Lieber Gunnar,

Es sind Menschen, die Respekt verdienen.

"verdienen"? Es ist richtig, dass man sich Respekt verdienen muss. Wer sich Respekt verdient hat, hat etwas geleistet, das diesen Respekt zur Folge hat. Daher das Wort "verdienen" und die Redewendung "Respekt verdienen". Meines Erachtens verdient jemand nicht automatisch Respekt, nur weil er (ich verwende das generische Maskulinum) existiert.

Etwas anderes ist Menschenwürde. Diese hat ein Mensch automatisch, weil jedes Menschenkind nun Mal per Gesetz (und hier kommen noch die international verbrieften Menschenrechte dazu) diese zugesprochen bekommt. Aber das hat nichts mit Respekt zu tun. Es hat mit Würde zu tun. Wenn ich einen Menschen würdig behandle, dann tue ich diesem Menschen kein Unrecht an. Aber Respekt ist das höchstens vor seiner Würde, nicht vor seinem gesellschaftlichen Stand oder seinen Leistungen, und auch nur deshalb, weil die Menschenwürde ein sehr hohes Gut ist, welches seinerseits eben Respekt verdient hat.

Wenn man Respekt so inflationär verteilen würde wie Du das hier verlangst, welchen Sinn hätte Respekt dann überhaupt noch?

Dazu gehört zu respektieren, dass sie sich weder als Mann noch als Frau fühlen. Also das Gegenteil von „Das ist deren Privatvergnügen.“

"Respektieren" oder "anerkennen"? Da sehe ich einen großen Unterschied. Die Würde anzuerkennen fordert von mir, sie als Menschen zu sehen. Das tue ich. Alles andere wäre auch grober Unfug. Die Würde fordert ebenfalls, sie als Mitglieder unserer Gesellschaft anzuerkennen. Das tue ich auch. Alles andere wäre ebenfalls grober Unfug. Und genau hier enden die Selbstverständlichkeiten bzw. solcherlei Automatismen. Denn entweder sind sie in ihrer Erscheinung und Auftreten eine Frau, oder ein Mann. Für eines der beiden müssen sie sich entscheiden, denn das ist die gesellschaftliche Norm. Und die hat ihren Sinn und ihre Berechtigung.

Unsere Gesellschaft besteht in ihrer erdrückenden Mehrheit aus Idividuen, die sich als Mann oder als Frau fühlen, und das zweifelsfrei - bedingt durch ihre biologischen Grundlagen. Diejenigen Individuen, die das nicht tun, sind gemessen an der Gesellschaft insgesamt eine sehr kleine Randgruppe. Daher haben sie die Notwendigkeit, mit diesem binären System irgendwie klar zu kommen. Wenn sie sich absichtlich als "non-binary" verstanden wissen wollen (verwende bitte nicht das Wort Respekt!), dann weichen sie vorsätzlich von einer Norm ab. Das ist grundsätzlich nicht trivial und deshalb problematisch.

Nein, ganz und gar nicht! Sie haben Anerkennung verdient so wie sie sind – als weder Mann noch Frau.

Sie sind aber biologisch betrachtet entweder Mann oder Frau! Und das hat unabwendbare Folgen! Welche medizinische Sichtweise will denn eine non-binary-Person auf sich angewendet wissen, wenn Sie Unterleibsbeschwerden hat? Geht sie zum Urologen, oder zum Frauenarzt? Da spielt es vielleicht weniger eine Rolle, dass die Person sich als non-binary fühlt, als viel mehr, was die Biologie des Körpers wirklich ist!

Die Natur gibt eben keine binäre Form vor. Intersexualität kommt in der Natur vor.

Ich hatte bereits auf diesen Wikipedia-Artikel verlinkt. Aber leider gilt: Die Ausnahme bestätigt die Regel. Wenn die menschliche Spezies sich fortpflanzen will, dann gelingt das nur mit der binären Form. Daher ist diese die (sowohl biologische als dadurch auch gesellschaftliche) Norm. Das schlägt sich auch im Grundgesetz durch, in welchem die Familie als Institution geschützt wird, weil sie Nachwuchs und damit "das Humanvermögen der Gesellschaft" generieren kann.

Wenn sich intersexuelle Menschen als non-binary fühlen, dann ist das eine Sache. Wenn sich aber eine Person mit eindeutig männlicher oder weiblicher Genetik als non-binary fühlt, dann ist das eine andere. Im beiden Fällen bewegen sie sich außerhalb der Norm. Ob das jetzt chic ist, oder narzisstisch, oder einfach nur persönliches Leiden, es ist außerhalb der Norm. Diese deshalb nun abzulehnen und infrage zu stellen, ist keine Lösung, da sie für den großen Rest der Gesellschaft etwas kaputt macht, was für diesen ein seit Jahrtausenden geregeltes und gut funktionierendes Miteinander bietet.

