Humbert Humbert: Erziehungsfragen: Ausbildung zum Grafiker?

Nabend allerseits,

heute bin ich mal in Erziehungsfragen unterwegs. Muss leider etwas weiter ausholen, sonst versteht man die Fragestellung nicht:

Mein Filius (16) wird in so ca. einem Jahr die Schule mit einem mittelmäßigen Realschulabschluss beenden - fürs Abi wirds wohl nicht reichen. Von seiner beruflichen Zukunft hat er kaum konkrete Vorstellungen, weil er auch generell wenig echte Interessen hat. Er zeichnet ganz gern. Weder er noch ich wissen aber, wie sich davon allein beruflich profitieren ließe (so wahnsinnig gut isser jetzt nämlich auch nicht ;-).

Erste Frage wäre da schon mal:
Gibts den Ausbildungsberuf des Zeichners überhaupt noch? Was stellt man damit konkret heutzutage an?

Ich bin kein Freund von Vorschriften, hab aber mal vorgeschlagen, dass Ganze auf eine digitale Ebene zu bringen. Vor allem weil ich mir hier das berufliche Spektrum etwas besser vorstellen kann. Photoshop und den janzen Kram hat er jetzt jedenfalls, und ich hoffe, er kann sich dafür etwas erwärmen.

Auch hier aber die Frage nach der Ausbildung:
Welche Ausbildungen kommen in diesem Bereich überhaupt in Frage? Mir fällt da fast nur die Agentur-Landschaft ein (Internet, Multimedia, klassische Werbung etc.). Nur werden in dem Rahmen überhaupt klassische Ausbildungen nach dem dualen System (Job vs. Berufsschule) angeboten? Ich hab das in meiner Laufbahn eher selten gesehen, und wenn, dann waren das meist Abiturienten. Außerdem ist mein Nachwuchs kein Agentur-Typ, hat da leider die Gene von Mutti erwischt. ;-) In welchen Bereichen gibts derartige Ausbildungsangebote sonst noch?

Hat jemand Anregungen zu dem Thema? Mir gehen die Ideen nämlich langsam aus. Hab dem Bengel schon reichlich vorgeschlagen. Würde ihm halt wünschen, dass seine persönlichen Leidenschaften wenigstens etwas mit dem beruflichen Dasein zu tun haben - ansonsten isses halt elende Plackerei. Echte Leidenschaften hat er nur leider nicht - da liegt der Hase im Pfeffer. Neben der Zeichnerei spielt er zwar gern und reichlich am PC, aber wohl eher aus Langeweile denn aus tieferer Begeisterung.

Himmel, ich gerate ins Faseln. Naja, ihr wisst jetzt jedenfalls worums geht. ;-)

Also: Welcherlei Ausbildungen könnte man dem Kerl noch im Bereich Grafik/Design/Zeichen anraten?

Gute Nacht und besten Gruß
Humbert

  1. Hallo Humbert,

    wir haben das Glück in Europa alles lernen zu dürfen, was wir wollen. Manchmal sieht man den Wald dann vor lauten Bäumen nicht mehr.

    Viel wichtiger ist es was deinem Sohn Spaß macht, denn darin wir er aufgehen. Alles andere macht keinen Sinn.

    Falls Design und Grafik wirklich sein Bereich ist gibt es unendlich viele Möglichkeiten:

    • Ausbildung zum Mediengestalter
    • Kunst-Studium
    • Grafik-Design Studium
    • Verpackungs- und Formdesigner
    • Technischer Zeichner (CAD)
    • Kunstlehrer ...

    Viel wichtiger als die Programme sind seine Lust zu Malen, Skizzieren. Ein Seminar bei dem gescribbelt wird würde bestimmt ihm Spass machen und ihn etwas näher an die Entscheidung bringen was er wirklich will.

    Meine eigene Entscheidung erst ein Naturwissenschaftliches Studium zu machen und danach ein Aufbaustudium war nicht schlecht aber sehr zeit und kostenintensiv. 4 Jahre St. plus 3 Jahre. Heute bin ich selbst. Programmierer mit dem Background der Naturwissenschaften. Werbe-Agenturen lagen mir auch nicht - lag aber eher an dem cholerischem Chef.

    Einen guten Start wünscht Guma

  2. Hallo,

    Auch hier aber die Frage nach der Ausbildung:
    Welche Ausbildungen kommen in diesem Bereich überhaupt in Frage?

    Um sich einen Überblick über Ausbuildungsmöglichkeiten zu verschaffen, ist BERUFENET zu empfehlen.

    Wenn die Stichwortsuche nicht recht ergiebig ist, dann hier versuchen: http://infobub.arbeitsagentur.de/berufe/themeSearch.do.

    Die Anwendung Interesse: Beruf ist auch gar nicht übel.

    viele Grüße

    Axel

    1. Moin,

      Die Anwendung Interesse: Beruf ist auch gar nicht übel.

      Dabei fällt mir ein: Was mir bei all den Ansätzen der Arbeitsagentur tierisch nervt ist die Herangehensweise an die Suche. Es werden Eigenschaften des Berufes (bauen, pflegen, malen, reinigen) in den Vordergrund gestellt, nicht aber nach den Eigenschaften der Menschen (mit Menschen zu tun haben, im Freien arbeiten, Dinge erschaffen, Abläufe planen, spontan sein ...) gefragt. Es sollen sich doch nicht Berufe vergeben werden sondern Menschen beim finden ihrer Berufswünsche unterstützt werden. Der Ansatzpunkt ist also der Mensch, nicht der Beruf. Wenn die bei der Arbeitsagentur immer so denken würden, wäre das blöd. Zum Glück arbeitet eine Freundin von mir als Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur, von weiß ich, dass "die da" auch anders sein können.

      Viele Grüße

      Swen Wacker

      1. Hallo,

        Die Anwendung Interesse: Beruf ist auch gar nicht übel.

        Dabei fällt mir ein: Was mir bei all den Ansätzen der Arbeitsagentur tierisch nervt ist die Herangehensweise an die Suche. Es werden Eigenschaften des Berufes (bauen, pflegen, malen, reinigen) in den Vordergrund gestellt,

        Ja, klar, wie soll sonst eine Übereinstimmung mit den Interessen gefunden werden? Im konkreten Fall soll allerdings der Interessent _seine_ Interessen auswählen, die dann mit Berufsbildern abgeglichen werden.

        nicht aber nach den Eigenschaften der Menschen (mit Menschen zu tun haben, im Freien arbeiten,

        Doch: Wo->Im Freien, Womit->Menschen

        Dinge erschaffen, Abläufe planen, spontan sein ...)

        Das sind aber universelle Eigenschaften bzw. Kompetenzen. Die braucht man für jeden Beruf.

        Zum Glück arbeitet eine Freundin von mir als Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur, von weiß ich, dass "die da" auch anders sein können.

