Hallo, Armin,
Das kann ich kein bisschen nachvollziehen.
Ich fuerchte das ist irrelevant.
Ich habe dir deine Erfahrung nicht abgesprochen, ich kann sie lediglich nicht nachvollziehen. Das ist insofern relevant, weil ich nur dann reagieren kann, wenn ich die Ursachen und Gründe ausmachen und verstehen kann.
Wenn Du wirklich barrierefrei sein willst musst Du Dich in diese hineinversetzen und an sie anpassen. Genau das was von denen die gerne die Schriftgroesse feststellen wollen auch gefordert wird.
Ich habe nicht den Anspruch, wirklich, wahrhaftig, absolut, total usw. barrierefrei zu sein, ich wüsste nicht, was diese Annahme zuließe. Anscheinend werden aus solchen Debatten zwangsläufig Diskussion um die nahezu »moralische« Konsequenz einzelner Personen.
Ich schreibe in diesem Forum aufgrund des Wissens, welche Personen sich hier bewegen und aufgrund eines mehr oder weniger umgrenzten Adressatenkreises bewusst in einer Art und Weise, die ich in anderen Situationen anderen Adressaten nicht zumuten würde. Ich habe nie behauptet, dass meine Beiträge hier im Hinblick auf Barrierefreiheit Musterbeispiele seien, ich halte sie lediglich im Kontext dieses Forums für angemessen, was nicht heißt, dass sich selbst unter diesen Bedingungen nicht noch verbessert werden könnten. Allerdings konzentriere ich mich wie gesagt beispielsweise nicht immer auf eine äußerliche Gliederung, das ist mir bewusst und das ist keine Fahrlässigkeit. Ich habe ebensowenig den Anspruch, dass alles aus meiner Feder sich auf einem Niveau der absoluten und totalen Verständlichkeit bewegt.
Genausowenig nehme ich jede Einschätzung der Barrierehaftigkeit bzw. subjektive Empfindung, die an mich herangetragen wird, als unhinterfragbar wahr und direkt Konsequenzen fordernd an, da gestehe ich mir ein qualitatives Bewerten und ein Abgleichen mit anderen Zielen und Anforderungen (z.B. meine Absichten und Hintergedanken) zu, wenn sich mir die Einwände trotz Bemühungen nicht erschließen. Es sagte wenig über die Objektivierbarkeit einer Barriere aus, wenn jemand postuliert, dieser oder jener Umstand sei eine dermaßen rücksichtslose Barriere, die sogar die komplette Kommunikation gefährde.
Ich denke auch, dass der Text in dieser Form hinreichend verständlich und nachvollziehbar ist.
Andere denken dass eine bestimmte Schriftgroesse ausreichend ist...
Ich erkenne durchaus an, dass Gegenpositionen und über ein und dasselbe Merkmal unterschiedliche Auffassungen existieren. Ich versuche diese Konflikte sicherlich aus dem Weg zu räumen, sofern es mir möglich und zwingend scheint. Meinetwegen nenne das Willkür, ich sehe darin keine Ähnlichkeit zu einem stures Ignorieren offenbarer Benachteiligungen.
Wie auch immer deine wirkliche Motivation sein mag,
Meine Motivation? Zweifach:
a) Genau die, die ich geschrieben habe. Als ich Dein Posting geoeffnet habe war ich muede und fuer mich war es zu dem Zeitpunkt nicht moeglich mich durch einen derartig unstruktierten Text zu kaempfen.
die Anforderung, den Text beim Lesen in zusammenhängende Häppchen zu zerlegen, sehe ich nicht als dermaßen große Barriere, dass der Text verworfen werden muss, aber das steht dir natürlich ganz unabhängig von den Gründen jederzeit frei.
Hier kann ich mich nur wiederholen: Andere sehen festgeschriebene Schriftgroessen nicht als Problem an. Ihren Besuchern steht es ja frei sich einen anderen Browser oder ein Vergroesserungsglas zu holen.
Hm? »Es steht dir frei« bezog sich darauf, dass ich nicht auf eine Antwort bestehe. Und zwischen der Aussage, dass ich es mit aller Rücksichtnahme nicht nachvollziehen kann, dass die genannte Barriere dermaßen schwerwiegend ist, dass der Text vollends verworfen werden muss, und der Aussage, ein durch eine feste Schriftgröße Benachteiligter solle sich selbst helfen anstatt Hilfe und Entgegenkommen zu erwarten, besteht kein für mich erkennbarer Zusammenhang.
Die Gleichsetzung der genannten Anforderungen bzw. Herausforderungen an den Leser/Besucher in ihrem grundlegenden Wesen mag stimmen, dennoch halte ich die Situationen für verschieden.
- Es wurde entgegen deiner Aussage in der Vergangenheit viel Druck auf die Browserhersteller ausgeübt. Dies hat aber zu nichts geführt.
Von wem? In welcher Weise? webstandards.org hat sicherlich viel erreicht, aber ich glaube da ist noch mehr drin.
