Moin!
Bei letztgenannter Variante habe ich die Befürchtung, dass es dann sinngemäß in etwa so gelesen wird: "Jetzt war die zich Jahre in dem Laden und ist trotzdem nix geworden, die kann ja nichts taugen.".
Wenn außer der Anwesenheitsbescheinigung in deinem Zeugnis nichts drinsteht, ist dieser Eindruck sowohl mit der einen, als auch mit der anderen Variante gegeben. Personalmenschen sind ja nicht komplett blöd, die sehen ja allein aufgrund deines Lebenslaufs, dass du drei + zwei = fünf Jahre bei der Firma warst.
Man kann sich für beide Varianten Szenarien ausdenken, bei denen die gewählte Lösung dumm ist und die jeweils andere Lösung schlauer gewesen wäre. Entscheidend ist in meinen Augen aber nicht, was diesen Punkt des Zeugnisses angeht, sondern erstens was ansonsten über dich drinsteht und zweitens was du dort überhaupt gearbeitet hast und wie das in Beziehung zu deinem Studium steht.
Aber alleine die Tatsache, dass du aus heutiger Sicht unmöglich ein qualifiziertes Zeugnis für einen Zeitraum kriegen kannst, der zwei Jahre zurückliegt und NICHT durch danach eingetretene Eindrücke beeinflusst ist, verbietet eigentlich die Lösung mit zwei Zeugnissen. Denn das erste Zeugnis könnte ja bestenfalls ein Zwischenzeugnis sein, das zweite Zeugnis würde sowieso den Gesamtzeitraum umfassen.
Ich fasse zusammen:
1. Du kannst heute inhaltlich kein Zeugnis von damals erwarten.
2. Zwei Zeugnisse, inhaltlich von heute, die einander beinhalten, sind nicht aussagekräftiger als nur ein Zeugnis.
3. Bewerbungsunterlagen sind ohnehin nicht zu dick zu machen.
Egal wie du es machst - du kannst immer auf Personalmenschen treffen, die genau das, was du produziert hast, aus eigener Anschauung heraus blöd finden und dich aussortieren. Nicht nur wegen der Zeugnisse, sondern oft aus viel banaleren und subjektiveren Gründen, von der Schriftart im Anschreiben über die Wahl der Briefmarke, den obligatorischen Tippfehlern, neuer oder alter Rechtschreibung, etc. - einfach nur, um den riesigen Berg von hundert Bewerbungen zu sieben, um sich am Ende nur mit zehn Bewerbern intensiver befassen zu müssen. Es gibt z.B. Personaler, die verteilen alle erhaltenen Bewerbungen wild auf dem Boden und picken sich dann, rein nach subjektiven Gesichtspunkten, irgendwelche Bewerbungen raus, und der Rest kommt beiseite.
Wie willst du, unwissend was für ein Typ Personalmensch die Bewerbung erhält, dich darauf vorbereiten?
Sorge dafür, dass dein Zeugnis deine Tätigkeit gut beschreibt und dein Arbeits- und Sozialverhalten in ein positives Licht rückt (zu positiv kann auch wieder schädlich sein, niemand ist perfekt). Und das sollte dann vollkommen ausreichen.
- Sven Rautenberg
"Love your nation - respect the others."