        Ja, klar, im direkten Gespräch kann man immer intensiver auf den Interessenten eingehen. Die Anwendung soll ja nur dazu dienen, diesem Interessenten zu zeigen, was überhaupt alles möglich ist und in welche Richtungen er sich dann näher informieren sollte.

        viele Grüße

        Axel

        1. Moin,

          nicht aber nach den Eigenschaften der Menschen (mit Menschen zu tun haben, im Freien arbeiten,
          Doch: Wo->Im Freien, Womit->Menschen

          Stimmt, da habe ich nicht genau genug nachgeschaut und war voreilig in der Bewertung.

          Viele Grüße

          Swen Wacker

        2. Hallo.

          Dinge erschaffen, Abläufe planen, spontan sein ...)
          Das sind aber universelle Eigenschaften bzw. Kompetenzen. Die braucht man für jeden Beruf.

          Aber im einen mehr und im anderen weniger. Und so verhält es sich ja auch bei den Menschen: Sie können oder wollen dies alles mehr oder eben weniger.
          MfG, at

    2. Hallo,

      Wenn die Stichwortsuche nicht recht ergiebig ist, dann hier versuchen: http://infobub.arbeitsagentur.de/berufe/themeSearch.do.

      Argh! Lieber Gott, bitte lass irgend ein Kind, wenn es erwachsen ist, irgend wann einmal ein/e _gute/r_ Web-Anwendungs-Programmierer/in werden, damit dieses arbeitsagentur.de endlich mal funktionsfähig wird. Warum in aller Welt muss ein einfacher Link auf eine Unterseite nur mit einem Session-Cookie erreichbar sein, der dann auch noch relativ zeitig verfällt?

      @Humbert Humbert:
      http://infobub.arbeitsagentur.de/berufe/search/simple/index.jsp und dann -> Themensuche

      viele Grüße

      Axel

  3. Moin,

    Himmel, ich gerate ins Faseln. Naja, ihr wisst jetzt jedenfalls worums geht. ;-)

    mal so unter uns Eltern :-) Worum geht es denn? Dass _Dein Sohn_ einen Beruf _findet_, oder dass _Du_ den Beruf _suchst_?

    Wenn er nächstes Jahr die Schule verlässt, dann hat er hoffentlich schon einige Praktika hinter sich oder wird sie spätestens in diesen Ferien machen. Er muss herausfinden, was ihm liegt. Nicht Wir. Wir als Eltern müssen "leiden", wenn er nach unserer Meinung die Kurve nicht kriegt und keine Perspektive entwickelt und uns fragen, wo wir in unserer bisherigen Erziehung vergessen haben, Grundsteine zu legen. Zudem: Wenn wir die Jobs für unsere Kinder aussuchen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie sich im Zweifel fremdbestimmt fühlen und die Ausbildung nur aus dumpfen Pflichtgefühl den Eltern gegenüber durchziehen. Keine tolle Perspektive, wenn man _eigentlich_ was nicht wollte und es dann doch getan hat. Solche "eigentlichen" Lebensentwürfe sind einfach Scheiße. Wo sie das wohl herhaben, unsere Kinder :-)
    Unsere Aufgabe als Eltern ist Unterstützung. Eigeninitiative kann man schon vom Wortlaut her nur selbst entwickeln.

    Und wenn er im Moment halt keinen Plan hat und wenn weiterführende Schulen (Berufsfachschulen, FOS, Fachgymnasien pp) mit freien Plätzen da sind, dann ist Schule in meinen Augen selbst dann der bessere Weg, wenn Deiner(!) Meinung nach der Schulweg schwer fällt. Überhaupt: Deine Einschätzung über die schulischen Qualitäten Deines Sohnes finde ich ziemlich Panne. Ich kann mir gut vorstellen, dass er diese Deine Meinung auch im Alltag spürt und wunderte mich dann nicht, wenn er von sich aus keine Initiative entwickelte. Denn wenn einem ständig klar gemacht wird, dass man nicht genügt, dann glaubt man das irgendwann auch.

    Also: Welcherlei Ausbildungen könnte man dem Kerl noch im Bereich Grafik/Design/Zeichen anraten?

    Gern zeichnen zu wollen wäre _mich_ erstmal Ausdruck einer Lebenseinstellung und weniger ein Handwerk an sich. Mein Gefühl sagt mir: Wer gern künstlerisch zeichnet, der hat viel Platz im Kopf für viele schöne Dinge und kann auch unausgetretene Weg gehen, Kreativität ausleben und in praktische Dinge umsetzen. Deshalb muss man nicht unbedingt "Zeichner" werden, das kann auch eine wichtige Voraussetzung sein, um z.B. eine guter Konditor, ein erfolgreicher Schaufenstergestalter oder ein einfühlsamer Kaufmann/Buchhalter zu werden. Wer gern "exakt" zeichnet, drückt damit eine Lebenseinstellung aus, die ihm zu einem gutem Konditor, einem erfolgreichen Schaufenstergestalter oder einem einfühlsamen Kaufmann/Buchhalter werden lassen kann. Zur weiteren Beurteilung sind halt noch mehr Facetten aus der Einstellung eines Menschen nötig. Die online-Beratung der Arbeitsagentur http://www.machs-richtig.de/ oder http://infobub.arbeitsagentur.de/berufe/index.jsp oder ... hilft weiter.

    Viele Grüße

    Swen Wacker

    1. Hi Swen,

      Dass _Dein Sohn_ einen Beruf _findet_, oder dass _Du_ den Beruf _suchst_?

      Deine Kritik ist berechtigt, geht aber meiner Erfahrung nach an der Realität vorbei. Sehr viele 16-jährige haben keine eigene Berufsvorstellung und entwickeln wenig Initiative, selbst Weichen zu stellen.

      Und wenn er im Moment halt keinen Plan hat und wenn weiterführende Schulen (Berufsfachschulen, FOS, Fachgymnasien pp) mit freien Plätzen da sind, dann ist Schule in meinen Augen selbst dann der bessere Weg, wenn Deiner(!) Meinung nach der Schulweg schwer fällt.

      Das denken viele Eltern und gebrauchen die Schule als Parkplatz. Meist kommt dabei nichts heraus.

      Viele Grüße
      Mathias Bigge

      1. Moin,

        Deine Kritik ist berechtigt, geht aber meiner Erfahrung nach an der Realität vorbei. Sehr viele 16-jährige haben keine eigene Berufsvorstellung und entwickeln wenig Initiative, selbst Weichen zu stellen.

