Tom: Mindestlohn für die Weiterbildungsbranche

Hello,

vor ein paar Tagen ging durch die Medien, dass es nun auch für die Weiterbildungsbranche einen Mindestlohn geben soll. Ich suche nun schon, seitdem ich das vernommen habe, ob es auch irgendwelche Zahlen dafür gibt.

Hat hier jemand schon irgendwelche Zahlen gefunden dazu?

Hintergrund:
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Es ist ja leider inzwischen üblich, dass irgendwelche Gesellschaften sich erst einmal die Aufträge einverleiben und dann gegen ca. 15,- bis 18,- Euro/Einheit von freien Mitarbeitern abarbeiten lassen.

Da man aber selten am Ort wohnt, als freier Dozent auch Krankenkasse, Sozialversicherungen, Dozentenversicherung und eigene Weiterbildung in voller Höhe davon bezahlen muss, bleiben selten mehr als 10,- Euro die Stunde (brutto vor Steuern) übrig. Oft sind es sogar unter 5,- Euro, da ja auch ein eigenes Büro zuhause, Geräte, Programme, Lehrmaterial, Leerlaufzeiten usw. noch anfallen.

Spesen werden selten erstattet, obwohl das in jedem anderen Beruf üblich ist.

Darüberhinaus passiert es dann leider auch immer wieder, dass die Auftraggeber gar nicht oder erst sehr verspätet bezahlen.

Ich würde gerne etwas dagegen tun. Ideen wären z.B. die Gründung einer Factoring-Gesellschaft (e.G.) der freien Dozenten, die dann nach und nach auch eine bessere Bindung der Dozenten untereinander bewirken kann und vor allem eine gemeinsame Rechtsvertretung bilden kann.

Zusätzlicher Vorteil wäre eine Versicherungswirkung gegen Forderungsausfälle und bessere Kontrolle der Schwarzen Schafe (auf beiden Seiten).

Wie würdet Ihr (wenn ihr zu denjenigen gehört, die ebenfalls in diesem Metier tätig sind) die Chancen für eine solche Genossenschaft einschätzen?

Liebe Grüße aus dem schönen Oberharz

Tom vom Berg

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Nur selber lernen macht schlau
http://bergpost.annerschbarrich.de
  1. Hi, Tom1

    Wie würdet Ihr (wenn ihr zu denjenigen gehört, die ebenfalls in diesem Metier tätig sind) die Chancen für eine solche Genossenschaft einschätzen?

    Auch wenn ich mich nicht mehr zu diesem Metier zählen darf/muss, kann ich dazu eine relativ realitätsnahe Einschätzung geben: die Mehrheit der Kunden, die einen Dozenten engagieren, werden in eine von zwei Kategorien fallen:

    Kategorie A: der Kunde weiß, was und vor allem, wen er will. Der Vortrag wird mit dem Namen des Dozenten beworben und der Kunde ist bereit, dafür einen fairen Preis zu zahlen.

    Kategorie B: dem Kunden reicht es, wenn irgendwer die Informationen halbwegs überzeugend abliefert und ist bereit, dafür den günstigsten Dozenten (und dessen Schwächen in Kauf) zu nehmen.

    Da die Kategorie B in der Regel überwiegen wird, schneidet sich jeder freischaffende Dozent, der nicht berühmt ist und somit ausreichend Aufträge aus der Kategorie A bekommt, zunächst ins eigene Fleisch, wenn er sich einer derartigen Genossenschaft anschließt.

    Dass derlei Investition von Zeit und Geld langfristige Früchte tragen wird, kannst Du noch so überzeugend darlegen - gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise wirst Du damit dennoch wenig Erfolg haben.

    Gruß, LX

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    RFC 1925, Satz 3: Mit ausreichendem Schub fliegen Schweine wunderbar. (...)