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Hej Felix,

Könntest du mal erläutern, warum denkst, wer Deine Meinung nicht teilt, kann nicht an einer sinnvollen Lösung interessiert sein?

Deine Argumentation liest sich in ihrer Knappheit (wer bei diesem sehr komplexen Thema richtig verstanden werden will, muss ausführlich sein!) so, als gäbe es "Schulbildung" oder eben "Kriminalität" als die beiden Wege, die ein Mensch gehen kann.

Grund meiner Entgegnung war, dass du nur die Alternativen „weiterführende Schule“ und „andere weiterführende Schule“ genannt hast. Ich habe beispielhaft mit dem möglichen Weg in die Kriminalität nur ein weiteres Beispiel genannt, da ich deine oben genannte Behauptung für falsch halte.

Es gibt eben mehr Dinge, für die sich Menschen entscheiden können. Und das sind nicht immer die, die man sich vielleicht wünschen mag. Aber Menschen kommen eben auf Ideen, auch dumme. Besonders, wenn sie noch jung sind.

"weiterführende Schulen" sind eben alle Schulen, auf die man nach dem Besuch der Grundschule gehen kann.

So habe ich es auch verstanden.

Auf die Umfrage speziell kommt es überhaupt nicht an. Wenn du meinst, dass es nur die Alternative zwischen weiterführender und anderer weiterführender Schule gibt, so ist das realitätsfern.

Aha... wie gesagt, wir haben neun Jahre Schulbesuchspflicht. Davon entfallen vier auf die Grundschule und fünf auf die weiterführende. Welcher Realität bleibe ich da fern?

Der Realität, dass Menschen sich diesem System entziehen. Und der Realität, dass Menschen das System zwingen. Zum Beispiel eine Hauptschule zu einem Ort machen, an dem nur noch pro forma, aber nicht mehr de facto gelehrt wird. Wo massenweise Lernverweigerung zur Resignation führt - auf Lehrer-Seite.

Verweigerung? Das ist etwas völlig anderes als ein Scheitern mangels Eignung. Das Verweigern setzt eine Motivation voraus, die das System und die Möglichkeiten ablehnt, die es bietet.

Ja. Aber die Gründe für die Verweigerung können durchaus systemimmanent sein.

Das mag sein. Aber wie erreicht er die? Und was ist mit denen, die ohne Resignation (vielleicht zu recht) erkennen, dass unser Schulsystem ihnen kaum eine Chance gibt.

"Er" erreicht niemanden. Wer psychologische Beratung benötigt, muss selbst aktiv danach suchen. Die Lage ist hier dermaßen beschissen, dass Hilfesuchende monatelange Wartezeiten inkauf nehmen müssen, ehe ein Platz bei einer der psychologischen Beratungsstellen zur Verfügung steht. Und dann wird ihnen dort auch nicht wirklich geholfen, da man dort nur berät und nicht therapiert. Das bedeutet, dass man erkennen muss (Berater oder Betroffene), dass man gleich einen Therapeuten hätte aufsuchen müssen. Bei den Therapeuten gibt es auch schon wieder enorme Wartezeiten.

Dann sind wir uns - mal wieder einig. 😉

Dass das so beschissen ist zeigt, dass unsere Gesellschaft krank ist. Seelisch krank!

Ja. Liegt viel an der Verehrung von Reichtum. Da stammt der meiste Druck her.

Von uns Lehrkräften wird allerhand verlangt. Wir sollen nicht nur Vermittler von Lernstoff sein, sondern auch Pädagogen. Die Pädagogik endet aber da, wo Therapeutik beginnt. Was aber nun eine Lehrkraft anhand ihrer Beobachtungen rät und wovor sie warnt, wird gerne mal belächelt, denn in diesen Dingen kennt man sich ja aus - jeder war schon einmal auf eine Schule gegangen.

Ich glaube es ist auch der unsinnige Ehrgeiz der Eltern.

Seit wir hier in Baden-Württemberg den Wegfall der Grundschulempfehlung haben, in der Lehrkräfte nicht nur anhand von Notenergebnissen, sondern vor allem auch anhand von jahrelanger Beobachtung der Kinder ihre Empfehlungen für die Art der weiterführenden Schule (wir erinnern uns: fünf weitere Jahre Schule!) aussprechen, können Eltern frei entscheiden, an welcher weiterführenden Schule sie ihr Kind anmelden. Ob es die Eignungen dazu hat oder nicht, darf die Schule dann noch nicht einmal erfragen, da die weiterführenden Schulen keine Berechtigung haben, die Grundschulempfehlung überhaupt einzusehen!

Als Ergebnis sinkt das Niveau auf allen Schulformen. Auf vielen Hauptschulen wird (zu unrecht) kaum noch mehr als grundlegendes Deutsch gelehrt - auf Gymnasien sind die Ansprüche auch erheblich gesunken. Als ich Abitur gemacht habe, war ich einer von dreien, heute macht schon mehr als die Hälfte Abitur. Wie das aussehen muss, damit es von so vielen bestanden wird, kann ich mir vorstellen. Es kann gar nicht anders sein, als das die Anforderungen gesunken sind.

Es kann aber auch Ablehnung des Systems dahinter stecken.

Ist die sinnvoll oder zielführend?

Was sielt das für eine Rolle? Wie willst du einem 16-jährigen „Rebell“ mit Vernunft beikommen?

