Der Martin: Mailserver unter Linux - Rat erwünscht

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Hi,

Ich kann bisher nicht finden, wie ich für Binc IMAP einen Mail-Account anlege. Ich gehe davon aus, dass ich dem Mailserver erstmal klarmachen muss, welche IMAP-Accounts es geben soll - also zumindest Benutzernamen, Passwort und Basisverzeichnis des IMAPdir-Verzeichnisbaums für diesen User.
Nö, mußt Du nicht. Alle Unix-User des Systems sind automatisch IMAP-User.

das habe ich inzwischen auch herausgefunden - aber auf die Idee muss man erstmal kommen. Für mich ist das nämlich alles andere als logisch oder gar selbstverständlich. Und so habe ich mehrere Stunden damit verbracht, die Antwort auf eine Frage zu finden, die sich eigentlich gar nicht stellt.

bincimap wird gar nicht direkt aufgerufen, sondern über eine Kaskade von Programmen, die jedes für sich nur einen kleinen Job erledigen.

Auch das erschließt sich mir aus den Beschreibungen nicht. Jetzt, wo du es sagst, passt es ins Bild, aber woher soll man das wissen?

(x)inetd sorgt dafür, dass bincimap-up mit STDIN und STDOUT zum IMAP-Client verbunden wird.
bincimap-up wertet die Konfiguration aus, springt ins Home-Verzeichnis des Users, springt von da in den konfigurierten Pfad (typischerweise "Maildir", damit ist das aktuelle Verzeichnis dann $HOME/Maildir), reduziert die Privilegien, und ersetzt sich selbst via exec() durch checkpassword. (Für System-Accounts, z.B. mit ungültigem Home-Verzeichnis in /etc/passwd, oder schlicht mit UID=0 (root), bricht bincimap-up schon vorher ab.)
checkpassword prüft, ob Benutzername und Password passen, und ersetzt sich bei erfolgreichem Login durch das nächste Programm in der Kette, typischerweise bincimap.

Waa! Ich krieg einen Knoten im Hirn!

Der Start des Servers scheint mir sehr umständlich und kompliziert realisiert - so umständlich, dass ich ihn noch nicht begriffen habe.
Das ist nicht umständlich, das ist Unix. ;-)

Ja, mag sein. Deswegen muss man das aber nicht unbedingt gut finden.

Im Klartext: Es GIBT KEINEN Daemon bei binc.

Die Information hätte ich vor vier Tagen haben sollen. Hätte mir viel Sucherei erspart ...

Lässt sich das nicht einfach auf die "übliche" Methode /etc/init.d/imapd start abbilden?
Nein, wozu?

Weil es für etliche andere Dienste auch so gemacht wird, und weil es bisher die einzige Methode ist, die ich kennengelernt und daher als "normal" begriffen habe.

Gibt es nirgends eine ordentliche Beschreibung der Konfiguration von Binc IMAP? Alles was ich finde, sind immer nur Bruchstücke, selbst bincimap.org hält sich mit konkreten Informationen sehr zurück.
Wie wäre es mit dem README in den Sources?

Jetzt mach aber mal'n Punkt. Soll man als Nutzer einer Software deren Sources durchsuchen? Das kann's nicht sein. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass Informationen über ein Produkt auch zugänglich sein müssen, ohne dass man das Produkt erst kauft (bzw. das Programm installiert). Darüber habe ich mich bei Windows-Software schon oft genug geärgert: Erst wenn man das Programm installiert hat, bekommt man die Readme- oder Hilfedateien zu sehen, aus denen man schließlich erkennt, dass das Programm für den vorgesehenen Zweck gar nicht geeignet ist. Oder was man beim Installieren schon falsch gemacht hat.
Wenn ich daran denke, einen neuen Fernseher zu kaufen, erwarte ich ja auch, dass ich technische Daten oder die Bedienungsanleitung schon lesen kann, ohne dass ich das Gerät erst kaufe und dann nach ein paar Tagen zurückgebe.

Anscheinend hat Alexander Foken ja schon Erfahrung mit dem Einsatz; zumindest er müsste mich da eigentlich ein wenig unterstützen können.
Klar, aber irgendwann hab ich auch mal Internet-freie Zeit. Du hast leider Pech gehabt, dass Du erstens keinen Service-Vertrag mit mir hast und zweitens die freie Zeit genau Deinen Thread getroffen hat.

Gut, mit sowas muss ich rechnen. Immerhin bin ich in der Zwischenzeit auch selbständig zu einer Lösung gekommen - nämlich einen anderen IMAP-Server zu verwenden, der auf Anhieb so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Nach allem, was du beschrieben hast, hätte ich Binc wahrscheinlich sowieso nach einiger Zeit wieder entsorgt, weil mir das System zu undurchschaubar und zu verstrickt ist - selbst wenn ich es zum Laufen gebracht hätte.

Schönen Abend noch,
 Martin

--
Ungeschehene Ereignisse können einen katastrophalen Mangel an Folgen nach sich ziehen.
  (Unbekannter Politiker)
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