Hallo Mathias,
erst noch mal was dazu, warum ich den Thread-Titel geaendert habe. Dr.Web kennen halt doch mehr Leute - eine Diskussion um Aktiengesellschaften fuer Web-Projekte ist vielleicht zu allgemein und erreicht zu wenige Interessierte.
Einfluss der Aktionäre
Anscheinend plant man, durch breite Streuung der Papiere den Einfluss der Aktionäre klein zu halten. Ob das auf Dauer funktioniert, weiß ich nicht, aber eine Chance sehe ich durchaus.
Nach eigenen Angaben haben sie ja schon mehrere hundert Aktionaere. Ich weiss zwar nicht, wie hoch deren Anteil ist. Aber nehmen wir mal an, der normale Durchschnitts-User steigt mit 50-200 Euro ein. Dann wuerde sich immerhin mal eine Kapitaldecke von (bei angenommenen 500 Aktionaeren) von 25000 bis 100000 Euro ergeben. Da ist natuerlich zu ueberlegen: was kann man mit solchen Betraegen und einem solchen Projekt sinnvollerweise anfangen? Und die Beitragenden werden in dem Fall sicher eine hoehere "Kundenbindung" haben, als wenn sie sich irgendwelche Bayer-Aktien kaufen. D.h.: der Druck der Beitragenden auf den Anbieter wird gewaltig sein. Und dessen Versprechen ist einfach: mehr und noch besseren Content. Uff - wenn ich mal davon ausgehe, dass Dr.Web deshalb so bekannt ist, weil sie schon sehr viel guten Content liefern - wie wollen sie das eigentlich noch schaffen, diesen erwarteten Qualitaetssprung?
Ich glaube, ein Schritt, wie er hier vollzogen werden soll, ändert auch die Perspektive, etwa derjenigen, die sich als ehrenamtliche Beiträger und Mitarbeiter engagieren, aber auch der bezahlten Mitarbeiter und Aktionäre. Tatsächlich wirkt ja Dr. Web von der ganzen Aufmachung her "kommerzieller" als das Self-Universum.
Zweifellos. Um mal bei dieser Gelegenheit was klar zu stellen: ich flirte nicht mit dieser Moeglichkeit, sondern stehe ihr eher skeptisch gegenueber. Meine Motivation zu diesem Thread war also keinesfalls, herauszufinden, ob die SELFer auch bereit waeren, so eine Loesung zu schlucken. Ich habe nichts dergleichen vor. Ich finde es einfach nur spannend, wie ein von Bekanntheit und Traffic her vergleichbares Projekt versucht, eine Basis fuer sich zu finden.
Online-Projekte bewegen sich ja meist in einem teilkommerziellen Umfeld, etwa durch eine Firma, die durch den angebotenen Inhalt auf sich aufmerksam macht, durch Print-Publikationen, durch Werbung auf den Seiten oder für den Provider. Vielleicht spielt auch der Prestigegewinn für die Beiträger eine Rolle. Da das Ganze zumeist eher überraschend zum "Selbstläufer" wird und ungeplant wächst, bewegt sich die Sache zudem wohl häufig in einer juristischen Gemengelage, die man dann komplett aufdröseln und offenlegen müsste, bei einer AG auf einem professionellem Niveau. Es ist auch interessant zu überlegen, ob man wirklich über alle Rechte verfügt, einen Teilbereich zu kommerzialisieren.
Ich kenne nicht den Background von Dr.Web, aber Sven Lennartz gehoert sicherlich zu den "Gruendervaetern" des deutschsprachigen Web-Space, er ist seit den Anfaengen mit dabei und kennt die Szene. Seine Beweggruende werden sicherlich ueberlegt sein und auf Erfahrungen und einigermassen realistischen Einschaetzungen beruhen. Gerade deshalb interessiert mich die Sache. Denn ich selber verbinde mit einer AG spontan gedanklich einen Mega-Aufwand an Organisation, Betriebswirtschaft und sonstigem Kram, der eine halbe Armada an Spezialisten erfordert, die mit dem eigentlichen Projekt gar nicht mehr viel zu tun haben. Die Frage, die sich mir stellt, ist halt, ob diese Loesung tatsaechlich "produktiv" ist fuer die User eines solchen Projekts, oder ob sie ein gefaehrlicher Irrweg ist, bei dem ein Projekt, das bereits die hohen Weihen der Aufmerksamkeit und der fachlichen Reputation geniesst, nur verlieren kann.
Wenn man mit einem Projekt wirklich keine kommerzielle Perspektive verfolgt, und de facto ein Plusmisnusnull-Ergebnis erfreulich wäre, scheint mir ein gemeinnütziger Trägerverein eine interessante Alternative zu sein.
Wurde ja auch schon an anderer Stelle in diesem Thread angesprochen. Die Frage ist, warum die da nicht selber drauf kommen? Haben sie vielleicht Gruende dagegen?
Im Self-Raum steckt sehr viel Wissen und Du und Dein Projekt haben sehr viel Sympathie, nicht nur bei mir, bei vielen Nutzern: Vielleicht gibt es dann auch Verständnis für Schritte, die die Finanzierung sichern. Gut überlegt sein müssen solche Schritte ins Niemandsland, denn die Erfahrung zeigt, dass die meisten Ansätze bisher gescheitert sind....
Wie gesagt, dieser Thread soll von meiner Seite aus in keiner Weise irgendein "Vorfuehlen" sein, ob sich so was fuer uns hier auch rentieren koennte. Wir haben hier eine gewachsene Struktur, die einfach anders ist. Du bist mittlerweile selber "SELF-Developer" und weisst wovon ich rede. Klar, allein schafft so ein Projekt niemand mehr (eine interessante aktuelle Diskussion zu dem Thema im Zusammenhang mit SELFHTML gibt es derzeit uebrigens in den Newsgroups, angestossen durch einen neuen selbsterklaerten Erzfeind von mir:
http://groups.google.com/groups?hl=en&lr=&safe=off&threadm=ac0kfj%241co%2404%241%40news.t-online.com&rnum=1&prev=/groups%3Fq%3D%252BSELFHTML%2B%252BMaa%25DF%26hl%3Den%26lr%3D%26safe%3Doff%26scoring%3Ddate%26selm%3Dac0kfj%25241co%252404%25241%2540news.t-online.com%26rnum%3D1
Ich denke halt nach wie vor, dass eine "informelle" Finanzierung ohne Blick auf Heller und Pfennig sinnvoller ist. Hier laeuft es halt ueber Provider-Sponsoring und ueber Bucheinkuenfte. Und - das ist ganz wichtig - ueber eine funktionierende Community, bei der es durchaus verhasste "Stufen" gibt, Stufen des Vertrauens. Es gibt "Filter", die auf persoenlicher und nicht immer gerechter "Auslese" basieren, aber dafuer nicht mit den Gesetzen dee Mammon zu kaempfen haben. Aber eben darueber mag ich eigentlich diskutieren in diesem Thread ... ;-)
viele Gruesse
Stefan Muenz