hallo Wilhelm,
BTW: Wie fuehlt sich OpenSuse an, natuerlich rein technisch gesehen. :-)
So, dann jetzt mal etwas gründlicher: die Erkennung meherer Netzwerkkarten macht Probleme, wie bisher auch schon. Es gibt beim Booten ein paar Fehlermeldungen, und es muß dann bei endlich hochgefahrenem System erst einmal ein "rcnetwork restart" gefahren werden, damit sich doch noch alles wieder zusammenrappelt (zwei Karten im Rechner fürs interne Netz mit jeweils unterschiedlichen Subnetzen und fester IP, eine Karte mit DHCP für das DSL-Modem).
Das Software-Angebot ist (noch?) unvollständig, beispielsweise fehlt ein Treiber für meinen Scanner (Epson 1640SU), den ich nicht ans Laufen kriege (die SuSE 9.3 kann das sehr wohl). Mehr als vier USB-Geräte gleichzeitig (Maus, Tastatur, Scanner, Drucker, Kamera) führen zu einem Systemabsturz.
Da das neue GNOME noch nicht vollständig im ersten RC implementiert ist, bin ich erstmal bei KDE geblieben. Da tut die SuSE nun unweigerlich ihre "Erweiterungen" (als Abhängigkeiten) dazu, was dazu führt, daß mir der Konqueror generell eine viel zu kleine Schrift anbietet und kaum lesbar ist. Ich bin gezwungen, mir mein eigenes Stylesheet zu schrieben, leider sind aber nicht wirklich alle Schriften bereits vorhanden und über die xorg.conf einstellbar, die versprochen werden (kann ja noch kommen). Ein deutschsprachiges Benutzerhandbuch gibts unter /usr/share/doc auch noch nicht.
Dafür sind ein paar Unsinnigkeiten bei der Installation konserviert worden. Die "Vorauswahlen", falls man nicht wirklich konsequent alle Softwarepakete manuell aus- oder abwählt, installieren noch immer sowohl GRUB wie auch LILO parallel, und auch postfix und sendmail/procmail werden installiert, es gibt sogar Warnhinweise, wenn man versucht, diesen Unsinn zu beenden und nur eines davon haben will. Aber selbst nach sorgfältiger manueller Auswahl verkündet YaST dann fröhlich, daß noch rund drei Dutzend Softwarepakete installiert werden müßten und schubst LILO trotzdem wieder hinein, man muß das _dreimal_ abwählen, ehe das dumme Installationstool begreift, daß man mit GRUB ja schon zufrieden sein kann. Ähnliches gilt für ein paar Spiele - "Super Tux" ist ja ein ganz nettes Jump'n-Run-Spiel, abr ich wills nun einmal nicht haben usw.
YaST hat ein paar Schaltflächen mehr erhalten. darunter auch eine eigene Schaltfläche für die Firewall, die man ja braucht, wenn die SuSE routen soll. Bedauerlicherweise gibts da nur ein paar "Generaleinstellungen", so daß man zwar die "externe Schnittstelle" ganz zuverlässig schützen kann, aber das "interne Netz" nur schwer aufzudröseln ist. Man kann diffizilere Einstellungen nur über den "Editor für /etc/sysconfig-Dateien" vornehmen oder man muß sich eben die iptables-Regeln selber in ein Shellscript schreiben, wie schon lange gehabt.
Die Diensteverwaltung ist nach wie vor durch die Beschränkung auf YaST ineffektiv. Es bleibt nichts andres übrig, als sich die Start-/Stop-Scripts selber zu manipulieren und im entsprechenden Runlevel zu verlinken. Einige Dienste, wie der LISA-Dämon, funktionieren immer noch nicht zuverlässig. Und es ist nach wie vor schwierig, in /etc die Sripts herauszufischen, an denen man präzisere Konfigurationswünsche auch verwirklichen kann.
PHP 5, das es bei SuSE 9.3 schonmal als Update gab, ist (noch?) nicht vorhanden, allerdings PHP 4.4.0. Insgesamt ist sie Bereitstellung diverser Software (noch) sehr unbefriedigend, wobei sich das sicherlich bis zur endgültigen Freigabe noch dramatisch verbessern wird.
Der Standardkernel 2.6.13 ist aufgrund sehr vieler unnützer Module zwar einigermaßen "mächtig", aber viel zu groß. Man muß sich ihn auf jeden Fall neu bauen.
Positiv ist insgesamt eine geringfügig verbesserte Performance, der Bootvorgang läuft geringfügig rascher.
Alles in allem: Was bisher als RC1 vorliegt, rechtfertigt eigentlich keinen "Versionssprung". Es ist weit eher eine SuSE 9.3.1 als eine SuSE 10.0. Was zu loben ist, ist eigentlich nur, daß die SuSE sich tatsächlich "öffnen" zu wollen scheint und eben einen Download von BETA-Versionen und RCs anbietet, so daß man vorab schon zuschauen kann, was sie denn machen wollen - wie das die anderen Distributionen ja größtenteils auch machen. Das darf man als dicken Pluspunkt vermerken. Aber warten wir mal ab, was in etwa vier Wochen zum geplanten Termin dann tatsächlich veröffentlicht wird. Man darf von einem "RC1" ja nun wirklich nicht verlangen, daß bereits alles völlig fertig ist und fehlerlos läuft.
Grüße aus Berlin
Christoph S.
mailto:christoph.schnauss@berlin.de
http://www.christoph-schnauss.de
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