        Klar. Das ändert allerdings auch nichts an den Fehlern, die wir als Eltern machen. a kann ich nicht allein übers Kind beklagen sondern muss mich auch Selbstreflexion üben. Ich bin selbst Elter. Du baust Elter. Wir beide wissen, das wir als Eltern nicht perfekt sind. Ich wir wissen, dass sich in unseren Kinder unsere Erziehung wiederspiegelt - bewusst mit "ie" geschrieben um klar zu machen, dass dass Spiegelbild nicht "verkehrt herum" ist :-). Und ich kann mich gut genug an meine Jugendzeit erinnern um mit Gelassenheit an die Frage heranzugehen und zu mir sagen: Das wird sich richten. Es ist wohl auch einfach Ausdruck einer Lebensphase, den Eltern als Bocklos und Antriebsarm zu erscheinen. Das empfanden meine Eltern auch mit mir. Und ich weiss noch sehr genau, wie klar mir waren, dass sie mich mit ihrer Nachkriegsneurose - wir hatten nicht genug Brot, dafür war das Leben ein hartes Brot. Es gab keine Ausbildungsplätze sondern Lehrstellen, Zucht und Ordnung ging verloren und die Maikäfer und die Kartoffelkäfer auch ... palaver palaver palaver:-)

        Das denken viele Eltern und gebrauchen die Schule als Parkplatz. Meist kommt dabei nichts heraus.

        Ich bin der Gegenbeweis :-) Und jetzt male ich mal gewagte Sprachbilder: Korrektes Parken ist noch besser als Stehen im Halteverbot und Verweilen in der Zone zum Be- und Entladen.

        Viele Grüße

        Swen Wacker

        1. Hi Swen,

          Das denken viele Eltern und gebrauchen die Schule als Parkplatz. Meist kommt dabei nichts heraus.
          Ich bin der Gegenbeweis :-) Und jetzt male ich mal gewagte Sprachbilder: Korrektes Parken ist noch besser als Stehen im Halteverbot und Verweilen in der Zone zum Be- und Entladen.

          Vielleicht kann man vorsichtig eine Faustregel formulieren: Wenn ein Jugendlicher das Zeug hat, in der Schule noch weiterzukommen und keine Alternative in Sicht ist, ist ein Schulbesuch mit lauer Motivation vielleicht sinnvoll, wenn der Jugendliche keine rechte Chance hat, weiterzukommen und sich nur den ultimativen Frust abholt, ist es kontraproduktiv.

          Viele Grüße
          Mathias Bigge

    2. mal so unter uns Eltern :-) Worum geht es denn? Dass _Dein Sohn_ einen Beruf _findet_, oder dass _Du_ den Beruf _suchst_?

      Eindeutig die Aufgabe meines Sohnes. Ich möchte mich da weitesgehend raushalten, sehe aber, dass es ohne Unterstützung nicht geht. Also versuche ich ihm Anregungen zu geben - nicht mehr, nicht weniger.

      Er muss herausfinden, was ihm liegt. Nicht Wir.

      Ich bin eigentlich voll Deiner Meinung. Nur wie soll er das herausfinden ohne Interessen, ohne Leidenschaft. Er hat schon zwei Praktika hinter sich, die ihm aber nur gezeigt haben, worauf er keinen Bock hat.

      Zudem: Wenn wir die Jobs für unsere Kinder aussuchen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie sich im Zweifel fremdbestimmt fühlen und die Ausbildung nur aus dumpfen Pflichtgefühl den Eltern gegenüber durchziehen. Keine tolle Perspektive, wenn man _eigentlich_ was nicht wollte und es dann doch getan hat. Solche "eigentlichen" Lebensentwürfe sind einfach Scheiße.

      Ich sehe das haargenau so, und möchte beim besten Willen keinen Beruf für ihn aussuchen. Aber ohne Unterstützung würde bei dem Jungen rein gar nichts passieren. Ich möchte ja auch lediglich Vorschläge unterbreiten und keine Anweisungen geben - das liegt mir mindestens genau so fern wie Dir.

      Überhaupt: Deine Einschätzung über die schulischen Qualitäten Deines Sohnes finde ich ziemlich Panne. Ich kann mir gut vorstellen, dass er diese Deine Meinung auch im Alltag spürt und wunderte mich dann nicht, wenn er von sich aus keine Initiative entwickelte. Denn wenn einem ständig klar gemacht wird, dass man nicht genügt, dann glaubt man das irgendwann auch.

      Jetzt lehnst Du Dich allerdings etwas weit aus dem Fenster. Diese Einschätzung stützt sich in erster Linie auf Aussagen des Lehrpersonals, außerdem sehe ich ja die Noten (übrigens nur wenn er mir seine Zeugnisse/Arbeiten zeigt). Deine psychologische Ferndiagnose, dass ich letztlich durch meine hohe Erwartungshaltung für seine mangelnde Eigeninitiative verantwortlich bin, ist nicht nur vollkommen falsch, sondern auch ziemlich anmaßend und unverschämt. Nichts für ungut, aber solch Infamie kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.

      Dennoch besten Dank für Deine Anregungen
      Humbert

      1. Hallo,

        Deine psychologische Ferndiagnose, dass ich letztlich durch meine hohe Erwartungshaltung für seine mangelnde Eigeninitiative verantwortlich bin, ist nicht nur vollkommen falsch, sondern auch ziemlich anmaßend und unverschämt. Nichts für ungut, aber solch Infamie kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.

        Ich hatte aber beim lesen deines OP genau das gleiche Gefühl wie Sven und wollte eigentlich ähnliches schreiben und habe es nur gelassen, weil Sven das schon gemacht hat.

        mittelmäßigen Realschulabschluss
        fürs Abi wirds wohl nicht reichen
        weil er auch generell wenig echte Interessen hat.
        so wahnsinnig gut isser jetzt nämlich auch nicht
        (Photoshop...) und ich hoffe, er kann sich dafür etwas erwärmen.
        Außerdem ist mein Nachwuchs kein Agentur-Typ, hat da leider die Gene von Mutti erwischt.
        Echte Leidenschaften hat er nur leider nicht
        [..] spielt er zwar gern und reichlich am PC, aber wohl eher aus Langeweile denn aus tieferer Begeisterung.
        Nur wie soll er das herausfinden ohne Interessen, ohne Leidenschaft.
        Aber ohne Unterstützung würde bei dem Jungen rein gar nichts passieren.

        Sag doch mal wie ein solcher Text für dich als Außenstehender wirken würde, wobei auf der Positiven Seite ausschließlich: "Er zeichnet ganz gern." zu lesen ist. Wir kennen dich sowieso nicht und auch deinen Sohn nicht, können also nur aus dem was du uns vorlegst etwas herauslesen. Ich könnte mir Vorstellen, dass du deinen Sohn doch nicht so gut kennst, wie du eigentlich denkst und vor allem Äußerlichkeiten betrachtest und nicht ihn als Persönlichkeit. Natürlich kann ich mich auch irren (nicht dass du gleich wieder schreibst dass ich unverschämt wäre).

