Hi Gernot, hi Stefan,
Aushöhlung des Gesetzes zur Bekämpfung der Scheinselbständigkeit.
Ich dachte, das Gesetz gegen Scheinselbstaendigkeit gibts schon lange nicht mehr.
Doch, und man kann einiges damit machen, was die Menschen in echte Nöte bugsiert. Beispiel: In vielen Medien gibt es feste Freie, die gegenüber dem Arbeitgeber als Selbständige gelten, bei der Künstlersozialkasse aber als scheinselbständig, so dass sie das Doppelte an Versicherung zahlen dürfen...
Es ist zudem eins der zahllosen schlampig gemachten Gesetze, die die letzten beiden Regierungen fabriziert haben. Jahrelang musste man als Arbeitgeber bei Zweifelsfällen die Rentenversicherung einbehalten, die Klärung des Status zog sich teilweise über Jahre hin....
Nein, was erfreulich an der von Siechfred genannten Entscheidung ist, ist die Tatsache, dass jemand, der mal ein paar Sachen im Auftrag programmiert, nicht gleich ein Gewerbe anmelden, Gewerbesteuer zahlen und doppelte Buchfuehrung pflegen muss.
Das kann durchaus Sinn machen.
Sie sollten sich besser mit Komponisten vergleichen - dann haetten sie naemlich ausserdem Chancen, in die Kuenstlersozialkasse zu kommen.
Da sind die Türen ziemlich verrammelt, wenn man nicht klar in eine der Kategorien passt. Es fehlt ja auch die andere Seite, die die Arbeitgeberkosten zmindest zum Teil aufbringt wie Verlage, Medien usw., die anteilig abführen müssen, wenn sie mit Freien arbeiten.
Berufserfahrung als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache
Der Staat ([Volks-]Hochschulen) selbst ist der größte Auftraggeber für Scheinselbstständige.
Richtig. Und die Leute werden erbarmungslos ausgenutzt. Gleichzeitig macht man auf diesem Wege die wirklich Selbständigen kaputt, weil man die Preise aus deren Steuergeldern heruntersubventioniert.
Da werden Lehraufträge an angeblich Selbstständige vergeben, denen man Unterrichtsinhalte, Kursort und Kurszeit vorschreibt. Gleichzeitig müssen sich diese angeblich Selbstständigen dann aber auch noch in der Bundesversicherungsanstalt für "Angestellte" zwangsversichern und dort den vollen Betragssatz mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil löhnen.
Richtig, wenn man sich nicht in einem irrwitzigen Verfahren befreien lassen konnte. In das Verfahren hatte man zudem einige recht hinterfotzige Fragen eingebaut. Wenn man die ungeschickt beantwortet hat, war man plötzlich scheinselbständig und der liebe Arbeitgeber kriegte Druck von der Rentenversicherung.
Die meisten lassen es wohl darauf ankommen und melden sich einfach nicht an. Dafür schwebt dann über sieben Jahre rückwirkend das Damoklesschwert über ihnen, dass die BfA 20% ihres Einkommens in diesem Zeitraum nachfordert.
Soweit ich weiß, kassieren sie rückwärts "nur" 4 Jahre, ist ja kein Problem, die lächerlichen 15% von allen Bruttoeinnahmen über vier Jahre, allerdings gibt's da einen Gummiparagraphen, dass sie einen nicht ruinieren dürfen, da konnten einige Bekannte von mir die Forderung auf lächerliche 10.000 Euro reduzieren. Und welch herrliche Rentenleistung man dafür bekommt!
Von den staatlichen Auftraggebern werden die "freiberuflichen" Lehrbeauftragten auch nicht auf diese Pflicht hingewiesen. Viele sind auch ganz ahnungslos und machen so die Preise für die anderen kaputt.
Ja, vor allem sind die staatlichen Einrichtungen da klar im Vorteil Dank laxerer Kontrollen durch die Behörden.
Immerhin, von derartig krassen Auswüchsen bleiben Softwareentwickler wenigstens verschont.
Das werden wir sehen.
Die Selbständigkeitspropaganda ist für viele Menschen zur Falle geworden, oft ist die Beratung schlecht und die tollen Firmen gehen genau dann pleite, wenn die Kredite und Fördermittel aufgebraucht sind. Ich bin wirklich ein Fan selbständiger und eigenverantwortlicher Tätigkeit, aber die Verantwortungslosigkeit, mit der hier Leute sehenden Auges in die Pleite getrieben werden, finde ich schon krass. Hauptsache aus der Arbeitslosenstatistik, heißt das Motto.
Um es mal ganz simpel zu sagen: Wieso macht man einem Menschen Glauben, er könne mit einer Fähigkeit als Selbständiger durchkommen, wenn er damit nicht einmal als kleiner Angestellter unterkommen kann?
Tipps an die jüngeren Kollegen hier: Wenn man sich selbständig macht, kann man durchaus gucken, welche Fördermittel drin sind, auch wenn sich der Aufwand oft nicht lohnt.
Wichtig ist in den Anfangsjahren, wirklich auf die Kostenseite zu achten, so wenig teure Technik zu kaufen wie möglich, vielleicht von zu Hause aus starten, möglichst viel Geld in der Firma zu lassen. Statt in Apparate und Räume sollte man lieber in Know How und Werbung investieren, man kann angesichts der Unterauslastung der anderen Firmen alles für kleines Geld mieten, was man braucht.
Dann äußerste Skepsis gegenüber den Behörden und Ersatzkassen, die versuchen, sofort zu kassieren, auch wenn noch keine Einnahmen vorliegen. Sofort eine halbwegs anständige Buchführung machen oder machen lassen, auch hier lieber von einem Freiberufler als von teuren Firmen. Mit dem Finanzamt klarkommen, die haben in diesem Staat wirklich starke Möglichkeiten gegenüber den Kleinen.
Viele Grüße
Mathias Bigge