Hallo Knut,
Der Usability-Guru Nielsen meint, dass sowieso nur ca 20% der Inhalte im Web überhaupt gelesen und die Seiten im Prinzip lediglich gescannt werden.
Das liegt daran, dass auf den meisten Webseiten auch gar nicht mehr als 20% der zur Verfuegung stehenden Flaeche fuer Inhalte genutzt werden. Viele Seiten enthalten nicht mehr als ein, zwei Saetze, die man wirklich lesen muss, um sie zu verstehen. Der Rest ist buntes Beiwerk, im guenstigsten Fall angenehm, im schlechtesten nervig.
» Jeh erfahrener der Benutzer ist, umso schneller nimmt er die Info's auf und umso mehr wird gescannt bzw. weniger richtig erlesen.
Ich betrachte es lieber von der Anbieterseite aus: je uninteressanter der Webseitenanbieter schreibt, desto weniger wird davon gelesen. Wenn ich z.B. einen Heise-Artikel oder ein Klinger-Webtagebucheintrag online lese, den ich interessant finde, dann lese ich den auch mit der dafuer noetigen Zeit und nicht schneller, als ich eine Zeitschrift oder ein Buch lesen wuerde. Aber bei den meisten Blabla-Seiten gibt es halt gar nichts zu lesen. Wozu sollte ich da mehr tun als scannen?
Ich sehe zwar ein, dass das "Gefuehl der Informationsfuelle", das im Web fuer jedermann erfahrbar wird, insgesamt zu beschleunigtem Lesen fuehrt (man nimmt sich heute nicht mehr so viel Zeit, um einen Text zu lesen, wie im Zeitalter der Handschriften). Doch das trifft letztendlich auch auf den immer gewaltiger werdenden Buchstabenberg der Printmedien zu. Aber ich behaupte, dass im Web genauso intensiv gelesen wird wie in Printmedien, wenn der Inhalt so ist, dass er ein aufmerksames Lesen erfordert und der Anwender merkt, dass es Sinn macht, dem Text die noetige Aufmerksamkeit zu schenken - einfach weil der Text neue Informationen, interessante Gedanken usw. enthaelt.
Eine andere Sache ist noch die, dass viele Anwender noch einen zeitgetakteten Internetzugang verwenden. Dass es dem lesenden Verweilen nicht gerade foerderlich ist, wenn jede Minute Geld kostet, ist klar. Doch dieses Problem wird ja hoffentlich im Laufe der kommenden Jahre allmaehlich verschwinden, wenn zeitlich unbegrenzte Pauschaltarife, die sich eher nach Traffic-Mengen staffeln, sich weiter durchsetzen.
viele Gruesse
Stefan Muenz