In der Vergangenheit wurden Intersexuelle oft operiert – ohne medizinische Notwendigkeit und ohne deren Einverständnis. Pimmel weg – „Problem“ weg‽ Damit wurde diesen Menschen unsagbares Leid zugefügt:

Das waren Verbrechen, keine Frage. Die kann und will ich nicht schön reden. Aus meiner Sicht hat man grob das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit verletzt, als auch die Menschenwürde. Aber nicht alle non-binary-Leute sind intersexuell und umgekehrt!

„sie prangern später die Verletzungen an, die ihnen zugefügt wurden

Absolut berechtigt.

nur um die weiblich-männliche Dichotomie aufrecht zu erhalten, sehen sich als zwangsweise transsexualisiert oder kastriert.“ (o.g. Wikipedia-Artikel)

Die Beweggründe waren sicherlich fehlgeleitete. Heute sieht man das anders, als damals. Und das ist gut so.

Wenn ein Kind mit einem zusätzlichen (verkümmert aussehenden) Finger an der Hand geboren wird, soll der dann dran bleiben, oder nicht? Wer entscheidet darüber? Und zu welchem Zeitpunkt?

Dieses Dilemma ist sicherlich nur sehr entfernt vergleichbar, stellt die Eltern und Ärzte aber gleichermaßen vor ein Entscheidungsproblem. Es bleiben zwei Optionen:

  1. nichts tun und das Kind alt genug werden lassen, um selbst zu entscheiden
  2. operierend eingreifen, um eine Norm zu gewährleisten

Welche dieser beiden Optionen führt zu weniger Leid? Beim Finger? Bei intersexuellen Phänomenen?

Das Problem sind nicht die Menschen, die weder Mann noch Frau sind. Das Problem sind die Menschen, deren beschränktes Weltbild nur entweder Mann oder Frau zulässt. Geschlecht ist aber nicht binär.

Das menschliche Geschlecht ist binär! Sonst würde unsere Fortpflanzung nicht funktionieren. Wer das leugnet möge bitte seine Existenz erklären! Das bedeutet aber nicht, dass es in der Genetik eines Individuums nicht zu Abweichungen kommen kann, die im Falle von Intersexualität eben das Geschlecht betreffen.

Warum leugnest auch Du eine längst von der biologischen Forschung zweifelsfrei ermittelte und in der menschlichen Geschichte über Jahrtausende bekannte Wahrheit? Wegen der möglichen genetischen "Unfälle"? Ja, es sind genetische Unfälle! Und die haben beim 23. Chromosomenpaar eben die Auswirkung, dass das Wesen zwar lebensfähig ist, aber seine Fortpflanzungsfähigkeit nicht mehr garantiert ist! Da sprechen wir von Intersexualität. Beim 21. Chromosomenpaar können ja auch "Unfälle" passieren, die dann zu einem Menschen mit Trisomie-21 (auch bekannt als Down-Syndrom) führen. Auch hier ist eine Abweichung von der Norm gegeben. Nur da wird kein Gesetz geändert, dass man beim Geschlecht eine dritte Option ankreuzen muss. Hier wird einfach diskriminiert, dass diese Menschen intellektuell weniger leistungsfähig sind. Sie bekommen niemals einen Manager-Posten in einer Firma...

Das ist nicht, wie Gott den Menschen geschaffen hat (falls man daran glauben möchte). Das ist menschliche Interpretation. Fehlinterpretation in diesem Fall. Denn wie schon gesagt, ist Intersexualität etwas ganz Natürliches. Intersexualität ist von Gott so geschaffen (für die, die an Gott glauben wollen).

In der Biologie kommt es immer wieder zu Abweichungen von der Norm. Das heißt aber nicht, dass die Norm als solche deshalb nicht anzuerkennen sei. Es bedeutet nur, dass es in diesen Fällen entweder zu einem nicht lebensfähigen Organismus kommt (Fehlgeburt), oder zu einem Organismus, der gewisse Besonderheiten aufweist, weil das eine oder andere nicht normgerecht funktioniert.

Intersexualität ist keine Krankheit, die behandelt werden müsste! Intersexualität ist etwas Seltenes, aber ganz natürlich Vorkommendes, das akzeptiert werden sollte. Davon geht die Welt nicht unter – im Gegenteil.

