Alexander (HH): Röhrenbildschirm/-fernseher einfach ausschalten

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Moin Moin!

nein - und das wird schon daran deutlich, dass viele dieser Geräte noch einen echten Netzschalter haben, der das Gerät tatsächlich "hart" von der Spannungsversorgung trennt.

Zumindest bei Fernsehgeräten ist das nicht immer so. Da ist der Entmagnetisier-Kreis vor dem Netzschalter abgegriffen und wird beim Ausschalten aktiviert.

Das habe ich ehrlich gesagt noch nie bei irgendeinem Fernseher gesehen. Entmagnetisieren beim Ausschalten ist völlig sinnfrei, denn es geht darum, veränderte Magnetisierungen, vor allem durch Transport und Bewegung bedingt, zu beseitigen.

Die Entmagnetisierung in ALLEN mir bekannten Fernsehern läuft über ein PTC-Bauelement, das direkt hinter dem Netzschalter bzw. Netzrelais liegt. Das Bauteil ist beim Einschalten ungefähr auf Raumtemperatur, hat dadurch einen sehr niedrigen Widerstand und legt damit die Entmagnetisierungsspulen quasi direkt ans Netz. Das sorgt für ein kräftiges elektromagnetisches Wechselfeld. Durch den Strom und durch eine integrierte Mini-Heizung wird das Bauteil sehr schnell wärmer, der Widerstand steigt kräftig an, dadurch sinkt der Strom durch die Entmagnetisierungsspulen innerhalb von ein paar Sekunden auf nahezu null und das Magnetfeld wird immer kleiner, damit werden magnetisierbare Teile an der Bildröhre und ihrem näheren Umfeld ziemlich gründlich entmagnetisiert.

Wen's interessiert, hier ist das Prinzipschaltbild:

S1      ____
      o------o. o-----[____]---*-------+
               \        R1a     |       |
                               +++     ###
                               | |     ###
230V~                     R1b  | |     ###  L1
                               | |     ###
           F1                  +++     ###
         +----+                 |       |
      o--+----+----------------*-------+
         +----+

R1a und R1b sind zwei PTC-Widerstände, typischerweise als zwei kleine Keramikscheiben, eingeklemmt zwischen drei Kontaktfedern und in ein kleines Plastikgehäuse eingeschlossen. (Beispiel) R1a sorgt für die Strombegrenzung, R1b sorgt dafür, dass R1a schneller warm wird.

L1 ist die Entmagnetisierungsspule.
S1 ist der Hauptschalter (mechanischer Netzsschalter an alten Geräten, Netzrelais an neuen Geräten. Je nach Gerät ist S1 auch mal zweipolig.

F1 ist die Hauptsicherung, typischerweise träge, damit der Einschaltstrom der Entmagnetisierung nicht gleich die Sicherung zerfetzt.

Eine kleine Gemeinheit gibt es allerdings bei einigen alten Geräten (die ersten paar mit Mikroprozessor): Am mechanischen Netzschalter ist ein zusätzlicher Wischkontakt, der während des Reindrückens kurz einen Kontakt schließt und damit dem Mikroprozessor einen Reset-Impuls verpaßt. Schaltet man den Fernseher extern ein und aus (z.B. über eine Steckdosenleiste), fehlt dieser Reset-Impuls und der Mikroprozessor läuft nicht (immer) sauber an. Ergebnis: Der Fernseher "spinnt".

Später hat man, wie schon bei Heimcomputern üblich, stattdessen eine R-C-Kombination verbaut, noch spätere Generationen haben eine integrierte Reset-Schaltung, die auf steigende bzw. fallende Versorgungsspannung reagiert.

Alexander

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