Moin!
Und zwar:
Man ließt immer wieder von 100 Mbit-Leitungen zu Servern,
und dass man das einfach braucht.
Andererseits haben Leute auch schon gesagt dass es reicht,
einen Server mit einer 2 Mbit-Leitung auszustatten.
Was stimmt nun?
Beides stimmt, wenn man jeweils den Anwendungsfall dazusagt.
Wenn du ein Intranet hast, mit vielen hundert Benutzern und wenigen zentralen Servern, dann macht es absolut Sinn, die Benutzer mit jeweils 100MBit an den Switch anzuschließen, und die Server mit mehreren 100MBit-Leitungen, oder sogar mit Gigabit-Ethernet, dort ebenfalls anzubinden. Denn der Flaschenhals ist in diesem Fall immer die Leitung zum Server, die zu langsam ist: Stell dir einfach nur vor, hundert Benutzer wollen gleichzeitig alle was von nur einem Server. Alle Benutzer haben eine 100MBit-Leitung zum Switch, aber der Switch hat nur eine 100MBit-Leitung zum Server - dann teilen sich die hundert Benutzer alle diese eine Leitung und kriegen durchschnittlich nicht mehr als 1 MBit Geschwindigkeit - oder grob gerechnet 100 Kilobyte pro Sekunde an Datenmenge. Ziemlich wenig eigentlich, wo man mit 100MBit-Leitungen doch eigentlich Geschwindigkeit verbindet. Wenn der Server stattdessen mit zwei Gigabit-Leitungen angebunden ist (und die auch voll auslasten kann :) ), dann stehen für hundert Benutzer 2000 MBit zur Verfügung, oder 20 MBit pro User - 2 Megabyte pro Sekunde. Das ist viel schöner. Und da nicht wirklich alle gleichzeitig zugreifen, geht das dann schon einigermaßen.
Für eine Serveranbindung ans Internet gelten grundsätzlich natürlich die gleichen Überlegungen: Je mehr User, desto dicker muß die Leitung sein. Da es aber für große Entfernungen noch keine Gigabit-Leitungen gibt (das schnellste ist AFAIK eine 622MBit-ATM-Leitung, die zudem noch sauteuer ist, und ansonsten ist 155MBit-ATM üblich - für privat und kleine Firmen auch unbezahlbar), und lange Leitungen generell langsamer sind, als lokale Netzwerke, sind 2MBit-Leitungen durchaus häufig zu finden für die Anbindung von kleinen bis mittleren Standorten.
Ob es allerdings schlau ist, über diese 2MBit-Leitungen Serverhosting zu machen, ist eine ganz andere Frage, denn da kommen noch Fragen wie Betriebssicherheit hinzu. Du bist im Zweifel schadenersatzpflichtig, wenn die Präsenzen nicht erreichbar sind - und Nichterreichbarkeit kann viele Gründe haben, von denen du auf die wenigsten Einfluß nehmen kannst. Deshalb haben die großen Rechenzentren immer redundante Anbindung an viele verschiedene Netzwerke. Wenn man den Angaben z.B. von 1&1 vertraut, dann ist deren Rechenzentrum in Karlsruhe über insgesamt 13 Leitungen mit der Außenwelt verbunden, mit angeblich insgesamt 5 Gigabit/s Leistung. Drei sehr dicke Leitungen gehen nach Frankfurt zum zentralen Interconnection-Punkt in Deutschland, und damit zu eigentlich allen wichtigen Netzbetreibern in Deutschland.
Die Frage, die du dir somit stellen solltest: Was ist, wenn deine Leitung ausfällt? Wessen Schuld könnte das sein? Wie kriegt man das dann wieder hin? Wie lange kann das dauern? Wer trägt den Schaden?
Richtet sich das nach der Kundenmenge?
Nein, das richtet sich nicht nach der Kundenmenge, sondern nach der zu erwartenden (bzw. tatsächlich vorliegenden) Auslastung der Leitung, also im Prinzip nach der Besuchermenge, die auf die Seiten zugreifen wollen.
Kann ich 30 "Normal-User" auch auf einer 512 Kbit-Leitung hosten,
oder ist das trotzdem zu langsam auch wenn es nur wenige Kunden sind,
weil es einfach DSL user gibt wo dann vielleicht 10 DSL-User gleichezitig eine page aufrufen und dann die Leitung zumachen weil jeder von denen locker die 512 KB zumachen kann?
Du kannst auch eine Modemleitung mit 28.8 KBit/s benutzen, wenn die Seiten niemand besucht. Du mußt bedenken: Die Dicke der Leitung begrenzt die Downloadgeschwindigkeit absolut (schneller geht nicht), und durch gleichzeitige Zugriffe wird diese Maximalleistung natürlich nochmals aufgeteilt. Die Unbekannte in deiner Rechnung ist also: Wieviele Besucher kommen auf den Server? Und kann man die zur Verfügung stehende Leitung eventuell besser auslasten, indem Datenkompression eingesetzt wird (mod_gzip, gzip_cnc etc.). Es ist jedenfalls keine gute Idee, hinter einer lahmen Leitung einen Server für dicke Downloads anzubinden. Denn dabei ist es ziemlich wahrscheinlich, daß sich mehrere User gleichzeitig was ziehen, und um zu verhindern, daß die Leitung pro User garnichts mehr bringt, müßtest du dann die Maximalzahl der erlaubten Downloads beschränken - d.h. irgendwelche User kriegen garkeinen Zugriff mehr.
Im Konfliktfall platziert einer deiner Kunden ein sehr attraktives Angebot mit vielen Besuchern auf deinem Server und macht die Leitung so dicht, so daß sich alle anderen Kunden über die sehr mangelhafte Performance beschweren - und dann hast du ein Problem.
(Weil für 512 KB habe ich ein gutes Angebot bekommen (Flatrate))
Oha, ein Billigangebot - was davon wohl zu halten ist...
- Sven Rautenberg