Natürlich hat unser Schulsystem seine ganz gehörigen Macken, das kann und will ich nicht abstreiten. Aber wie sähe eine bessere Lösung aus? Die hat dann auch niemand.

Vielfalt. Aber das müsste man erst einmal probieren, kann funktionieren, kann schiefgehen. Aber warum nicht schon viel früher eine neigungsspezifische Ausbildung anbieten. Für Künstler (in den Medien-Berufen wird vom Musiker, über den Grafiker bis zum Texter in dieser Hinsicht vielen eine berufliche Perspektive geboten), Für Sportler, für Nerds usw - es gibt doch gar keinen Bedarf mehr an Universalgelehrten und 50 bis 90 Prozent des angeeigneten Wissens lernt man doch längst nicht mehr für das Leben, sondern für die Schule. Nicht mal das, oft nur für die nächste Klausur. Dann kann man das wieder vergessen, weil man es sein ganzes Leben lang nicht ein einziges Mal wieder benötigen wird. Das ist im derzeitigen Schulsystem die Krumm. Ich kann schon verstehen, wenn man sich dem verweigert.

Vielleicht sollten Menschen viel früher ihren Talenten und Neigungen entsprechend gefördert werden. Aber das ist eine spontane Idee, weil du die Frage oben gestellt hast. Ich erwarte, dass sich über solche Dinge Gedanken gemacht wird. Statt dessen hat man das Gefühl, in erster Linie gehe es bei Diskussionen über die Zukunft in erster Länder um Bund-Länder-Kompetenz-Gerangel…

Und damit bleibt wieder alles beim Alten. Bis auf die Änderungen, die alle Jubeljahr von der Politik kommen, denn neue Politiker dürfen nicht alles beim Alten belassen, denn dann haben sie ja nichts bewirkt! Da wird dann höchst fragwürdigen pseudopädagogischen Ideen nachgegangen (wer hatte denn die Idee, dass man Grundschüler frei Schnauze schreiben lasse solle, anstatt die Rechtschreibung einzuüben, nur "damit sie überhaupt schreiben"??). Dass dann in der Summe viel systematischer Unsinn geschieht (quasi Analphabeten im Abitur!), überrascht kaum. Und wenn die Politik Wählerstimmen braucht, dann pusht sie auch die Ungeeigneten in die Schularten.

Stimme voll und ganz zu!

Soll ich noch mit Inklusion anfangen, oder reicht das hier schon?

Nicht nötig. Wir sind eh einer Meinung. 😉

Die alle weiter durch das System zu schleusen macht jedenfalls nicht viel Sinn. Und darum lehne ich das Verhalten der Lehrerin ab.

Da sind wir endlich einmal einer Meinung.

Die ganze Zeit. Du hast es nur nicht gemerkt. 😉

Das Problem im von mir verlinkten Artikel ist …

…von dir sehr gut beschrieben. Wieder volle Zustimmung!

Schon allein, weil es ein christlicher Ansatz ist, wird es aussichtslos die vielen Menschen anderen Glaubens dafür zu begeistern, die auch im bestehenden System schon Probleme haben.

Was hat denn der Ursprung des Ansatzes mit seiner Ausführung zu tun? Müssen denn alle Waldorfschüler in ihren Schule christliche Gebete beten?

In der Waldorfschule wird sehr viel auswendig gelernt und aufgeführt. alle - auch die muslimischen Kinder - müssen zum Beispiel die Schöpfungsgeschichte in der dritten Klasse zu weiten Teilen öffentlich aufsagen - auf hebräisch.

Das zieht sich durch alle Fächer durch. Ist allerdings so ein humanistischer Ansatz und das Christentum wird vermengt mit anderen religiösen Anschauung wie der Überzeugung, dass es einen Astralleib gibt usw…

Die Philosophie dahinter finde ich ziemlich verquer, aber die Ergebnisse lassen sich sehen. Denn am Ende steht die Erkenntnis, das jedes Kind einzeln gefördert werden muss und in seiner Individualität. Für die Lehrer die das Leben, ist das ein ungeheurer Aufwand. Die Schultage sind länger, weil dinge wie "den Namen Tanzen" (Eurythmie) aber auch Handwerk, Ackerbau usw zusätzlich zum geforderten Lehrplan unterrichtet werden und die Lehrer zu allen Eltern nach hause kommt, die das wünschen - egal wie oft die Eltern das wünschen und darüber hinaus bei Bedarf selber Treffen anregt. Elternabende finden monatlich statt und da Waldorfschulen Elterninitiativen sind, nehmen Eltern in einem viel größeren Maß als sonst üblich am gesamten Schulleben statt - auch für Eltern also eine durchaus spürbare (nicht nur zeitliche) Belastung. Verschiedene Jahresfeste sind wieder christlichen Ereignissen oder Gestalten gewidmet, wie das Michaeli-Fest, das den Höhepunkt des Schuljahres bildet und dem Erzengel Michael gewidmet ist. Das einzige wozu niemand gezwungen wird, ist am christlichen Religionsunterricht teilzunehmen. Den gibt es als evangelische, katholische oder nicht christliche (Ethik) Variante.

Das ganze wird verbunden mit einer sehr stark Jahreszeiten berücksichtigenden Naturverbundenheit. Recht viel Unterricht findet draußen statt: auf dem Hof, im Schulgarten usw…

Marc

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