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Lieber Matthias,

Den Gedanken, den Schülern den Notendruck nehmen zu wollen, kann ich beim besten Willen nicht gruselig nennen.

die Idee, den Schülern Notendruck zu nehmen ist das, was ich pädagogische Verbrämung von Mitleid nenne. Der Lehrerin geht es nicht darum, Tarik irgendeinen Notendruck zu nehmen, sondern darum, dafür zu sorgen, dass er das Abitur bekommt, ohne die Probleme zu lösen, die ihn daran hindern, auch wenn das bedeutet, dass sie sich über geltendes Recht hinwegsetzt.

Bewusst außerhalb eines Ermessensspielraumes falsche Bewertungen zu erteilen, ist schlicht Betrug und nicht gesetzeskonform.

Dass diese Lehrerin sich im Recht empfindet, liegt an ihrer Auffassung, dass allen Kindern das Abitur zustünde. Damit löst sie sich vom Aufhänger des Artikels, nämlich Tariks Fall, und geht noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie das Abitur nicht nur denjenigen garantiert, die es vielleicht nur knapp verfehlt hätten, sondern restlos allen. Dabei macht sie sich des Irrtums schuldig, der in Kanada und den USA gerade mit der Debatte equality versus equity oder equality of opportunity vs. equality of outcome geführt wird. Sie versteigt sich da unwissentlich in einen Bereich, der von Ideologen über'm Teich nunmehr seit ein paar Jahren geführt wird, und der auch - wie man inzwischen sieht: vorgeblich - benachteiligten Menschen helfen will. Nur ist man dort schon weiter und hat erkannt, dass der weitere Weg dieser Einstellung in ein autoritäres System führt, was diese Lehrerin freilich noch nicht auf dem Radar hat. Gleichwohl sägt aber damit auch sie an einem an sich bewährten System.

Liebe Grüße,

Felix Riesterer.

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