Der Martin: Betrüger-Seite nachbarschaftspost.com

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Hallo,

eben erhielt ich einen netten "anonymen" Anruf - anonym in dem Sinn, dass der Anrufer seine Telefonnummer nicht übermitteln lässt.

Ich hatte nach dem Abnehmen des Hörers gar nicht erst Gelegenheit, mich zu melden, da quasselte mich auch schon eine männliche Automatenstimme voll:

| Guten Tag. Einer Ihrer Nachbarn hat bei uns eine Mitteilung für Sie
 | hinterlegt. Sie können die Nachricht abrufen, wenn Sie sich auf unserem
 | Internetportal einloggen und Ihren Nachrichtencode eingeben.
 |
 | www.nachbarschaftspost.com
 | Code: 663
 |
 | Ich wiederhole:
 |
 | www.nachbarschaftspost.com
 | Code: 663
 |
 | Ich wiederhole: ...

Ich war gerade gut gelaunt und habe mich bemüht, den Anrufautomaten möglichst lange hinzuhalten, um dem Quälgeisterverein möglichst lange die Ressourcen zu belegen, aber nach ungefähr einem Dutzend Wiederholungen wurde die Verbindung getrennt.

So, nun war nich neugierig. Die Webpräsenz nachbarschaftspost.com wird bei http://www.ip69.de/ gehostet und lässt den Domain-Inhaber verschleiern (alle Angaben lauten auf MCMS "Whois Protection Service Belize" Limited). Das Impressum auf http://www.nachbarschaftspost.com/impressum.html gibt an, dass die Seite von einem auf den British Virgin Islands ansässigen Unternehmen betrieben wird.

Ich war noch neugieriger. Um die angebliche Nachricht abrufen zu können, muss man sich bei diesem Dienst erst anmelden. Pflichtangaben sind dazu wohl Vor- und Nachname, Telefonnummer und eine Mailadresse. Da bin ich ja sehr einfallsreich; eine Anmeldung mit erfundenen (aber plausiblen) Daten wird aber nicht akzeptiert - stattdessen lande ich auf einer Seite, die mir mitteilt, es gebe ein Problem mit dem Account, aber ich könne meine Mitteilung trotzdem abrufen, wenn ich meine Daten vollständig angebe. Jetzt wollen sie plötzlich auch noch die Postanschrift und das Geburtsdatum.
Ich hab's mit etlichen erfundenen Datensätzen probiert, eine Anmeldung gelingt mir nicht. Mit realen Daten will ich nicht.

Was meint ihr zu diesem Angebot? Der einzige Zweck ist doch wohl, Adressen zum Weiterverkauf an Werbeagenturen zu sammeln, oder? Das Werbeeinverständnis, das automatisch vorausgesetzt wird, ist ja sowieso der Hammer.

Ironie des Schicksals: In den AGB wird irrtümlich anstatt der .com-Domain an einer Stelle auf http://www.nachbarschaftspost.net/agb.html verwiesen. Die angeforderte Ressource gibt es zwar nicht, dafür landet man im Root von http://www.nachbarschaftspost.net/, einer Seite, die über die betrügerische Masche des fast gleichnamigen Portals aufklärt.
Und wie so oft: Man hat nichts in der Hand, um den Dreckschweinen das Handwerk zu legen. Aber ich werde den Hoster mal anschreiben, vielleicht können die ja was unternehmen. Okay, dann suchen sich die Betrüger einen neuen Hoster und machen woanders weiter ... :-(

Irgendjemand von euch schon Erfahrung mit diesem oder einem ähnlichen Veranstalter?

Schönen Abend noch,
 Martin

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Ich bin im Prüfungsstress, ich darf Scheiße sagen.
  (Hopsel)