Bereits seit CSS populärer wurde, beschäftigen sich die Persönlichkeiten, die Dokumentationen schreiben und sich in Diskussionsgruppen engagieren, mit der Anpassungsfähigkeit von px-Schriftgrößen. Das sind zwar »nur« die üblichen Verdächtigen ohne direkten Einfluss auf Microsoft & Co., aber sie bewirkten eine entsprechende Stimmung in der Basis der Benutzer und Webautoren. Diese breite Bewegung drang zu Microsoft zumindest vereinzelt vor. Microsoft war auch insofern nicht vom anderen Stern, dass Microsoft-Entwickler wie etwa Tantek Celik offen in beiden Welten verkehrten (zugegeben, das war meines Wissens ein Einzelfall), was ja durchaus zu handfesten Verbesserungen geführt hat.
Was Prominente angeht, so war es etwa Jakob Nielsen, der spätestens mit http://www.useit.com/alertbox/20020819.html direkt Einfluss zu nehmen versuchte: »I'm hereby launching a campaign to get Microsoft to make user preferences override any fixed font size specification in Web designs.« Das war m.E. bereits der letzte Ausläufer der Welle, ich nehme einmal an, auch Nielsen hatte es vorher in dieser Deutlichkeit anderswo angesprochen.
Ich weiß nicht, wie du dir einen solchen Druck konkret vorstellst, es gibt keine Organisation, die Microsoft zum gewünschten Schritt hätte bewegen können. Offene Briefe zu schreiben, »Kampagnen« usw. zu starten, hatte offenbar keinerlei Wirkung und ich erkenne nicht, wie sich diese Methoden weiterführen lassen, sodass sie eines Tages Erfolg haben (wenn MSIE 7 technisch MSIE für MSN auf Mac ähnelt, erübrigt sich das vermutlich). Das Web Standards Project appelliert nach wie vor regelmäßig an Microsoft, doch was die tatsächliche Entwicklung angeht, spielt dieses Engagement letztlich keine Rolle (zumindest was etwa die letzten drei Jahre angeht).
-> Aus diesen beiden Umständen wird ersichtlich, warum sie verstärkt in einer bestimmten Weise an die Webautoren appellieren.
Schoen. Wenn es nicht teilweise in einer ueberheblichen, "von oben herab", "Du hast dieses und jenes zu tun" Art waere.
Ich kenne niemanden, der sich ernsthaft und tiefgehend mit dem Thema beschäftigt und glaubt, diese Vorgehensweise könne Webautoren tatsächlich überzeugen. Schau dir einmal Behindertenverbände an, die werben für Barrierefreiheit damit, dass den Unternehmen im E-Commerce Millionen durch die Lappen gehen, weil unzugängliche Websites behinderte Kunden aussperren.
- Die Barrierefreiheits-Engagierten suchen in ihrem Umfeld nach Barrieren und fragen sich, was sie selbst praktisch tun können. Sie kommen den Browserfehlern entgegen und bauen dadurch Barrieren auf ihren Seiten ab.
Tja, und hier sehe ich das Problem: Zumindest in dem obigen Absatz beschraenkst Du Barrierefreiheit auf Technik, auf Browserfehler.
Es ging ja hier zunächst einmal um Schriftgrößenskalierung und entsprechende Browserunzulänglichkeiten als Beispiel eines Problems, das auf verschiedene Weise aus der Welt geschafft bzw. zumindest gemildert werden kann. Dass Barrierenabbau im Allgemeinen ein viel weiteres Feld ist, wollte ich nicht bezweifeln.
Wie ich hier schon in mehreren Postings ausgefuehrt ist meine Definition von Barrierefreiheit einiges weiter als Browserfehler, technische Umsetzungen usw.
Dem stimme ich auch weitesgehend zu.
Deine Art hier zu schreiben (Deine Website kann ich im Moment nicht beurteilen, weiss die URL nicht mehr) baut fuer mich und auch andere eine Barriere auf. Wie Du Dich vielleicht erinnern kannst habe ich Dich schon mehrmals darauf hingewiesen.
Ja, das hatten wir in der Tat schon einmal. Was ich ziemlich unangebracht finde, ist, dass du anscheinend den Eindruck hast, es wäre mir nicht bewusst, sogar gleichgültig und ich würde letztlich gedankenlos handeln. Das möchte ich mit Nachdruck zurückweisen, denn wie gesagt gebe ich durchaus in besonderem und, wie ich denke, ständig zunehmenden Maße darauf Acht.
Warum gehst Du dann nicht darauf ein und bemuehst Dich diese Barrieren abzubauen?
Wenn du ernsthaft im Laufe der Zeit zu der Auffassung gekommen bist, ich wolle dies nicht tun, würde dies nicht tun und habe dies in der Vergangenheit nicht getan, sodass sich nichts geändert hat, dann muss wohl ein grundlegendes Missverständnis vorliegen. Ich habe es nämlich umgekehrt wahrgenommen, ich bin sehr daran interessiert, meinen Schreibstil in Hinblick auf diese Problematik zu ändern, und zwar nicht nur der Verständlichkeit und der Ansprüche anderer halber und nicht nur als Reaktion auf Kritik von außen. All dies blieb offenbar unmerklich, woran das auch immer liegen mag; ich zumindest denke nicht, dass ich in meiner Selbstwahrnehmung einer großen Täuschung aufgesessen bin.
Mathias
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»The Web is the minimal concession to hypertext that a sequence-and-hierarchy chauvinist could possibly make.« (Ted Nelson)