        Meine Eltern haben sich auch, als mein kleiner Bruder scheinbar antriebslos auf das Ende der Schulzeit zusteuerte, mega Sorgen gemacht und über ihn, genau so wie du über deinen Sohn, gelästert, dass er "nix macht" und sich für "nix interessiert", etc. obwohl er schon als 15-Jähriger in Sachen Flash um einiges besser war als so mancher gestandene Flasher der das beruflich macht, und Gitarre um weiten besser spielte als ich (der 10 Jahre älter war). Ich habe ihm damals (vor ca. einem Jahr) bei seinen Bewerbungen geholfen und es klappte (habe damals darüber geschrieben: http://forum.de.selfhtml.org/archiv/2005/6/t110045/#m689149).

        Vielleicht ist das bei dir auch so, dass du nur die Interessen und Leidenschaften deines Sohnes einfach nicht siehst, Betriebsblindheit könnte man das nennen. Eventuell würde es etwas helfen mit Leuten aus seiner Umgebung zu sprechen, die ihn kennen um herauszufinden was ihm wirklich Spaß macht und wo er aufgeht. Nur so als Snregung.

        Grüße
        Jeena Paradies

        --
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        1. Hallo,

          Deine psychologische Ferndiagnose, dass ich letztlich durch meine hohe Erwartungshaltung für seine mangelnde Eigeninitiative verantwortlich bin, ist nicht nur vollkommen falsch, sondern auch ziemlich anmaßend und unverschämt. Nichts für ungut, aber solch Infamie kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.
          Ich hatte aber beim lesen deines OP genau das gleiche Gefühl wie Sven und wollte eigentlich ähnliches schreiben und habe es nur gelassen, weil Sven das schon gemacht hat.

          Das mag ja sein. Nur stellt sich die Frage, ob man sich auf Grund eines mehr oder minder präzisen Gefühls zu solchen Aussagen hinreißen lassen sollte. Ich denke nein. Schließlich kennt hier niemand meinen Jungen, die Mutti, mich oder unsere Geschichte. Ich hatte diese Anmerkung daher als reichlich unpassend empfunden - zumal sie de fakto nicht zutrifft.

          Sag doch mal wie ein solcher Text für dich als Außenstehender wirken würde...

          Keine Frage, das liest sich recht hart und Du kannst sicher sein, dass ich ihm gegenüber das so nie formulieren würde. Ich habe aber in diesem Rahmen ganz bewusst nichts beschönigt. Leider ist das nämlich alles durchaus zutreffend - das bestätigen mir übrigens auch alle, die den Burschen kennen. Seine Selbsteinschätzung weicht davon auch nicht sonderlich ab - er selbst ist sich seiner Interessenlosigkeit vollkommen bewusst...und nein, das nicht weil ich es ihm eingeredet hätte oder sonst was, falls sich da jetzt wieder Hobby-Psychologen motiviert fühlen sollten.

          Besten Gruß
          Humbert

          1. Hi !

            Keine Frage, das liest sich recht hart und Du kannst sicher sein, dass ich ihm gegenüber das so nie formulieren würde. Ich habe aber in diesem Rahmen ganz bewusst nichts beschönigt. Leider ist das nämlich alles durchaus zutreffend - das bestätigen mir übrigens auch alle, die den Burschen kennen. Seine Selbsteinschätzung weicht davon auch nicht sonderlich ab - er selbst ist sich seiner Interessenlosigkeit vollkommen bewusst...und nein, das nicht weil ich es ihm eingeredet hätte oder sonst was, falls sich da jetzt wieder Hobby-Psychologen motiviert fühlen sollten.

            DAS ist die Idee !

            Schieb' ihn irgendwie durch's Abi und dann soll er Psychologie studieren. Wenn Du dann noch eine "Anschubfinanzierung" machst und ihm eine Praxis einrichtest, hat er es geschafft. Da in unserer Gesellschaft die Leute wegen jeder Kleinigkeit zum Psychologen rennen, wird er sich mit "nichts" außer zuhören und Binsenweisheiten verteilen eine goldene Nase verdienen.

            Gruß

            Hans

      2. Moin,

        Deine psychologische Ferndiagnose, dass ich letztlich durch meine hohe Erwartungshaltung für seine mangelnde Eigeninitiative verantwortlich bin, ist nicht nur vollkommen falsch, sondern auch ziemlich anmaßend und unverschämt. Nichts für ungut, aber solch Infamie kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.

        Kein Problem. Jeena hat die Zitate, die mich zu dieser Einschätzung führten prima zusammengestellt. Für Diagnosen fehlt es mir an Kompetenz und Sendungsbewusstsein. Ich schrieb bewusst: "Ich kann mir gut vorstellen..."

        Dennoch besten Dank für Deine Anregungen

        Keine Ursache, gern geschehen. Ich mag solche Threads, weil sie auch dazu führen, sich selbst zu überprüfen.

        Viele Grüße

        Swen Wacker

    3. Hallo.

      Gern zeichnen zu wollen wäre _mich_ erstmal Ausdruck einer Lebenseinstellung und weniger ein Handwerk an sich. Mein Gefühl sagt mir: Wer gern künstlerisch zeichnet, der hat viel Platz im Kopf für viele schöne Dinge und kann auch unausgetretene Weg gehen, Kreativität ausleben und in praktische Dinge umsetzen. Deshalb muss man nicht unbedingt "Zeichner" werden, das kann auch eine wichtige Voraussetzung sein, um z.B. eine guter Konditor, ein erfolgreicher Schaufenstergestalter oder ein einfühlsamer Kaufmann/Buchhalter zu werden. Wer gern "exakt" zeichnet, drückt damit eine Lebenseinstellung aus, die ihm zu einem gutem Konditor, einem erfolgreichen Schaufenstergestalter oder einem einfühlsamen Kaufmann/Buchhalter werden lassen kann.

      Dazu nur zwei Dinge zur Ergänzung:
      Mir persönlich hat das Zeichnen nach Lehrplan während meiner Ausbildung und des Studiums sowohl das Studium als auch mein bis dahin größtes Hobby und offensichtlichstes Talent Zeichnen fast verleiden können.
      Und wenn man sein größtes Hobby zum Beruf macht, sollte man sich beizeiten Gedanken über ein neues gutes Hobby machen.
      MfG, at

      1. Hi at,

        Mir persönlich hat das Zeichnen nach Lehrplan während meiner Ausbildung und des Studiums sowohl das Studium als auch mein bis dahin größtes Hobby und offensichtlichstes Talent Zeichnen fast verleiden können.

        könntest du bitte dieses "Zeichnen nach Lehrplan" an ein paar Beispielen erläutern. Ich interessiere mich sehr für Lehrmethoden in diesem Bereich. Selbst wenn sie, vorsichtig formuliert, unpassend erscheinen.

