Hallo,
fastix® schreibt:
Für die Durchführung der Revolution fehlt noch eines: Die Perspektive für ein "danach". Alle Gesellschaftsmodelle (Regierungsformen, Verteilungsmodelle), die ich kenne, haben kläglich versagt...
Hat mal eben einer eines?
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Momentan nähern wir uns hier einem Zustand, der zum einen gegen Ende der DDR herrschte, zum anderen aber auch aus dem alten Rom bekannt ist, welches bekanntlich die gleichen Symptome aufwies. Es gibt wahrlich nichts neues unter der Sonne.
Wie wahr! Und mit der ganzen Reformerei (Gesundheitsreform, Steuerrefom, Rentenreform, Reform des Arbeitsmarktes, des Bildungswesens ....) wird nur an einzelnen Symptomen herumgedoktert, aber die Krankheit selbst wird nicht geheilt, eher noch verschlimmbessert.
Bleiben wir zunächst bei der Praxisgebühr. Die Diskussion macht deutlich, wie kompliziert, undurchsichtig und nicht zuletzt wie teuer das ganze System der Krankenversicherung ist. Die Diskussion zeigt aber auch, wie weit der Prozeß der Entsolidarisierung in dieser Gesellschaft fortgeschritten ist. Sich gegenseitig vorzurechnen, wer wie viel oder wie wenig in die Krankenversicherung (mit oder ohne Praxisgebühr) zahlt und dafür wie viel oder wie wenig zurückbekommt, das ist doch eher unwichtig und nur ein Randproblem.
Im Prinzip hat fastix® recht mit dem fehlenden Gesellschaftsmodell
- und das ist meines Erachtens des Pudels Kern.
Die DDR (~Sozialismus) ging nicht, BRD (~Kapitalismus) geht auch nicht.
Gab es zur Wendezeit nicht mal solchen Witz:
Der Kapitalismus am Sterbebett des Sozialismus: Ätsch, ich hab Dich überlebt.
Der sterbende Sozialismus zum Kapitalismus: Wart's ab. Du kommst auch noch dran.
Unvollstellbar? Es ist alles möglich. Aber was kommt dann?
Erst mal Chaos. Und entwickelt sich etwas Neues, Besseres aus dem Chaos? Gibt es einen dritten Weg? Oder stimmt es mit der Prophezeiung: Sozialismus oder Barbarei?
Soziale Markwirtschaft (~Wettbewerb) wäre vielleicht ein dritter Weg.
Aber das "Soziale" wird immer weiter zurückgefahren und wer glaubt noch an den freien Wettbewerb?
Wüßte ich ein "besseres" Gesellschaftsmodell, ich würde in die Politik gehen ;-)
Eigentlich sind wir Menschen mit Vernunft begabte Wesen, aber wir waren und sind bisher nicht in der Lage, unsere gesellschaftlichen Verhältnisse gut und vernünftig zu ordnen. Und wenn uns das künftig auch nicht gelingt, was dann? Untergang der Menschheit, Jüngstes Gericht? Ich weiß es nicht.
Aber eines weiß ich: Wenn es in Deutschland mit den "Reformen" so weiter geht, dann werden über kurz oder lang (auf alle Fälle schneller als viele heute denken) große Teile der mittleren Schichten
in die Armut rutschen. Noch geht es vielen Menschen (nicht allen!) in Deutschland gut (und viel, viel besser als vielen Menschen auf der weiten Welt). Aber das Gespenst der Armut geht um, auch in Deutschland, und immer mehr Menschen haben Angst davor. Und Angst frißt Seele auf, macht krank.
Es muss doch Alternativen geben. Der wissenschaftliche und technische Fortschritt ermöglicht es, dass immer weniger Zeit gebraucht wird, um alle Produkte zu erzeugen und alle Dienstleistungen zu erbringen, die für das Leben der Menschen notwendig sind. Das müsste eigentlich zur Verkürzung der Arbeitszeit führen. Und zwar bei angemessenem Arbeitseinkommen, damit die Menschen in der Lage sind, die Produkte und Dienstleistungen auch zu konsumieren und zu bezahlen. Sicher wird auch ein Teil der Produkte exportiert, aber es wird auch importiert und sollte eine gesunde Handelsbilanz nicht in etwa ausgeglichen sein?
Aber was geschieht? Die "Arbeitgeber" entlassen die "überflüssigen Arbeitnehmer". Dabei ist bei den großen Unternehmen das Streben nach einem "angemessenen" Gewinn (~Profit) die Haupttriebkraft. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen geht es oft einfach nur ums Überleben der Firma. Die Arbeitslosigkeit steigt bzw. stagniert auf hohem Niveau. Die Zahl der Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr durch ihre bezahlte Arbeit sichern können, nimmt zu. Und das führt zu sozialen Verwerfungen, und die können wirklich schlimme Folgen haben. Wurde hier in diesem Thread nicht sogar nach einem "guten Diktator" gerufen? Und alle "Reformen" laufen in die falsche Richtung.
Die Menschen spüren das, fühlen sich aber hilflos, noch.
In der Monatszeitschrift "Das Magazin" las ich im November einen Artikel mit der Überschrift: "Formeln fürs Unglück" mit dem Untertitel: Ein Sandkorn bringt die Welt ins Rutschen. Physiker steuern eine Theorie über Umbrüche in Natur und Geselllschaft bei."
Lesenwert - bedenkenswert! Das Leben ist kompliziert und immer wieder für Überraschungen gut.
Grüsse aus Neubrandenburg
erika
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Hauptsache dem Hund gehts gut