molily: Was muss ein durchschnittlicher Webdesigner heutzutage können

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Wenn ein Kunde lediglich eine kleine recht statische Website braucht, so reicht eine mit einem WYSIWYG-Editor erstellte Site aus, oder ein CMS/eine Blogsoftware mit vordefiniertem Theme, bei dem nur ein paar Texte, Schriften, Farben, Grafiken angepasst werden.

Reicht das wirklich?

»Es reicht« war nicht wertend gemeint. Es reicht im faktischen Sinne: Es ist übliche Praxis, mehr gibt es nicht. Es muss reichen für das, was der Kunde zu zahlen bereit ist.

Ob die Site gut designt ist, steht auf einem anderen Blatt. Um eine Handvoll statische Informationen ins Netz zu bringen und aktualisieren zu können, wird aus Kostengründen niemand einen Designer oder gar UX-Spezialisten beauftragen. Es wird kein besonders überzeugendes, ausgereiftes, individuelles Design werden, aber es muss auch kein völlig verbocktes sein. Mancherlei CMS/Blogsoftware und viele Themes sind bereits gut bedienbar und gut gestaltet.

In solchen Fällen sind Designanpassungen tatsächlich oftmals Fassade und bloße Dekoration, die oftmals nach hinten los geht. Na und? Sich darüber aufzuregen halte ich für unangebracht und für ein Missverständnis der Lage. Es ist Realität, dass Websites so entstehen. Gutes Web- und Interfacedesign, Informationsarchitektur, Usability usw. sind unglaublich rar und kosten eine Menge Geld. Ein solches Design umzusetzen bedarf eines großen multidisziplinären Teams, bei dem alle ein breites Verständnis haben.

Designer, die für kleineres Geld arbeiten, sind entsprechend mittelmäßig und schaffen nicht unbedingt bessere Qualität, als ausgereifte Standardsoftware mit Themes von der Stange bietet. Von den Eigenschaften des Mediums haben sie selten Ahnung, wie du mit Hinweis auf Responsive Design richtig feststellst.

Hinsichtlich des verlinkten Artikels: Es gibt durchaus eine Reihe von Grundregeln, die jeder Nicht-Designer beachten kann, ohne ein tiefes Verständnis von Design zu haben. – Ob der dort kritisierte Artikel diese Grundregeln nun wiedergibt, darüber lässt sich gesondert streiten. – Dass diese Faustregeln einen Designprozess nach Regeln der Kunst ersetzen können, hat niemand behauptet. Trotzdem ist solcher Rat hilfreich angesichts der realen Bedingungen, unter denen Websites gebaut werden; ob man diese gut findet oder nicht.

Aber das hatte ich auch im darauffolgenden Absatz geschrieben:

Das heißt nicht, dass keine Site mehr individuell gestaltet und kein Code mehr von Hand geschrieben werden muss.

Mit »muss« ist hier auch eher das wirtschaftliche Erfordernis gemeint, die Nachfrage.

Mathias