Hallo,
auf einer Massenveranstaltung war eine Geldkarte Pflicht für Essen und Getränke, möchte kurz berichten und eure Meinung dazu hören. Seit Jahren versuchen die Banken mit wenig Erfolg, die Geldkarte einzuführen. Auch ich kann den Vorteil nicht sehen. Wie z.B. könnte ich meinen Kindern Taschengeld geben? Wie kann ich der Karte ansehen, was sie wert ist?
als Nutzer sehe ich auch keinen wirklichen Vorteil. Gut, das Bezahlen wird hier und da vielleicht etwas einfacher, weil ich nicht mit Münzen hantieren muss und den Betrag immer "passend" habe. Aber ehrlich gesagt wiegt das für mich auch die Nachteile dieser Geldkarte nicht auf.
Dass ich die Geldkarte regelmäßig "nachladen" muss, will ich noch gar nicht als Nachteil anführen, denn das muss ich beim Bargeld auch. Aber bei der Geldkarte fehlt mir einfach die Möglichkeit, jederzeit zu sehen, wieviel ivh noch habe, ich muss also beim Bezahlen jedesmal auf den Restbetrag achten. Beim Bargeld in meinem Portemonnaie *sehe* ich, wie es schwindet und kann auch zuhause mal eben nachsehen, wieviel noch drin ist.
Ein zusätzlicher Makel ist die Tatsache, dass man als Kunde wieder ein Stückchen transparenter wird. Ich weiß nicht, ob Zahlungen mit der Geldkarte tatsächlich zentral erfasst werden wie bei ec- oder Kreditkarten, aber zumindest ist es möglich. Und schon wissen irgendwelche Profiler bei den Banken nicht nur, wann ich wo Geld abgehoben habe, welche Hotels ich besuche oder wo ich getankt habe - sie wissen auch, bei welchem Bäcker ich meine Frühstücksbrötchen kaufe, an welchem Kiosk ich meine Zeitung hole oder wo ich meine regelmäßigen Lebensmitteleinkäufe mache. Muss das wirklich sein?
In der Ankündigung zur Veranstaltung liest sich das so:
"justpay ist ein bargeldloses und zukunftsorientiertes e-Payment-System - speziell konzipiert für den Einsatz bei Großveranstaltungen. justpay bedeute kürzere Schlangen an Getränke- und Verpflegungsstationen und dadurch kürzere Wartezeiten. An den Kiosken und Verpflegungsstationen bezahlen Sie einfach und bequem durch Auflegen der Karte auf den bereitstehenden Kartenlesern."
Das hört sich eigentlich gut an. Positiv ist, dass man da, wo Speisen und Getränke ausgegeben werden, nicht noch mit Bargeld jonglieren muss. Ich fand es zum Beispiel gar nicht lustig, als ich neulich in einem kleinen Selbstvedienungslokal an der Kasse zahlte, und die Dame hat versehentlich 10ct Wechselgeld in meine Bratensoße auf dem Teller versenkt.
Dutzende von Mitarbeitern haben die Karte aus ihrem Bauchladen für 10 € verkauft. 8 € Wert plus 2 € Pfand. Beim Kauf von Essen/Getränken wurde die Karte in eine Schale gelegt, ausgelesen und der neue Betrag gespeichert. Dies geschah nicht berührungslos, denn die Karte berührte die Schale.
Die Transponder-Chips, die da verwendet werden, arbeiten aber durchaus berührungslos. Man braucht die Karte nur ein paar Zentimeter über oder neben das Lesegerät zu halten. Dass man sie in eine markierte Schale legt, ist nicht unbedingt nötig, vereinfacht den Vorgang aber ein wenig.
Aha, das ist das Prinzip. Kontrolle über die Umsätze der einzelnen Gäste, der einzelnen Stände und 2 € pro Gast verdient.
In deinem Beispiel würde ich nicht einmal von "Kontrolle der Umsätze der einzelnen Gäste" sprechen, denn die Karten wurden ja anonym ausgegeben; außerdem ist der Nennwert von 8EUR zu gering, um das Konsumverhalten zu beurteilen. Aber der Ansatz ist schon klar.
Die sinnvolle Alternative, das Gesamtguthaben zu verbrauchen und die wertlose Karte dann am Getränkestand zu lassen, gab es nicht.
Und wenn: Dann hätte man dem Veranstalter wieder 2EUR geschenkt.
Ich meine: Wieder ein Beweis, dass die Dinger nicht praxistauglich sind.
ACK.
Schönen Tag noch,
Martin
--
Eine Neandertaler-Sippe sitzt in ihrer kalten Höhle. Seufzt der Stammesälteste: "Hoffentlich erfindet bald jemand das Feuer!"