Hallo Chräcker,
(Und laß ab und an mal jemanden bei Dir ne CD mitnehmen oder Dein Handy klauen, solange er gerade kein Geld hat....)
Der Vergleich ist unangebracht, weil im Bezug auf Software bzw. einem Großteil des sogenannten geistigen Eigentums keine Knappheit besteht (bzw. sie nur künstlich geschaffen wird) und somit kein mit dem Diebstahl eines praktisch nicht vervielfältigbaren Gegenstandes vergleichbarer Verlust entsteht - zumindest nicht direkt, indirekt zweifellos. Theoretisch ist Software (wie jede Art von digital erfassbarer Information) bei geringem Aufwand unendlich reproduzierbar, vor allem durch globale Datennetze - versuche das einmal mit einem Handy oder einer CD (der silbernen Plastikscheibe selbst). Wenn du also konsequentes Handeln von Ferdinand forderst, müsstest du zuerst fordern, dass er all seine Daten und Informationen, welche für andere interessant und wertvoll sind, freigibt, also das freie Kopieren nach Belieben ermöglicht (das heißt, alles, was er veröffentlicht, ist public domain). Nämlich ausschließlich unter diesen Umständen stiehlt er. Für ihn besteht durchaus ein Unterschied zwischen Stehlen auf der einen und Stehlen auf der anderen Seite, du leugnest diesen Unterschied und musst somit zwangsläufig jeden Datenpiraten mit einem »gewöhnlichen« Dieb des Prä-Informationszeitalters gleichsetzen.
Digitale Informationen sind nicht endlich, das ist der Knackpunkt. Ich will damit keine moralische Bewertung abgeben - es existiert lediglich ein prinzipieller Unterschied auf einer bestimmten Ebene (auf anderen ebenso relevanten wiederum nicht). Der Zusammenhang zwischen Raub durch Kopieren (Vervielfältigen) und Raub durch »Entwenden« im klassischen, von dir analog beschriebenen Sinne lässt sich real nicht nachweisen (Feststellung), das heißt, es sind der Meinung der Mehrheit zufolge unterschiedliche moralische Kategorien (das heißt, wer Spears, Bravo Hits & Co. zum Eigenbedarf(tm) raubkopiert, steigt nachts nicht beim Gemüsehändler um die Ecke ein und klaut Melonen o.ä. oder ist zwangsläufig anderweitig kriminell). In diesem Punkt differenzieren die unzähligen Musikpiraten und Datenfreibeuter. Das magst du vielleicht zu Recht inkonsequent nennen, aber für viele ist es vereinbar.
Mathias
<img src="http://validator.w3.org/images/vh20" border="0" alt="">