Hallo Thomas,
da ich auch in der Weiterbildung aktiv bin, möchte ich mir mal eine didaktische Frage erlauben: Bringt das wirklich was, die Leute am Anfang die Tags, vielleicht mit einer Syntaxhilfe, von Hand eintippen zu lassen? Ich meine die Frage nicht ironisch, sondern habe das schon wirklich, auch bei anderen Kursthemen, ernsthaft überlegt.
Sicher und "HTML-Kit" habe ich bei uns als Standard-HTML-Editor etabliert, aber bei der Einführung in HTML verwende ich nach wie vor Notepad. Danach soll jede(r) die Tools verwenden, die angemessen erscheinen.
Irgendwie scheint mir das so eine Art pädagogisches Ritual zu sein, das ziemlich viel Zeit kostet, und ich bin vom Lerneffekt nicht wirklich überzeugt. Ich würde eher mit einer ausgewachsenen Produktionsumgebung oder zumindest einem guten HTML-Editor anfangen, genau wie's der Anfänger auch zu Hause tun würde, etwa eine supersimple Seite mit Dreamweaver 3 und dann Code-Ansicht in Allaire Homesite oder Phase 5, je nach Geschmack. Dann erstellen eines Templates im Code-Programm, das man für neue Seiten verwendet.
Ich finde den Lernprozess einfach realitätsnäher und effektiver, wenn man etwa eine bestimmte Tabelle projiziert, diese dann im Wysiwyg-Editor nachbauen lässt, und sich dann im Editor den Code anguckt, darin Veränderungen vornimmt und guckt, was passiert.
Ich will's nochmal auf der Metaebene formulieren: In vielen pädagogischen Konzepten wird Lernen als eine Art künstlicher Verlangsamung aufgefasst, für die Praxis etwa so formuliert, dass man bei den ganz simplen Dingen anfangen muss, und dann nach und nach analytisch und aus kleinen Bausteinen komplexere Zusammenhänge aufbauen muss. Im Forum heißt das: "Lies erstmal SELFHTML 8.0, bevor Du uns mit Fragen auf die Nerven gehst!"
Interessanterweise läuft's im Leben meistens genau umgekehrt: Man stellt sich eine relativ komplexe Aufgabe und fängt erst dann an, die Sache analytisch zu betrachten, wenn's nicht klappt. Ich habe zwei Argumente, es im Unterricht auch so zu machen:
1. Es ist zu langsam, sich ein gesamtes Lernfeld aus einfachen Bausteinen zu erschließen, irgendwie braucht's doch sehr schnell ein "feeling", wie man die Sachen anpacken kann.
2. Es macht mehr Spaß, sich mit realitätsnahen Aufgaben auseinanderzusetzen, und diese dann bei Problemen analytisch zu knacken.
Viele Grüße
Mathias Bigge