josef: Der Arbeitsvermittler als Kundenberater

moin
grad sah ich im tv einen bericht über ein neues konzept des arbeitsamtes heilbronn. lobenswert und nett sah' das beim ersten augenschein aus. die arbeitslosen heißen jetzt nicht mehr arbeitslose sondern werden kunden genannt und selbige mit niederrangigen interessen gleich im eingangsbereich mit aufgesetzter oder aufgezwungener freundlichkeit, weil sonst hat die arme frau, die da lächeln muss, morgen auch keinen job mehr, herausgefiltert. außerdem gibt es ein call-center, dass weitergehende fragen beantwortet. das alles natürlich nur zum nutzen und wohle der neuen kunden, damit die noch nicht freigestellten arbeitsvermittler mehr zeit, "statt bisher nur zehn minuten, nun dreißig minuten zur intensiven beratung für die kunden" mit noch größerem beratungsbedarf zur verfügung haben.
McKinsey sei dank.
um die umwertung aller werte braucht man sich schon lange keine gedanken mehr machen. das machen die oder solche konsorten schon, die nehmen das in ihre fürsorglichen hände. unser vorausgesetztes einverständnis setzen selbige natürlich als naturgegeben voraus.

1984 haben wir aber schon lange rechts und links und vor allem in der mitte überholt.

gruß josef

  1. Hello,

    dann ist das die einzige Firma, die wirklich einen "Vertrieb" brauchen kann. In "normalen" Firmen mache ich immer meine Witze, wenn einer sagt "Moment, ich verbinde Sie mit dem Vertrieb". Da sag ich dann immer "ach nein, lassen Sie mal. Geben Sie mir lieber den Verkauf"

    1984 haben wir aber schon lange rechts und links und vor allem in der mitte überholt.

    Vieleicht ist das ja nicht dezimal gemeint gewesen von Orwell? Die Spitze haben wir noch nicht erreicht.

    Grüße

    Tom

    (der immer noch keine Telefonstimme gefunden hat...)

  2. Hallo Josef,

    grad sah ich im tv einen bericht über ein neues konzept des arbeitsamtes heilbronn. lobenswert und nett sah' das beim ersten augenschein aus. die arbeitslosen heißen jetzt nicht mehr arbeitslose sondern werden kunden genannt und selbige mit niederrangigen interessen gleich im eingangsbereich mit aufgesetzter oder aufgezwungener freundlichkeit, weil sonst hat die arme frau, die da lächeln muss, morgen auch keinen job mehr, herausgefiltert. außerdem gibt es ein call-center, dass weitergehende fragen beantwortet. das alles natürlich nur zum nutzen und wohle der neuen kunden, damit die noch nicht freigestellten arbeitsvermittler mehr zeit, "statt bisher nur zehn minuten, nun dreißig minuten zur intensiven beratung für die kunden" mit noch größerem beratungsbedarf zur verfügung haben.
    McKinsey sei dank.
    um die umwertung aller werte braucht man sich schon lange keine gedanken mehr machen. das machen die oder solche konsorten schon, die nehmen das in ihre fürsorglichen hände. unser vorausgesetztes einverständnis setzen selbige natürlich als naturgegeben voraus.

    Bei den ganzen Reformen rund um das Arbeitsamt muss ich auch nur den Kopf schütteln. Was früher die "Bundesanstalt für Arbeit" war, heißt heute "Bundesagentur für Arbeit". War man früher "geringfügig Beschäftigt" ist man heute im Besitz eines "Minijobs". Und wenn man ganz hoch hinaus will, gründet man einfach eine "Ich-AG".
    Da die Probleme schwer in Griff zu bekommen sind, wird einfach die Fassade drumherum verschönert. Alles hört sich prima an, und die Berater, die sich diesen Schwachsinn ausgedenkt haben, ziehen sich erst einmal ein fettes Honorar aus dem Topf.

    Das der Arbeitsmarkt und die Arbeitsämter reformiert werden müssen, daran besteht kein Zweifel. Dazu sollten aber _Alle_ zur Verantwortung gezogen werden (Arbeitsämter, Arbeitslose, Industrie und die gesamte Gesellschaft). Ein bloses modernisieren der Begriffe wird nur dazu führen, das wir bald zu einem Meeting beim Job-Consulter gehen ;)

    Lobenswert ist allerdings der Vorsatz, die Arbeitsuchenden zu vermitteln und nicht bloß zu verwalten. Wenn das dazu noch in angenehmer menschlicher Atmosphäre geschieht -> umso besser!

    Gruß
    Helmut Weber

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    Mode ist eine Variable, Stil eine Konstante
  3. Hallo,

    bevor man sich echauvieren könnte, wäre es interesant von Dir zu erfahren, was "die im Fernsehen" Dir über den Begriff:

    mit niederrangigen interessen

    gesagt haben. Ich zum Bsp. habe mal in der Versicherungswirtschaft als normaler Sachbearbeiter "in der Abteilung" gearbeitet. Als dann, und das ist doch schon 18 Jahre her, die Telefonzentrale angehalten wurde, nicht jeden Kunden mit "niederrangigen Interessen" (wie Doppelkartebestellung" etc.) durchzulassen sondern anderweitig zu versorgen (was ich natürlich voraussetze) waren die Sachbearbeiter "in den Abteilungen" endlich mal in der Lage, ihre eigendliche Arbeit zu tun. Mit Orwell hat das nichts zu tun, jede Vertriebsstruktur kanalisiert ihre "Kunden". Eigenartig eher, das die Ämter da jetzt erst drauf kommen.

    Chräcker