        ~Yogi~

        1. Hallo.

          könntest du bitte dieses "Zeichnen nach Lehrplan" an ein paar Beispielen erläutern.

          Den größten Stellenwert haben sicher Proportionen und Räumlichkeit, denn hier liegen klassischerweise die Defizite. Um also die Modelle nicht über Gebühr in ihrem Selbstbewusstsein zu beeinträchtigen, steht etwa Aktzeichnen recht weit hinten auf dem Zeitplan.
          Der Duktus und organische Strukturen werden zu Anfang gern mit dankbaren Objekten wie Obst und Gemüse geübt.
          Dazwischen liegen Gegenstände, Architektur, und Portaits sowie sicher noch ein paar andere Dinge, die ich inzwischen erfolgreich verdrängt habe.

          Ich interessiere mich sehr für Lehrmethoden in diesem Bereich. Selbst wenn sie, vorsichtig formuliert, unpassend erscheinen.

          Die Methoden selbst sind ja eher begrenzt. Es wird erklärt und demonstriert, beobachtet und korrigiert, im Einzelgespräch oder in großer Runde.
          MfG, at

          1. Hi at

            Den größten Stellenwert haben sicher Proportionen und Räumlichkeit, denn hier liegen klassischerweise die Defizite.

            Richtig - und ganz unabhängig vom Zeichenobjekt. Egal ob Gegenstände, Porträts, Akte, Schriften oder was auch immer, auch unabhängig von den technischen Mitteln. Bildraum beherrschen will gelernt sein. Weil dies eine Änderung der Sichtweise auf die Objekte erfordert, stößt der Lernende schnell an die Wahrnehmungsgrenzen sowohl der Objekte als auch seiner selbst. Hier fängt dann der Frust an.

            Um also die Modelle nicht über Gebühr in ihrem Selbstbewusstsein zu beeinträchtigen, steht etwa Aktzeichnen recht weit hinten auf dem Zeitplan.

            Ist ja auch eine finanzielle Sache. Aktmodelle sind teuerer als ein Apfel und eine Birne zusammen. Außerdem erfordert ein weibl. Aktmodel vom männl. Studenten ein größeres Maß an Konzentrationsfähigkeit als eine Weinflasche. Also sollte er an weniger aufregenden Dingen seine Technik üben.<g>

            Die Methoden selbst sind ja eher begrenzt. Es wird erklärt und demonstriert, beobachtet und korrigiert, im Einzelgespräch oder in großer Runde.

            Wenn es demonstriert werden kann, ist ja gut. Ich hatte in der Schule und auch bei kurzem Privatunterricht beständig den Verdacht, die Lehrer können es selbst nicht ohne eine gewisse Quälerei. Den vermittelten Techniken konnte ich deshalb kein Vertrauen entgegen bringen. Schließlich habe ich den regulären Weg geschmissen und auf eigene Faust mich auf die Suche nach der Funktionsweise des Zeichnens bzw. Malens gemacht (In Japan gibt es die Unterscheidung Zeichnung/Malerei nicht. Das finde ich gut und entspricht auch voll und ganz meinen Erfahrungen).

            Ich hatte immer die Ahnung, es müsste jenseits meines bescheidenen Talentes die ultimative Technik geben, die alles zusammenfasst und jede Variation in jede Richtung erlaubt - und es gibt sie. Unabhängig von den oben beschriebenen Objekten wie auch den angewandten Mitteln. Vielleicht sogar unabhägig vom eigenen Talent (Mathe funktioniert ja auch so). Ein Talentierter mag lediglich schneller, auch ausdrucksstärker sein, aber nicht an sich "besser".

            Hier liegt dann auch der Grund für mein Interesse an Lehrmethoden. Ich wundere mich immer wieder, wie wenig Substanz die üblichen Methoden doch haben. Gerne wird dann von Talent gefaselt. Wenn "die" wüssten, wie wenig Talent es braucht, um Formen nach belieben modellieren zu können, wenn die Bild- bzw. Zeichenstruktur an sich stimmt.

            ~Yogi~

            1. Hallo.

              Ich hatte in der Schule und auch bei kurzem Privatunterricht beständig den Verdacht, die Lehrer können es selbst nicht ohne eine gewisse Quälerei.

              Das kommt sicher darauf an, welchen Stellenwert das Zeichnen im Repertoire des Lehrers hat. Ein Hochschul-Dozent, der gleichzeitig ein bekannter Illustrator ist, tut sich sicher leichter als ein Lehrer für Religion und Sport mit Zusatzqualifikation für Kunst und einem Faible für Marathon-Pilgern.

              In Japan gibt es die Unterscheidung Zeichnung/Malerei nicht.

              Und auch die Schriftkunst ist wesentlich besser integriert. Dafür sind die Lehrmethoden nach unserem Verständnis häufig grenzwertig, was ja auch für das Kunsthandwerk gilt.

              Ich hatte immer die Ahnung, es müsste jenseits meines bescheidenen Talentes die ultimative Technik geben, die alles zusammenfasst und jede Variation in jede Richtung erlaubt - und es gibt sie.

              Ja, sie heißt "Üben". Dass chinesische Design-Studenten in den ersten Semestern fast ausschließlich zeichnen, wirkt sich definitiv aus. Aber das wäre hier schon aufgrund der anderen Mentalität weder möglich noch gewollt.
              MfG, at

              1. Hi at

                In Japan gibt es die Unterscheidung Zeichnung/Malerei nicht.
                Und auch die Schriftkunst ist wesentlich besser integriert.

                Oh ja. Ich erinnere mich an eine Kalligraphieausstellung vor etlichen Jahren, in der so manches Blatt des chinesischen Schriftkünstlers die Grenzen von Schrift, gegenständlicher und abstrakter Malerei aufgehoben hat. Ein Bild sehe ich heute noch ganz klar vor mir: Eine Hand voll Schriftzeichen standen wie windbewegte Bäume in einer Herbstlandschaft.

                Ich hatte immer die Ahnung, es müsste jenseits meines bescheidenen Talentes die ultimative Technik geben, die alles zusammenfasst und jede Variation in jede Richtung erlaubt - und es gibt sie.
                Ja, sie heißt "Üben".

                Nicht nur. Das Reflektieren und Verstehen des eigenen Tuns halte ich für ebenso wichtig. Hast du schon mal einen Künstler gefragt, ob er denn auch versteht, was er tut? (Okay, ich hab's noch nicht getan, sehe schon vorher die Sinnlosigkeit der Frage bzw. die Aussichtslosigkeit, eine Antwort zu bekommen.)

                Dass chinesische Design-Studenten in den ersten Semestern fast ausschließlich zeichnen, wirkt sich definitiv aus. Aber das wäre hier schon aufgrund der anderen Mentalität weder möglich noch gewollt.

                So sehen hier die späteren Designs auch aus.

