Moin
Hallo,
Ich finde die Schlüsse, die hier aus der Studie gezogen werden, problematisch. Die Studie sagt nicht, dass Stift per se und überhistorisch besser als Tastatur ist, sondern eben nur für die Testgruppe. Alle Probanden sind in einer analogen Welt aufgewachsen, in denen sie mit Stiften gemalt, geschrieben und Mitschriften angefertigt haben, seit frühen Kindestagen bis hin zum Uniabschluss. Sie haben 95% dessen, was sie gelernt haben, mit Stift und Papier gelernt. Wenn ich denen nun nach 20 Jahren kognitiver Entwicklung einen Laptop zum Mitschreiben gebe, ist das Ergebnis nicht verwunderlich. Das Gehirn ist auf das Mitschreiben per Hand konditioniert. So hat es Lernen gelernt.
Heutige Kinder benutzen neben Stiften Tablets, Smartphones, Laptops… zum Malen, Schreiben, Spielen… Ihre Kreativität und ihre Fähigkeiten entwickeln sich entsprechend, sie gewöhnen sich an diese Werkzeuge. Sie sind die wirklichen Digital Natives. Sie merken sich Dinge nicht, indem sie sie mit Stiften niederschreiben, sondern indem sie sie eintippen oder anderweitig eingeben. Computer sind heute gleichwertig zu Stift und Papier.
In 20 Jahren sollte diese Studie wiederholt werden mit Probanden, denen von Anfang an beide Möglichkeiten zur Verfügung standen. Es würde mich nicht wundern, wenn sich Stift & Papier sowie elektronische Werkzeuge angeglichen haben. Ich will nicht ausschließen, dass das Lernen mit Stift & Papier dann immer noch besser abschneiden etwa aufgrund der kognitiv-motorischen Besonderheit der Handschrift, aber vermutlich ist die Differenz geringer.
Dazu kann ich vielleicht was beitragen. Durch verschiedene Dozentenjobs bekomme ich mit, dass Schüler die nur über Tastatur schreiben (in die digitalen Welt meist bereits hineingewachsen sind) sich Inhalte viel schlechter merken können als "ältere" in der analogen Welt aufgewachsene.
Dies wird in Gesprächen durch verschiedene Dozenten in verschiedenen Bildungseinrichtungen bestätigt. Die Fähigkeit zu lernen verkümmert tatsächlich immer mehr durch die leichte Verfügbarkeit elektronischer medien und durch den aktiven Prozess des "Aufschreibens". Dies ist eben nicht gleichwertig zu Tastaturanschlägen
Ich finde dieses Thema hochinteressant und würde hierzu gern mal einen Feldversuch starten. Mal sehen ob ich etwas Zeit dazu finde.
Gruß Bobby
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