Calocybe: Die Welt kann mich nicht mehr verstehen

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Hi ho Stonie!

Ich hoffe sehr, ihr erlaubt, dass ich mich da mal einklinke.

Na... *skeptischschau*  Na gut, ausnahmsweise. ;-)

Lasst uns mal ein bisschen generalisieren - dann kommen wir, glaube ich, hin. [...] Ärzte [...] Unter Programmierern dürfte die Bandbreite ähnlich sein, denke ich mal.

Ja, sicherlich. Solche muss es halt auch geben. *g*

Dann kommt noch erschwerend hinzu, dass "Texteschreiber" und "Programmschreiber" (subjektiver Standpunkt, durch Beobachtung erlangt) sich auf völlig unterschiedliche Weise sprachlich ausdrücken und es so sehr oft zu Missverständnissen kommt.

Findest Du? Ich verstehe "Texteschreiber" eigentlich recht gut. Wie's umgekehrt ist, weiss ich nicht, konnte bisher aber auch nicht drueber klagen,

Wenn ich mir ansehe, wie sehr viel Mühe es mir macht, hinter einem Java- oder Perlscript die Struktur auch nur zu erahnen, wobei ich mit Sprachen wie Englisch oder Spanisch da keine Probleme habe, schliesse ich daraus, dass die Denkweise der Leute, die sich mit diesen Tätigkeiten beschäftigen, sehr unterschiedlich und somit die Kommunikation doch recht schwierig werden kann. Hatten wir hier im Forum ja auch schon alles, oder nicht?

Wuerde ich so zwangslaeufig nicht sagen. Erstens koennen auch Programmierer untereinander eines anderen Quelltext oft nicht so ohne weiteres nachvollziehen, ja selbst mit ihrem eigenen haben sie schnell mal Probleme, wenn sie ihn ein halbes Jahr nicht mehr gesehen haben. Das nicht nur daran, dass viele Programmierer ihre Erzeugnisse grauenhaft lausig kommentieren/dokumentieren, sondern ist auch darin begruendet, dass das nun mal nicht immer so ganz einfach ist. Noch dazu kommt, dass jeder Programmierer einen anderen Stil hat, was es dem anderen auch nicht gerade leichter macht.

Zweitens fehlt Dir ja offenbar noch jede Menge Erfahrung, die man eben auch braucht.

Und drittens spiegeln fertige Quelltexte meist nicht die gesamte Gedankenwelt des Autors wider, sondern sind schon eine "optimierte" Version mit vielen "Abkuerzungen" (trifft es nicht gut, aber ein besseres Wort faellt mir nicht ein). Z.B. wuerdest Du Dich sicher ueber die Zahl 31536000 wundern, wenn Du sie in einem Programm findest, steht dort aber das gleichbedeutende (365 * 24 * 60 * 60), wirst Du die Bedeutung schon eher erahnen (Anzahl Sekunden eines Nicht-Schaltjahres). Oder es ist so, dass in einem Quelltext vordergruendig etwas passiert, was man als Betrachter zur Kenntnis nimmt, und hintenrum so nebenbei noch etwas mit abfaellt, was man nicht gleich sieht, aber was eben auch ein essentieller Vorgang ist.

Jedenfalls halte ich Deinen Schluss da fuer etwas voreilig, zumindest wuerde ich aus den Verstaendnisschwierigkeiten bei Quelltexten nicht gleich unterschiedliche Denkweisen herleiten. Obwohl ich andererseits solche Unterschiede durchaus fuer moeglich halte. Na wie auch immer, ehrlich gesagt beginnt das Thema, mich zu langweilen. ;-) Reden wir also ueber was anderes. *g*

(Der letzte Satz ist ein sinngemaesses Zitat aus einem Text, den ich momentan leider nicht wiederfinde. Aber ich schweife sowieso ab.)

Mittlerweile habe ich den Text wiedergefunden. Ich hatte ihn vor einigen Jahren aus einer Zeitschrift abgeschrieben - mit WinWord. *g* Ich habe ihn jetzt zu HTML konvertiert (per Hand, versteht sich!) und nach http://www.geocities.com/calocybe/__foo/self_forum/computerfreaks.html hochgeladen.

Calocybe, dafür könnte ich dir um den Hals fallen, denn es könnte sein, dass du mir damit einen guten Schritt weitergeholfen hast! Hier glimmt das erste Mal eine Parallele zum Texteschreiben auf und vermutlich auch mein Problem mit Programmier- bzw. Scriptsprachen: Wenn ich mich hinsetze und meine "Erzählereien" verfasse, habe ich am Anfang ein sehr verschwommenes Bild von dem, was hinterher dabei 'rauskommen soll. Je länger ich schreibe, desto klarer ersteht vor meinen Augen ein Bild, eine Landschaft, das Ganze wird mit Menschen bevölkert, es wächst und entwickelt eine gewisse Eigendynamik.