                ~Yogi~

                1. Hallo.

                  Oh ja. Ich erinnere mich an eine Kalligraphieausstellung vor etlichen Jahren, in der so manches Blatt des chinesischen Schriftkünstlers die Grenzen von Schrift, gegenständlicher und abstrakter Malerei aufgehoben hat. Ein Bild sehe ich heute noch ganz klar vor mir: Eine Hand voll Schriftzeichen standen wie windbewegte Bäume in einer Herbstlandschaft.

                  Einer meiner Lehrer war selbst gelernter Schriftsetzer, Ingenieur für Druckereitechnik und hat in Japan bei einem Kalligraphen die Schriftkunst gelernt, wurde dort für seine Kunst ausgezeichnet und hat dort ausgestellt.

                  Das Reflektieren und Verstehen des eigenen Tuns halte ich für ebenso wichtig.

                  Design ist zielgerichtet. Insofern wird dort nicht reflektiert, sondern beleuchtet. In der Kunst mag das natürlich anders sein.

                  Hast du schon mal einen Künstler gefragt, ob er denn auch versteht, was er tut? (Okay, ich hab's noch nicht getan, sehe schon vorher die Sinnlosigkeit der Frage bzw. die Aussichtslosigkeit, eine Antwort zu bekommen.)

                  Das würde ich nicht zu pessimistisch sehen.

                  Dass chinesische Design-Studenten in den ersten Semestern fast ausschließlich zeichnen, wirkt sich definitiv aus. Aber das wäre hier schon aufgrund der anderen Mentalität weder möglich noch gewollt.

                  So sehen hier die späteren Designs auch aus.

                  Das kann ich nicht finden. Design ist schließlich nicht Kunst, jedenfalls wenn man beides ernst nimmt.
                  MfG, at

  4. Hi !

    Meine Eltern hatten auch keine Idee, was ich machen könnte. Sie sagten: "Mach einfach, was Dir Spaß macht" (zu der Zeit war ich, wie ich später von meinen Eltern erfahren habe, laut deren Meinung, weder handwerklich noch, äh, geistig zu was zu gebrauchen).

    Da ich gerne mehrere Fliegen mit einer Klappe schlage, habe ich mit meinem mittelmäßigen Realschulabschluß auf ein Berufskolleg gewagt und nach zwei Jahren eine super Ausbildung + FH-Reife gehabt.

    Da ich auch ein Freund von "Ich bin Chef" bin und ich den Elektronik-Kram nie so richtig kapiert habe, habe ich ein Studium angehängt, um dann, als Chef, die blöden Arbeiten an meine Mitarbeiter und die Software-Geschichten an mich zu delegieren.

    Nach dem Studium habe ich, trotz Neuer-Markt-Hype gesehen, daß ich mit meiner Berufsausbildung eine Karteileiche beim Arbeitsamt geworden wäre, da man fast nur noch Dipl.-Ing's einstellt.

    Ja und heute bin ich der Dipl.-Ing und was würde ich sonst Deinem Sohn geben, als Werther's, äh, ich meine, einen Tip für Berufskolleg + FH-Reife + Studium? Er ist nämlich auch etwas ganz besonderes (und ich ein Opfer der Werbung) ;-)

    Gruß

    Hans

  5. Es gibt Schulen bei dennen man zum (früher) Druckvorlagenhersteller, Grafik-Design Assistenen u. ä. wird. Heute oft eher Mediengestaltung Blabla genannt.

    hier meine Faselei:
    Ich stand in der 9. Klasse vor der Frage was tun. Ich hatte keine Ahnung. Ich zeichnete. Schon als Kind. Gut, aber es gab bessere.

    Nun ein Ausflug in die schulische Leistung:
    die war so gut dass ich die 9. Klasse wiederholen musste. Das hatte aber auch einen Vorteil. In der 9. Klasse musste man bei uns für 3 tage in einem betrieb hinein schnuppern. Das erste mal war ich bei ner Butze die Radios und Fernseher repariert. Das war für mich das ganz falsche Umfeld. Beim 2. mal ergabs es sich das ich bei nem Bekannten über drei Ecken war der Grafiker war. das gefiel mir weit besser. Dann war klar das soll es werden. Beim durchstöbern der Infomaterialien des Arbeitsamtes war ich wieder unsicher. Also beschloss ich erstmal das Abitur zu machen und dann weiter zu sehen. Jedenfalls war ich motivierter für die Schule. Realschulabschluss gemacht und gut genug abgeschlossen um an einer weiterführenden Schule das Abitur zu machen. Die Noten waren ok. Für ein Design-Studium ist die Begabung sowieso wichtiger als der Notendurchschnitt.

    Heute bin ich Dipl. Designer und zeichne gar nicht mehr, weil Grafik-Design mit zeichnen eher wenig zu tun hat (das kann aber auch anders sein). Aber über das zeichnen wollen kommen halt viele zu krativen Berufen. Möglicherweise ist es ein Indiz dafür das man bereit ist sich in sowas reinzuarbeiten oder ein Anzeichen für "Begabung".

    Der Punkt ist, man muss es selbst wollen. Dann gibt es einen Weg. Ich habe auch erst im Studium begriffen was Design alles sein kann und was es meisten nicht ist (man aber bisher immer glaubte). Das interessante für mich war: zeichnen lag mir sowieso nicht so sehr. Alles andere was Design ausmacht allerdings sehr wohl. Das es dazu geführt dass ich auf dem Wege das rausgefunden hatte ist aber das entscheidende.

    Schlechte schulische Leistungen müssen nicht bedeuten das er sich nicht irgendwann doch für etwas interessiert und sich dann reinhängt.

    Viele Berufe sind am Ende ganz anders als man denkt. Design ist für mich heute etwas ganz anderes als vor dem Studium bzw. in den ersten Semestern.

    Wenn er gerne zeichnet sehe ich zumindets ein Anzeichen das da durchaus ein Potential ist, das keineswegs beim Zeichner werden enden muss sondern es kann auch ganz andere Richtungen einschlagen. Oft weiß man nur nicht in welcher Richtung man Visuelles gestalten möchte oder kann. Das kommt wenn man sieht was es über das Zeichnen hinaus noch alles gibt (so war es jedenfalsl bei mir).

    Und schlechte schulische Leistung muss einen nicht von einem Studium in dem Bereich abhalten. Aber der Ehrgeiz in diese Richtung zu gehen muss von deinem Nachwuchs kommen. Und sei es nur weil er nicht weiß was er sonst konkret machen will, wie bei mir anfangs. Das war der grund für mich erstmal Abitur zu machen und abzuwarten ob ich dann immernoch Design studieren will. Was dann definitiv der Fall war. Ich brauchte diese Zeit wohl.

