im Gegensatz zur full-band bzw. single-band compression.

          MfG ChrisB

          --
          „This is the author's opinion, not necessarily that of Starbucks.“
  2. Hallo,

    mp3gain sorgt zwar für eine Angleichung der Lautstärke als solche, aber nicht für eine Angleichung der Dynamik der einzelnen Frequenzbänder zueinander.

    und das ist ja auch gut so, denn sonst vernichtet man ja nach und nach den individuellen Sound jedes Musikstücks.

    Nehmen wir hier mal das Musterbeispiel eines Radiosenders hinzu:
    [...]
    Es wurde also zum einen die Lautstärke der Songs zueinander angeglichen als auch die Dynamik der einzelnen Frequenzbänder.

    Verrate mir bitte, welcher Radiosender das macht, damit ich den in Zukunft meiden kann. Denn da muss ich mich Chris anschließen: Sowas tut man einfach nicht, das ist eine Schändung jedes Musikstücks.

    Es ist bekannt, dass nahezu alle Radiosender die Musik für die Ausstrahlung im UKW-Rundfunk von über 90dB (CD-Aufnahme) auf etwa 20..30dB komprimieren. Aber diese Dynamikkompression erfolgt normalerweise nicht frequenzselektiv, da das den Klangeindruck verfälschen würde.

    So long,
     Martin

    PS: Was ist das eigentlich für eine Masche, andauernd mitten im Satz einen neuen Absatz zu beginnen? Das reißt den Zusammenhang innerhalb deines Beitrags ganz schön auseinander!

    --
    Frauen sind wie Elektrizität: Fasst man sie an, kriegt man eine gewischt.
    1. Hallo Martin,

      das Seltsame bzw. eher Faszinierende daran ist, dass sich die Songs nicht
      geschändet anhören.

      Hier die Antwort, die ich vom Leiter der Technik eines sehr bekannten
      Radiosenders bekommen habe:

      >> zum einen werden die Titel bereits "annähernd" normalisiert in das Sendesystem
         >> eingespielt. "Annähernd" deshalb, weil die Normierung sich dabei auf den
         >> Audiopegel bezieht. Allerdings spielen bei der Empfindung der Lautstärke auch
         >> noch andere Faktoren eine Rolle (Intensität, Komprimierung), die einen Titel
         >> trotz gleichen Pegels lauter bzw. leiser erscheinen lassen.
         >>
         >> zum anderen wird während der Ausspielung, d.h. zwischen Studio und Aussendung,
         >> das Signal durch ein "Processing" geschickt. Dies ist keine Software, sondern
         >> sind spezielle Geräte für den Broadcastbereich, die in Echtzeit die Titel
         >> entsprechend anheben oder absenken. Das aufwendige, aber effektive dabei ist,
         >> dass diese Geräte das Signal in unterschiedliche Frequenzteile zerlegen und
         >> jedes Frequenzband eigens behandeln. Das führt dann zu diesem Ergebnis, dass
         >> alle Titel annähernd gleich laut klingen.
         >> Die Geräte sind sehr teuer (beginnen bei 15 T€) und sind somit für den
         >> Heimgebrauch weniger geeignet.

      Gruß
      Enrico

      1. Hallo,

        das Seltsame bzw. eher Faszinierende daran ist, dass sich die Songs nicht geschändet anhören.

        Ansichtssache ...

        >> Das führt dann zu diesem Ergebnis, dass alle Titel annähernd gleich laut klingen.

        Und das ist genau das, was man als Hörer überhaupt nicht will.

        Ciao,
         Martin

        --
        Einer aktuellen Erhebung zufolge sind zehn von neun Ehefrauen eifersüchtig auf ihren Mann.
        1. Hallo Martin,

          Und das ist genau das, was man als Hörer überhaupt nicht will.

          Dann verstehe ich aber nicht, warum sich Radiosender im Allgemeinen so großer
          Beliebtheit freuen, natürlich abhängig von der Musikrichtung, die gespielt
          wird.