Trisomie-21 ist auch etwas völlig natürliches. Das muss auch nicht behandelt werden. Wird es auch nicht. Allerdings würdest Du als Elternteil sehr hart schlucken müssen, um das zu akzeptieren, wenn es ausgerechnet Dein Kind beträfe.

Und noch einmal zum Mitschreiben: Intersexualität und sich-non-binary-fühlen sind zwei getrennte Anliegen, die sich überschneiden können, aber nicht müssen. Wirf das bitte nicht in einen gemeinsamen Topf! Und missbrauche das in-einen-Topf-werfen nicht als Argumentation dafür, biologisch unzweifelhafte Fakten infrage zu stellen, um darauf zurecht basierende Normen abzulehnen!

Nur am Rande: Was ist das Gegenteil von "die Welt geht unter"?

Vielleicht unterhältst du dich einfach mal mit Non-binary-Personen? Das könnte helfen, die eigenen Schranken im Kopf abzubauen.

Ich bin noch niemandem begegnet, der oder die sich als non-binary bezeichnet. Es wäre sicher eine interessante Person. Aber inwiefern eine Diskussion über die Geschlechtlichkeit dieser Person überhaupt fruchtbar ist, mag vor anderen Aspekten in den Hintergrund treten, die diese Person begegnenswert machen.

Liebe Grüße,

Felix Riesterer.

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                                                              Akzeptanz eines dritten Geschlechts hat nur mit Gesellschaft, nicht mit Biologie oder Medizin zu tun!

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                                                                                    1. 0
                                                                                      1. 0
                                                                                        1. 0
                                                                                          1. 0
                                                                                            1. 0
                                                                                              1. 0
                                                                                                1. 0
                                                                                        2. 0
                                                                                        3. 0
                                                                                          1. 0
                                                                                            1. 1
                                                                                            2. 0
                                                                                            3. 1

                                                                                              Verortung von agender im Spektrum zwischen Mann und Frau

                                                                                            4. 0

                                                                                              Zum Gender-Farb-Vergleich

                                                                                            5. 1

                                                                                              Zur political correctness

                                                                                            6. 0
                                                                                              1. 1
                                                                                                1. 0
                                                                                                  1. 0
                                                                                                    1. 0
                                                                                                      1. 0
                                                                                                      2. 1
                                                                                                    2. 0
                                                                                                2. 2
                                                                                    2. 0
                                                                                  2. 0
                                                                                    1. 1
                                                                                2. 1
                                                                                  1. 0
                                                                            3. 0
                                                                              1. 0
                                                                          2. 0
                                                                            1. 1

                                                                              non-binary / Fake News

                                                                        3. 0

                                                                          Zum Trollolo nochmal!

                                                                          1. 0
                                                                            1. 0
                                                                    2. 0
                                                                  2. 0
                                                            2. 2
                                                              1. 0
                                                                1. 2
                                                                2. 1
                                                                  1. 0
                                                                  2. 0
                                                                    1. 0
                                                                      1. 0
                                                                    2. 0
                                                                    3. 0
                                                                  3. 0
                                                                3. 0
                                                                  1. 0
                                                                    1. 0
                                                            3. 0
                                                              1. 0
                                                                1. 3
                                                                  1. 0
                                                    2. 0
                                          2. 1
                                      2. 1
                                        1. 0
                                2. 0
                                  1. 0
                                    1. 0
                                      1. 2
                                        1. 0
                                        2. 0
                                          1. 2

                                            Warum es manchmal sinnvoll ist, den Interviewten statt das Interview zu beurteilen

                                            1. 0
                                              1. 1
                                        3. 0
                                          1. 1
                                          2. 0
                                      2. 0
                                        1. 0
                                          1. 2
                                            1. -1
                                        2. 0
                                          1. 1
                                            1. 0
                                      3. 0
                                        1. 0
                                          1. 1
                                            1. 0
                                              1. 0
                                                1. 0
                                                  1. 0
                                                    1. 0
                                                    2. 0
                                                      1. 0
                                                  2. 0
                                            2. 0
                                              1. 0
                                              2. 0
                                                1. 0
                                                  1. 0
                              2. 5
                                1. 1
                                2. -2
                                  1. 1
                                3. 0
                                  1. -2
                                    1. -1
                                      1. -1
                                        1. 0
                                      2. 1
                                        1. 0
                                          1. 4
                                            1. 0
                                              1. 3
                                        2. 0
                                          1. 2
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                                                1. 0
                                                  1. 4
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                                2. 0

                                  § 219a

                                  1. 0
                                    1. 0
                                    2. 0
                                      1. 0
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            3. 0
              1. 0

                1984 - Renaissance

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                2. 1
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