Hallo Dave
Doch wenn einem Seiten wie http://www.siegheil.de begegnen, packt einen die Wut. Und wenn man dann auch noch unter http://www.nic.de/servlet/Whois Namen, Strasse und Wohnort des Verantwortlichen nachlesen kann, überkommt einen etwas, was noch schlimmer ist als Ohnmacht: Das Wissen, dass man die Möglichkeit besitzt _etwas_ gegen solche "Auswüchse" zu unternehmen, aber nicht genau zu wissen, was.
Eine kleine Geschichte dazu: Da wollte mal irgendwann ein amerikanischer Buergermeister eine nazideutsch gepraegte, rechtsradikale Demonstration in seiner Stadt verbieten. Und was passierte? Es gab Proteste, und zwar von Seiten juedischer Mitbuerger. Sie wendeten sich an den Buergermeister mit der Bitte, man solle die Demonstration doch bitte zulassen, damit jeder sehen kann, dass es diese Leute gibt und was das fuer welche sind.
Nun braucht man die Amis deswegen auch wieder nicht generell zu bewundern, denn in ihren eigenen typischen Konflikten, wie dem Rassenknoflikt, tun sie sich lange nicht so hervor mit geistiger Weitsicht. Was die obige Geschichte aber sagen will ist: mit einer geistigen Einstellung, die ich mal als wahres "Weltbuergertum" bezeichnen moechte, kann man eine andere Einstellung zu Artikulationen von einem selbst verabscheuter Geisteshaltungen gewinnen. Es geht bei dieser geistigen Haltung nicht darum, solche Artikulationen zu billigen, es geht darum, genug Vertrauen zum normalen Mitmenschen zu haben, um davon auszugehen, dass jeder gesunde Mensch, der mit solchen Artikulationen konfrontiert wird, ebenso wie man selber Verabscheuung empfindet.
Wenn man dieses weltbuergerliche Vertrauen zum Mitmenschen entwickelt, kommt eben jene tolerante Haltung zustande wie in der obigen Geschichte von der Demo in der amerikanischen Stadt.
Meine Meinung ist, dass das Medium Internet noch staerker als bisher erforderlich macht, eine solche weltbuergerliche Geisteshaltung zu entwickeln. Denn wo auch abstruse, perverse, oder fuer einen selber einfach nur kulturell unverstaendliche Artikulationen immer nur ein paar Mausklicks weit entfernt sind, hilft letztendlich nur eine Einstellung weiter, wie sie jene juedischen Mitbuerger, die da in der amerikanischen Stadt gegen das Demonstrationsverbot protestierten, an den Tag legten.
Mit Verboten jedenfalls kommt man nicht weiter. Jeder hat irgendwas, das er am liebsten verboten wissen wollte. Wuerde all das deshalb verboten, bliebe schlicht und ergreifend nichts mehr uebrig.
viele Gruesse
Stefan Muenz