Hallo Chräcker!
Jeder, der mit Chräcker diskutieren will, hat eine vollkommen unüber-
windliche Hürde, das Totschlagargument schlechthin, die ultimative
Herausforderung für jede Argumentation - das Stempelgeheimnis, der
Kühlschrank, die Handpresse. Jegliche Diskussion um Usability, Vali-
dierung, Drucken, Trennung von Text und Inhalt, Einsatz der richtigen
und falschen Techniken, etc. wird bei Nennung dieses Arguments - im-
mer seltener explizit, aber durchaus implizit - sofort ad absurdum
geführt. Denn diese Seiten müssen so gar nicht den Anforderungen der
Fundamentalisten an eine gute Seite erfüllen - sie wirken von sich
aus, leben von der Idee, von der liebevollen Ausführung und haben
keinen echten Inhalt - der größte Teil der Wirkung geht vom Gesamt-
eindruck der Seite aus, es muss nichts weiterverarbeitet werden, der
Seitenbastler (oder Seitenzusammenkleber, wie Chräcker es sagen würde
:-) kann sich herumspielen.
[Großes ;-) für den ersten Absatz :-)]
Und das ist das große Problem, das meine Argumentation und auch die
anderer immer haben wird. Ich habe die Seiten einmal als Kunst klas-
sifiziert, die mit den Grenzen des Mediums spielen darf und sie dabei
auch da und dort durchbrechen kann. Wenn ich mich richtig erinnere,
hast du aber einmal geschrieben, dass du das gar nicht so gern hörst,
bilde ich mir ein.
Und das schlimmste an meinem Debakel - du bringst das alles so über-
zeugend, in sich schlüssig und korrekt rüber, dass ich mich fast be-
kehren lassen würde, fast :-)
jein ,-) ich denke, daß zu jedem per Computer vermittelten Inhalt,
(für die genauen, sagen wir 99%), eine optische Aufarbeitung nötig
ist.
Das denke ich zum Beispiel nicht. Eine Trennung zwischen Darstellung
und Speicherung, also Auszeichnung ist meiner Meinung nach durchaus
möglich. Nicht überall, nicht immer, aber generell schon.
Ein Absatz ist eine optische Aufarbeitung, eine leere Fläche, die
die beiden Absätze voneinander trennen sollen und uns das lesen
und Inhaltaufnehmen erleichtern sollen.
Meine Deutschlehrerin würde sagen, es ist ein Sinnabschnitt. Aber de-
finiert ein Absatz, also ein <p> unbedingt einen Zwischenraum? Ist es
nicht so, dass der Absatz letztlich nur so gemacht wird (also Zwi-
schenraum), weil dadurch dem Leser gezeigt wird, dass hier ein neuer
Sinnabschnitt beginnt und ihm hilft? Kann ein Absatz nicht auch an-
ders wiedergegeben werden? Zum Beispiel als längere Pause beim Spre-
chen?
Möchte man aus einer Zeile eine Überschrift machen, setzt man sie
nach oben.
Richtig. Oben, weil sie eben zu dem darunterliegenden Sinnabschnitt
gehört - jede andere Anordnung wäre ziemlich sinnlos. Es ergibt sich
die Position aus der Notwendigkeit.
(Strukturelle Hervorhebung), läst einen optisch wahrnehmbaren
Abstand und setzt sie gemeinhin etwas größer und/oder fetter.
(optische Änderung bzw entsprechende Abweichung zum Fließtext
darunter.)
Sicher, beim Sprechen artikuliert man vielleicht härter, spricht lau-
ter, betont anders. Außerdem kann man einen Text auch noch ander-
weitig hervorheben - warum bestehst du also darauf, dass Inhalt und
Präsentation eine Einheit sind - sicher, das eine kann ohne das an-
dere nicht auskommen, deswegen arbeiten Browser ja nach internen
Regeln und externen Stylesheets an der möglichst guten, sinnvollen,
adäquaten, zweckmäßigen Darstellung für den Benutzer.
Jede Farbwahl ist eine "grafische" Entscheidung. Jede Schriftwahl
auch. Nehme ich serifenlose Schrift, weil ich meine, daß diese
noch besser auf dem Monitor zu lesen sind, unterstütze ich die
Inhaltsaufnahme auf einer optischen Ebene.
Es ist also relativ unsinnig zu glauben, man kann im Ergebnis (das,
was dann letztendlich auf dem Bildschirm dargestellt wird) Inhalt vom
grafischen Design trennen? Stimmt, das Ergebnis nicht. Aber die Spei-
cherung.
Vielleicht habe ich dich immer falsch verstanden - geht es dir wirk-
lich nur um das, was letztlich auf dem Bildschirm zu sehen ist? Dann
wird dir doch kaum einer widersprechen, dass eine logische Auszeich-
nung wie bei HTML eben für einen Menschen nicht gut verständlich ist,
dass er eine Gliederung vielleicht auf andere Weise braucht, eben op-
tisch durch Farbe, Größe, Art, akustisch durch Lautstärke, Schnellig-
keit, Artikulation, Sprachmelodie. Darauf basiert ja prinzipiell die
Idee von Stylesheets.
ist eine eindeutigere Aussage als ein Bild vom Strand. Dafür
überlasse ich mit dem bild sehr viel Interpretationsspielraum für
den Besucher, der vielleicht gar nicht an Spazierengehen denkt.
Wer Grafiken gekonnt, also sinnvoll hinsichtlich des Mediums und des
Benutzers, einsetzt, und dabei doch nicht aus den Augen verliert,
dass man vielleicht, aus welchen Gründen auch immer, nicht die Grafik
sehen kann und vielleicht auf andere Weise den Flair einer Webseite
bewerten muss, der ist sowieso schon weit. Es gibt Grafiken, die
illustrieren (Navigationselemente, Millimeterpapier), es gibt
Grafiken, die haben einen gewissen Inhalt (Bilder, Fotos). Dass bei
letzteren keine endgültig überzeugende Trennlinie zwischen Aussehen
und Inhalt feststellbar ist, ist klar.
Mir ist es übrigens recht überzeugend, wie ich finde gelungen, die
CSS-Tristesse, vor der du gewarnt hast, auf meiner Seite voll auszu-
kosten ;-)
</archiv/2002/3/7072/#m39247>
Und - um ehrlich zu sein, so ganz bin ich von meiner eigenen Argumen-
tation auch nicht überzeugt. Aber dafür diskutiert man ja, damit man
sich eine Meinung bilden kann :-)
emu
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