          Oder Discotheken, da sorgen die DJ's ja auch dafür, dass ein ungefähr gleicher
          Lautstärkepegel gehalten wird bzw. die Songs, die ineinander gemischt werden
          in etwa die gleiche Dynamik haben, egal ob man jetzt House oder Techno hernimmt
          als Beispiel oder klassische Rock-Discotheken...

          Oder Musik im Auto, da will man ja nicht bei einem Song vor lauter Baß aus'm
          Sitz gehoben werden und muß hingegen beim nächsten Song die Einstellungen
          nachjustieren, weil einem, übertrieben ausgedrückt, die Höhen um die Ohren
          pfeifen.

          Gruß
          Enrico

          1. Hi there,

            Oder Discotheken, da sorgen die DJ's ja auch dafür, dass ein ungefähr gleicher
            Lautstärkepegel gehalten wird bzw. die Songs, die ineinander gemischt werden
            in etwa die gleiche Dynamik haben, egal ob man jetzt House oder Techno hernimmt
            als Beispiel oder klassische Rock-Discotheken...

            Es ist aber ein Unterschied, ob der DJ dafür sorgt, daß der Pegel in etwa gleich ist oder ob die Musik selbst verändert wird...

            Oder Musik im Auto, da will man ja nicht bei einem Song vor lauter Baß aus'm
            Sitz gehoben werden und muß hingegen beim nächsten Song die Einstellungen
            nachjustieren, weil einem, übertrieben ausgedrückt, die Höhen um die Ohren
            pfeifen.

            Musst eben nachregeln, das macht ein DJ auch...

          2. Hi Enrico,

            Dann verstehe ich aber nicht, warum sich Radiosender im Allgemeinen so großer Beliebtheit freuen, natürlich abhängig von der Musikrichtung, die gespielt wird.

            bei UKW-Radiosendern ist die Dynamikkompression eine technische Notwendigkeit, weil die zur Verfügung stehende Bandbreite einfach nicht mehr als rund 30dB Dynamik zulässt. Aber diese Kompression erfolgt eben im Normalfall nur im Hinblick auf die Gesamtlautstärke, und nicht frequenzselektiv.

            Oder Discotheken, da sorgen die DJ's ja auch dafür, dass ein ungefähr gleicher Lautstärkepegel gehalten wird bzw. die Songs, die ineinander gemischt werden in etwa die gleiche Dynamik haben, egal ob man jetzt House oder Techno hernimmt als Beispiel oder klassische Rock-Discotheken...

            In Discotheken kommt's auch nur darauf an, dass es möglichst laut rummst und kracht und dröhnt; die Klangqualität interessiert ja dort niemanden.

            Oder Musik im Auto, da will man ja nicht bei einem Song vor lauter Baß aus'm Sitz gehoben werden und muß hingegen beim nächsten Song die Einstellungen nachjustieren, weil einem, übertrieben ausgedrückt, die Höhen um die Ohren pfeifen.

            Musik im Auto ist ein schwieriger Sonderfall. Durch die Umgebungsgeräusche hat man dort ganz andere Hörbedingungen als zuhause. Dort ist eine Dynamikkompression vielleicht sogar dann sinnvoll, wenn sie den Frequenzgang verändert. Das sollte dann aber bitte nicht die Radiostation machen (denn dann würde es für alle Hörer gelten), sondern der Signalprozessor im Autoradio.

            Ciao,
             Martin

            PS: Bitte las doch endlich die dauernden Absatzwechsel mitten im Satz sein!!

            --
            Drei Sachen vergesse ich immer wieder: Telefonnummern, Geburtstage und ... äääh ...
            1. Hallo Martin,

              ei, ei, ei, dass mein Vorhaben so dermassen "niedergeschmettert" wird, hatte ich nicht gedacht... Ich finde die Handhabung im Radio super und hätte sie gerne auch für mich privat umgesetzt...

              Ich denke aber schon, dass ich bzw. wohl auch viele andere keine Unterschiede feststellen können dürften zwischen Songs, die im Radio gespielt werden und zum Vergleich daheim, wenn man mal zugrunde legt, dass man in den Privatgemächern und im Auto die gleichen Lautsprecher hätte.

