Hallo Rolf,
- 1999 Beteiligung der deutschen am Kosovo Krieg,
- derzeit über 4 Millionen Arbeitslose,
- täglich ca. 100 Firmenpleiten mittelständischer Unternehmen,
- Große Firmen zahlen keine Steuern mehr,
[...]
willst Du jetzt den Wahlkampf hier im Forum genauso niveaulos gestalten, wie im Fernsehen? Wie Hans schon gesagt hat: es geht um die _nächsten_ vier Jahre, nicht um die _letzten_. Bei der Wahl muss jeder entscheiden: "Wer ist denn besser für mich in den nächsten vier Jahren?" Man kann das Vorhergehende mit in diese Entscheidung einfließen lassen (damit man enscheiden kann, ob man das Programm diesen Politikern auch zutraut), aber sie nur davon bestimmen lassen? Ich halte das für gefährlich. Denn mit der gleichen Methode versuchen Extremisten Menschen für ihre "Sache/Partei" zu gewinnen. Die kommen nämlich mit genau so einem Argument: "Alle größeren Parteien haben nur Mist gebaut!" Ich will jetzt nicht Deine politische Meinung beeinflussen, sondern nur die _Methode_, mit der Du diese preisgibst.
Desweiteren: kein _vernünftiger_ Wähler ist zu 100% mit dem Programm der Partei, die er wählen wird, einverstanden. Ein _vernünftiger_ Wähler wählt eine Partei, weil er mit den meisten Punkten einverstanden ist und desweiteren dieser Partei auch zutraut, das durchzusetzen. Und gerade _dann_, wenn man von einer Partei "überzeugt" ist, sollte man sich trotzdem sehr genau die Alternativen anschauen (auch wenn es nur darum geht, um sich in seiner politischen Meinung zu bestätigen).
Es gibt keine "Fakten" im Wahlkampf. Denn: alle Fakten (d.h. empirisch belegbare Tatsachen) können unterschiedlich interpretiert werden. (z.B. Beteiligung am Kosovo Krieg [1] - das ist ein Fakt, aber spricht der jetzt für oder gegen die aktuelle Regierung? - aha: das hat wiederrum mit den _persönlichen_ Werten zu tun) Desweiteren kann man nie in einer Liste _alle_ Fakten zusammenfassen. Historiker stehen ja schon vor dem Problem, _ein_ Jahr genau zu erfassen; was ist dann mit vier?
Und als letztes: Wenn man anhand deiner "Fakten" entscheiden kann, wen man wählen sollte, warum wählen dann nicht alle dieselben Politiker? Warum setzten wir nicht einfach einen Computer anstelle des Volkes und der soll dann entscheiden? Ganz einfach - weil das *nicht funktioniert*.
Grüße,
Christian
[1] Das ist jetzt ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel. Wie gesagt: ich kritisiere nicht Deine Meinung, sondern deine Methode