hi,
mittlerweile jedoch bin ich 58 und habe festgestellt dass Geschichte aufarbeiten ein Weg zur Wahrheitsfindung ist. Sicher verblasst auch diese oder jene Erinnerung aber insgesamt ergibt sich ein schlüssiges Bild über das System dem ich nicht nur meine Jugend geopfert, sondern in dem ich auch einen Großteil meines Lebens verbracht habe.
Das klingt sehr negativ. Sicherlich ist einiges an der Staatsführung der DDR alles andere als lobenswert gewesen, aber sei mal ehrlich: Was ist Dein Maßstab, wonach "das Regime im Westen" besser abschneiden sollte?
Ich habe keinen Maßstab, einen Solchen müssten wir erst definieren.
Erleben wir nicht auf andere Weise mit der aktuellen Regierung (meinetwegen darfst Du sogar bis zur "Ära Kohl" zurückgehen) nicht ebenfalls schmachvolle und schändliche Dinge? Ist "Freiheit am Hindukush verteidigen" sosehr viel besser, als der Schießbefehl an der Grenze?
Auch derartige Vergleiche müssten wir an bestimmten Dingen festmachen, welche zu definieren wären.
Sind deutsche Panzerfabriken im politisch instabilen Ausland sosehr viel besser als die Minen am deutsch-deutschen Grenzzaun?
Deutschland selbst ist instabil, wir wollen es nur nicht wahrhaben. Den Krieg haben wir schon längst mitten im Land.
Mir scheint es eine mögliche und wertvolle Erkenntnis, wenn man seine Existenz in einem Land als eine Aufgabe begreift, unter den gegebenen Umständen ein bedeutungsvolles Leben zu führen.
Der Mensch genügt primitiven Bedürfnissen: Essen, Trinken, ein Dach übern Kopf und einen Job den er dafür machen muss. Dann fühlt er sich geborgen, auch dann, wenn es ein Job mit der Waffe ist. Selbst die NVA und die DDR hat den Menschen, mich eingeschlossen, ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt.
Es sollten nicht die Umstände sein, die uns definieren, sondern unsere Art, mit ihnen umzugehen.
Genau deswegen schreibe ich ja darüber.
Schöne Grüße.