Wuerde ich fuer mich durchaus sehr aehnlich beschreiben. Das mit den Vorstellungswelten ist offenbar unabhaengig vom eigentlichen Thema. Eine Freundin, die sich (sehr) fuer Geschichte interessiert und auch gerne in Museen abhaengt, hat mir mal erzaehlt, wie sie das empfindet, wenn sie sich die Sachen im Museum (bevorzugt alte Aegypter, glaub ich) ansieht. Sie sieht dann das Geschehen von damals lebendig vor sich, kann durch die Szenerie gehen und das Leben der Menschen beobachten. Das stelle ich mir ebenfalls faszinierend vor, leider hat mir jedoch meine Geschichtelehrerin am Gymnasium den Spass an dem Fach gruendlich ausgetrieben, und um diesen Schaden zu reparieren, muesste ich verdammt viel Zeit investieren, um mich mit dem Thema zu beschaeftigen.

Solche Eigenwilligkeiten der Feder beim Schreiben dürften beim Programmieren einfach tödlich sein - man muss sein Konzept vorher festlegen und sollte besser (was das Produkt anbelangt, beim Weg ist das was anderes) nicht davon abgehen. Sonst könnte es passieren, dass man ein Textverarbeitungsprogramm haben wollte und Word dabei herauskommt, oder nicht? ;o) (SCNR)

*ROTFL* You make my day! Stimmt, der Weg kann sich auch mal deutlich aendern, das Ergebnis natuerlich besser nicht.

Ich bin bisher über's Anpassen von Scripts (deren bisher zwei, eines habe ich nach vier Tagen dahin gekriegt, dass es tat, was es tun sollte, das andere ist das WWWBoard von Matt Wright - fragt mich nicht!) nicht hinausgekommen. Ich kann mir aber vorstellen, dass beides einfach irre ist: Einerseits das Bild dessen, was man da in die Tat umsetzen will, im Kopf zu haben und das Freiheitsgefühl, wenn sich da auf dem Bildschirm genau das entfaltet, was man haben wollte und andererseits der Kampf mit der Tücke des Objekts und das Überlisten von mosernden Compilern, das einem auch das Gefühl gibt, Freiheit erlangt zu haben, nämlich die Freiheit, jetzt aufgrund des erkämpften Wissens tun zu können, was man will (bis man vor die nächste Mauer läuft).

Ja, es ist schon ein gutes Gefuehl, wenn man dann das heraus hat, was man haben wollte. Jedoch nur fuer einen Moment, dann geht es bei mir oft ueber in etwas recht komisches, ich komm dann naemlich manchmal gar nicht so recht klar damit, dass ich auf einmal fertig sein soll. *g*

Michael hat (mir) gesagt, dass ein Systemanalytiker nicht unbedingt Spass daran haben muss, ein im Kopf geloestes Problem dann auch noch zu programmieren. Da interessiert dann als das Produkt wirklich nicht mehr, nur noch der Weg. Manchmal geht mir das auch so, meistens bau ich's aber trotzdem, weil ich das Ding brauche. *g* Es gibt da wohl einen natuerlichen Entwicklungweg, vom angesprochenen Larval Stage ueber standfester Programmierer und dann Entwickler bis zum Analytiker. Mich selbst wuerde ich ungefaehr bei Entwickler einordnen.

Bei der Sache mit dem Ueberlisten von Compilern muss ich nochmal deutlich widersprechen. Einen Compiler zu bescheissen macht *keinen* Spass, selbst im Larval Stage nicht. Das ist nur nervig. Ein Compiler ist ein Werkzeug, er soll mir *helfen*, und dazu darf er nicht zu streng und nicht zu lasch sein. Ist er zu lasch, uebersieht man viele Fehler, die man gemacht hat. Perl ist hier das Beispiel: selbst wenn man alles einschaltet, was es an Meckerei gibt, findet man sich in umfangreichen Projekten (fuer welche Perl imho nicht geeignet ist) staendig bei der Suche nach Fluechtigkeitsfehlern wieder, ueber die einem Perl auch mal haette was sagen koennen. Ein zu pingeliger Compiler bringt einen dagegen auch schnell zur Weissglut, weil man staendig auf der Suche nach Workarounds um die Dummheit der Maschine ist. Ich muss z.B. zur Zeit in Delphi (Pascal for Windows) programmieren, und der Nervfaktor ist unertraeglich. Aber naja, irgendwie muss ein armer Student ja sein Geld verdienen.

So, jetzt sind wir ganz schön 'rumgekommen - es war schön, mal wieder so "durch den Garten zu gehen"; ich hoffe es stört euch nicht allzusehr. :o)

Ja, wir haben wohl alle mal wieder unseren Horizont erweitert.

Gute Nacht kann ich Dir ja jetzt glaub ich noch nicht wuenschen, also wie immer So long *g*