  6. Hallo Swen,

    als Sohn und Vater ;-): abgesehen davon, das ich mit 16 nach der Realschule auch nichts wuste und deswegen noch Abi machte.... danach wuste ich, was ich werden will. Aber ich schafte es alleine nicht, den Sprung zu wagen und wurde doch was solides. Etwas, was meine Eltern mir indirekt vorschlugen, ich wurde, wie manchen ja bekannt, Versicherungskaufmann im väterlichen Betrieb. Das ist nicht der Beruf meiner Träume gewesen. Ja. Aber "nichts wissen" und dann in die Arbeitslosigkeit rutschen fand ich schlechter, als "nichts wissen" und am Schreibtisch Akten zu verschieben.

    Elf Jahre (oder so) später wuste ich dann, was ich machen könnte, und habe den Park-Beruf komplett aufgegeben. Ich brauchte eben noch was Zeit. Die kann man dann ruhig mit einer Ausblidung und einen von den Eltern vorgeschlagenen(!) Job füllen.

    Vorausgesetzt die Eltern haben das Kind mit genügender Stärke ausgestattet, das es dann den Absprung schaft. Aber nun ja, es soll auch glückliche 60jährige Versicherundkaufleute geben.

    Grüße,

    Chräcker

    1. Moin,

      Vorausgesetzt die Eltern haben das Kind mit genügender Stärke ausgestattet, das es dann den Absprung schaft.

      Oh ja, wie oft frage ich mich, ob ich da alles richtig mache als Vater. Wer mich kennt, weiß ja, das ich in meiner Schnelligkeit auch aufbrausend und bestimmend sein kann und dann Phasen habe, wo ich keine Meinung neben und erst recht nicht über meiner Meinung zulasse. Keine gute Eigenschaft, um Kinder selbstbewusst und stark werden zu lassen. Aber glücklicherweise hat der andere Elter dann ja oft genau da seine Stärken und gleicht das aus.

      Aber nun ja, es soll auch glückliche 60jährige Versicherundkaufleute geben.

      Wer weiß, vielleicht bist Du ja mit 60 einer :-)

      Liebe Grüße

      Swen Wacker

      1. Hallo,

        .

        Wer weiß, vielleicht bist Du ja mit 60 einer :-)

        ;-) das ist dann aber doch sehr sehr unwahrscheinlich - ich habe ja vor, weiterhin nicht zu arbeiten ;-))))))

        Chräcker

        --
        Erinnerungen?
        zu:]
      2. Hallo.

        Oh ja, wie oft frage ich mich, ob ich da alles richtig mache als Vater. Wer mich kennt, weiß ja, das ich in meiner Schnelligkeit auch aufbrausend und bestimmend sein kann und dann Phasen habe, wo ich keine Meinung neben und erst recht nicht über meiner Meinung zulasse. Keine gute Eigenschaft, um Kinder selbstbewusst und stark werden zu lassen.

        Aber ist es nicht gerade das Überwinden von Widerständen, das stärkt?
        MfG, at

        1. Moin,

          Aber ist es nicht gerade das Überwinden von Widerständen, das stärkt?

          Grundsätzlich ja; natürlich muss dazu zunächst ein Kern an Selbstvertrauen vorhanden sein, um die Überwindung zu beginnen. Nur zur Klarstellung: Ich habe auch nicht wirklich die Befürchtung, dass meine Tochter an mir scheitern wird :-) Über meine Selbstkritik schwebte das unerreichbare Erziehungsideal, den Kindern das Zuhause als befriedete Zone erleben zu lassen, damit sie dort die Kraft tanken, um anderswo Widerstände überwinden zu können.

          Viele Grüße

          Swen Wacker

          1. Hallo.

            Über meine Selbstkritik schwebte das unerreichbare Erziehungsideal, den Kindern das Zuhause als befriedete Zone erleben zu lassen, damit sie dort die Kraft tanken, um anderswo Widerstände überwinden zu können.

            Ich habe in meinem eigenen familiären Umfeld erlebt, wohin auch diese gut gemeinte "befriedete Zone" führen kann, nämlich zu einer gewissen Abschottung von der Realität. Vielleicht handelst du also letztlich sogar besser als das Ideal vorgibt. Aus meiner Sicht ist das jedenfalls nicht unwahrscheinlich. -- Dabei gibt es so viele, denen ich deine selbstkritische Haltung wünschen würde.
            MfG, at

    2. Hallo.

      als Sohn und Vater ;-):

      Und heute mal mit Button-down-Kragen -- oder Vampirbiss?
      MfG, at

  7. Tachchen!

    Vorweg:
    Ich habe natürlich auch keine Ahnung, was dein Sohn am besten machen sollte.

    Dann:
    Ich hatte ein supi Verhältnis zu meinen Eltern und hätte trotzdem jeden noch
    so guten Rat von ihnen bezüglich meiner Berufswahl als Einmischung empfunden,
    einfach weil es an dieser Stelle nun einmal um eine echte Entscheidung für's
    Leben geht.

    Also:
    Lass die konkreten Ratschläge, nutze aber deinen Erzieherstatus, um ihn zu
    jeder erdenklichen noch so lausigen Beratung zu schicken. Sowas bieten die
    Schulen oft in Kooperation mit XY an, die Berufsinformationszentren, die
    Kirchen ... usw. usf.
    Daneben werben die FHs für ihre Vorzüge, zeigen Firmen Ausbildungsmodelle,
    bei denen eine Berufsausbildung angeboten wird mit anschließender Option
    auf ein berufsbegleitendes FH-Studium und und und.

    Lass deinem Sohn die Vielfalt der Möglichkeiten aufzeigen und er wird sich
    von ganz allein in bestimmte Richtungen interessehalber vortasten.
    Aber das wird dann seine Entscheidung sein und sie wird aus einem Gefühl
    heraus gefällt werden, den richtigen Kompromiss aus Verdienstmöglicheiten
    und Interessen gewählt zu haben.

    Anschließend musst nur noch du damit klar kommen, dass er eventuell nicht
    "Zeichner" wird, sondern Goldschmied oder Tontechniker oder sowas. ;-)

    Gruß

    Die schwarze Piste

    --
    ie:{ fl:( br:^ va:) ls:# fo:) rl:( n4:& ss:{ de:] js:| ch:? mo:) zu:$
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  8. Da bin ich wieder. Anstatt auf jeden einzelnen Beitrag zu antworten, erledige ich das mal lieber in einem Rutsch:

    Besten Dank Euch allen für die vielen hilfreichen Hinweise. War wirklich hochinteressant zu lesen, was dort so an Vorschlägen und Erfahrungen zusammengekommen ist.

    Ich möchte noch die Gelegenheit nutzen etwas klarzustellen, da ich zwischen und auf den Zeilen Eurer Beiträge häufig die Einschätzung vorgefunden habe, dass ich hier einen Beruf für meinen Sohn aussuchen möchte. Das soll eigentlich überhaupt nicht der Fall sein.