              Ich scheine da in ein regelrechtes Nest an Ablehnern jeglicher Dynamikkompression gestochen zu haben ;-)

              Gruß
              Enrico
              PS: Sorry wegen der Absätze, dürfte jetzt in Ordnung sein...

              1. Hi there,

                Ich scheine da in ein regelrechtes Nest an Ablehnern jeglicher Dynamikkompression gestochen zu haben ;-)

                Ich kann nur für mich sprechen und ich geh' einfach einmal davon aus, daß sich der Typ am Mischpult beim Mastern irgendetwas gedacht hat. Ich geh ja auch nicht in ein Restaurant und würze die Speisen nach oder mische zu irgendeinem Wein einen anderen dazu, nur weil mir die Farbe nicht passt...

              2. Hallo Enrico,

                Ich denke aber schon, dass ich bzw. wohl auch viele andere keine Unterschiede feststellen können dürften zwischen Songs, die im Radio gespielt werden und zum Vergleich daheim, wenn man mal zugrunde legt, dass man in den Privatgemächern und im Auto die gleichen Lautsprecher hätte.

                Wenn du ein und den selben Song im direkten Vergleich Radio/CD hörst, wird dir der Unterschied sehr wohl auffallen.
                Und selbst wenn man es nicht direkt vergleicht, "fühlt" sich das Material unterschiedlich an.

                Gruß
                Ole
                (8-)>

                --
                Das Wort Vegetarier kommt aus dem Indianischen und bedeutet: Zu dumm zum Jagen.
      2. Hi there,

        das Signal durch ein "Processing" geschickt. Dies ist keine Software, sondern
           >> sind spezielle Geräte für den Broadcastbereich, die in Echtzeit die Titel
           >> entsprechend anheben oder absenken.

        Haha, der war gut. Ja wenn's keine Software ist, dann sind es wahrscheinlich ein paar Transistoren und ein oder zwei Relais, das ist ja völlig harmlos;)

        (Was glaubt der Typ eigentlich, was in dem "speziellen Gerät" drinnen ist? Büroklammern oder Elektro-Voodoo?)

        1. Hallo,

          versteh ich nicht... Worauf willst Du hinaus?

          Gruß
          Enrico

          1. Hi there,

            versteh ich nicht... Worauf willst Du hinaus?

            Ich will darauf hinaus, daß diese "speziellen Geräte" nichts anderes machen als irgendwelche VST-Plugins oder andere Software-Kompressoren. (Es sei denn, Du findest irgendwo eine Rundfunkanstalt, die analoge Musik bearbeitet und ausstrahlt, aber das wird Dir ohne Zeitmaschine nicht gelingen;)

            1. Hallo,

              also - Deiner Meinung nach - auch ebenso "unsinnig" wie entsprechende Software ?

              Gruß
              Enrico

              1. Hallo,

                also - Deiner Meinung nach - auch ebenso "unsinnig" wie entsprechende Software ?

                genau, aber im Radio egal, weil Radio eh nur im Auto oder im Kaufhaus gehört wird...

  3. Hi there,

    ich hoffe, dass mein Beitrag nicht ignoriert wird, da das Thema "Normalisierung" von
    mp3-Dateien (fast) schon unendlich breitgetreten wurde, aber ich bin mit den Ergebnissen,
    die mir beispielsweise mp3gain liefert nicht zufrieden, aus dem einen einfachen Grund,
    als dass ich es auch hier nicht schaffe, dass alle meine mp3-Dateien annähernd gleich laut
    klingen.

    Naja, Normalisierung ist Zerstörung; wenn Du 24- oder gar 32-bit Samples hast, kannst Du Dich blöd normalisieren, aber wenn es um schrottige mp3-Dateien handelt, dann zerstörst Du mehr, als Du gewinnst. (Hängt natürlich auch davon ab, was für eine Musik Du bearbeiten willst; bei Tittny Spears oder volkstümlicher Musik ist es eh wurscht, aber wir sind ja nicht die Geschmackspolizei ;)