Hi Steffen,
Dein Posting weckt in mir den Drang, Dein Verständnis von Kreativtiät mal ein bisschen in der Luft zu zerreißen - Du mögest es mir bitte nachsehen.
1. Schon seit sehr, sehr, sehr langer Zeit (etwa seit der Erfindung des Rades) gibt es nichts wirklich Neues mehr - alle "Neuentwicklungen" sind nur Kombinationen bereits vorhandenen Wissens. Kreativität besteht darin, diese Bausteine auf ungewöhnliche, neue Art zusammen zu setzen.
1a. Da Du das Beispiel "Musik" leichtfertig selber gebracht hast: In "traditioneller" Musik werden bei der Komposition die Bausteine Tonsatzlehre, Harmonik, Kontrapunkt usw. zusammengesetzt. Wird das schlecht gemacht, ist die Komposition schlecht. Gut ist sie, wenn die Bausteine kreativ verwendet werden. Seit der Einführung des Samplers sind halt neue Arten von Bausteinen hinzu gekommen. Am Grundprinzip hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert.
2. Dein Schluss "Verwendung von Bausteinen = keine Kreativität" ist insofern IMHO Quatsch. _Jeder_ verwendet _immer_ Bausteine. Es kommt drauf an, _wie_
3. Recht eigentlich geht es in Deinem Posting gar nicht um Kreativität, sondern nur um Sorgfalt. Diejenigen von uns, die keine HTML-WYSIWYG-Editoren verwenden, tun das nicht etwa, weil sie damit nicht "kreativ" sein könnten, sondern weil sie wissen, dass noch kein Progrämmchen der Art auf dem Markt, das ihnen wirklich Kontrolle darüber erlaubt, was in welchem Browser wie aussieht. Oder anders: wer seine Seiten nur und ausschließlich mit FP oder ähnlichem zusammen schraubt, tut das aus Unkenntnis über die Probleme oder aus schierer Faulheit.
4. So etwa 100% der genialen DHTML-(bzw. Perl- bzw. wasweißich-)Bastler sind deswegen genial und kreativ, weil sie vorhandene Bausteine auf kreative Art und Weise zusammensetzen. Sie tun das händig, weil ihnen ein Editor dabei mehr Ärger macht als Arbeitserleichterung bringt. Das ist aber ein Nebenschauplatz.
5. Etwas wie den "Novel Maker 2000" gab es im Bereich Musik schon vor etwa 10 Jahren - hat sich nie durchgesetzt, weil das Ergebnis natürlich immer stinklangweilig war.
6. Der scheinbare Verlust von Kreativität ist nur ein relativer. Weil es heute so viel leichter ist, etwas zu produzieren, als noch vor sagenwirmal 15 Jahren, kommt natürlich rein quantitativ viel mehr zum Vorschein. Natürlich auch vieles, was "früher" leider untergegangen wäre. Aber auch natürlich noch viel viel mehr, was "früher" völlig zu Recht nie das Licht der Welt erblickt hätte. Wenn Du deswegen alles, was man irgendwo kriegen kannm, anschaut, ist relativ gesehen viel mehr Schund dabei. Absolut gesehen gibt es jedoch heute mehr gute Sachen als "früher". Das Problem ist dabei: Wer hat die Geschmackssicherheit, gute Sachen zu erkennen und zu fördern? Aber das ist ein ganz anderes Thema...
Grüße,
Utz
PS: Kreativ finde ich z.B., wie Du die vorhandenen typischen Antwortbeispiele an's Ende Deines Postings gesetzt hast. Ich kannte sie alle. Hab trotzdem herzlich gelacht.