    Vielleicht treibt mich die wachsende Sorge dazu, die Dinge etwas forsch zu formulieren. Grundsätzlich bin ich aber schon der Auffassung, das Thema Berufswahl bzw. weiterführende Ausbildung voll und ganz meinem Sohn zu überlassen. Nur wenn er selbst mich schon fragt, was er mit seiner Zukunft anfangen könnte, sind ja zumindest ein paar geistreiche Vorschläge meinerseits sinnvoll.

    Ich werde ihm wohl mal ein paar Tipps geben, wo man überall Hilfestellung und Beratung erhält. So können ihm andere seine Möglichkeiten aufzeigen und ich laufe nicht Gefahr, zu viel Einfluss auszuüben.

    Nochmals besten Dank Euch allen
    Humbert

    1. Hi !

      Also, als ich in einem Schuljahr so mies war, daß ich die Probezeit an Weihnachten nicht überstanden hätte, hat mir mein Vater gesagt:"Wenn Du es schaffst, dann bekommst Du Ende des Jahres 100,-- DM".

      Weißt Du, wie ich da gelernt habe? :-))

      Vielleicht klappt das bei Deinem Sohn auch. Einfach etwas Motivation. Nein, ich meine nicht, Dinge wegnehmen und wenn er etwas erreicht hat, ihm das Ding wieder geben, sondern vernünftig.

      Gruß

      Hans

      1. Vielleicht klappt das bei Deinem Sohn auch. Einfach etwas Motivation. Nein, ich meine nicht, Dinge wegnehmen und wenn er etwas erreicht hat, ihm das Ding wieder geben, sondern vernünftig.

        Hihi, wenn Du wüsstest...;-)

        Der Kerl hat inzwischen schon die absolute Vollausstattung in seinem Zimmer und vermutlich mehr Kohle als ich. Wir hatten solche Regelungen schon zu genüge (Geld für vernünftige Noten etc.), und wenn ich vor einem Schaufenster stehend in seinen Augen etwas blitzen sah, hab ichs ihm meist gekauft (Modellbausätze, Chemie- Physik und Elektrobaukästen, Mal-Utensilien und und und). Ich bin ja über jedes Anzeichen von Begeisterung dankbar und lasse ihn - sofern möglich - alles ausprobieren. Meistens allerdings ist wenig draus geworden: halbfertige Modelle, Chemiekasten weggesprengt, Physikkasten der Schwerkraft zum Opfer gefallen oder das Elektrozeugs gewinnbringend an Freunde vertickt (auch ne Fähigkeit ;-)). Nun gut, Versuch macht klug...

        Mit 16 denke ich aber auch, muss die Zeit der Incentives langsam vorbei sein. Da entsteht sonst der Eindrück er würde das alles nur für die Eltern machen. Ich will hingegen mehr auf Eigenverantwortung setzen. In dem Alter muss doch so allmählich die Einsicht einkehren, dass er sein Leben früher oder später selbst auf die Reihe bekommen muss. Das ist eigentlich mein Hauptanliegen: Selbständigkeit. Er hat ja alle Freiheiten und kann sich meiner Unterstützung sicher sein, völlig egal welchen Weg er einschlägt...Hauptsache er schlägt überhaupt irgendeinen Weg ein.

        Cheers
        Humbert

        1. Hi !

          Der Kerl hat inzwischen schon die absolute Vollausstattung in seinem Zimmer und vermutlich mehr Kohle als ich. Wir hatten solche Regelungen schon zu genüge (Geld für vernünftige Noten etc.), und wenn ich vor einem Schaufenster stehend in seinen Augen etwas blitzen sah, hab ichs ihm meist gekauft (Modellbausätze, Chemie- Physik und Elektrobaukästen, Mal-Utensilien und und und).

          Ich glaube, das ist das normale Vorgehen bei Eltern, die per "try & error" herausfinden wollen, wo zum Teufel die eine einzige, winzig kleine Begabung ist, die doch jeder Mensch haben muß. ;-)

          Bei mir war es so, daß ich meinen ersten Computer zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Ein Weihnachten später das Diskettenlaufwerk (da beides zusammen zu teuer gewesen wäre). Für den nächsten Computer habe ich meinen ersten verkauft und Geld vom Konto abheben müssen, um ihn zu bezahlen ("Hmm, ob der neue Computer das Geld wert ist?" dachte ich mir da immer. "Hat schon lange gebraucht, um soviel Geld zu sparen"). Für meinen dritten Computer habe ich in einer Fabrik am Fließband gearbeitet und die Tage gezählt. Jeden Morgen sagte ich mir "noch 7 Tage.....noch 6 Tage.....bis ich nicht mehr arbeiten muß und die Kohle hab'" und konnte es kaum erwarten. Natürlich mußte ich auch den zweiten dafür verkaufen und zusätzlich Geld auftreiben. Aber es hat sich gelohnt. Für meinen PC habe ich BaFöG gespart etc.

          Somit wuchs immer mehr in mir der Gedanke, irgendwann mit wenig/keiner Arbeit zumindest die Grundversorgung (naja, je mehr Geld man verdient, desto höher die "Grundversorgung") zu bezahlen.

          So, vielleicht hilft euch beiden das etwas weiter !

          Gruß

          Hans

          1. Hallo.

            Bei mir war es so, daß ich meinen ersten Computer zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Ein Weihnachten später das Diskettenlaufwerk (da beides zusammen zu teuer gewesen wäre).

            Immerhin waren sie so gut beraten, die richtige Reihenfolge einzuhalten.
            MfG, at

        2. Der Kerl hat inzwischen schon die absolute Vollausstattung in seinem Zimmer und vermutlich mehr Kohle als ich.

          Vielleicht ist genau das das Problem: wenn Papi alles besorgt, muß er doch selbst gar keine Initiative entwickeln und sich keine Gedanken machen. Ich hatte mal so einen Nachhilfeschüler - der konnte sich als Zukunft nur vorstellen, die Frisörkette seiner Eltern zu erben. Wie erbärmlich. Im Orchester habe ich auch mal neben so einer Pfeife gesessen. Der hat auch immer alles gehabt, aber voll scheiße gespielt. Und es war dem auch egal: Papi hat eh den Unterricht und ein teures Instrument bezahlt, der Typ hatte einen EIGENEN Hobbykeller mit der schon von Dir beschriebenen Vollausstattung und war einfach nur doof. Wenn man ihm gesagt hat, daß er schief spielt und diesen oder jenen Lauf doch bitte mal üben möge, hat er das kackfrech nochmal genauso schief gespielt und meinte: "is doch gut so...". Dem war einfach alles scheißegal - zum reinschlagen irgendwie ;-)

          Vielleicht braucht Dein Sohn einfach mal ein paar glasklare Bedingungen. Naja, von außen ist es natürlich leicht zu urteilen ;-)