Hallo Molily,
Es entstehen Spezifikationen, Sprachen und APIs, auf die sich die Hersteller mehr oder weniger formell oder informell geeinigt haben. Zu 90% lief das so, dass ein Browser sie erfunden hat und die anderen gezwungen waren, sie durch Reverse-Engineering nachzubauen, wenn sie die ungefähre Stoßrichtung nützlich fanden. Jetzt werden diese standardisiert. Nicht, weil sie unbedingt toll sind, sondern weil sie sich in der Praxis durchgesetzt haben. Weil ein Browserhersteller Fakten geschaffen hat und andere nachziehen mussten.
Es hat sich aber gezeigt, dass es anders offenbar nicht wirklich geht. Wenn das Prozedere der Standardisierung nicht von konkreten, an Alltagsproblemen orientierten Interessen geleitet wird, sondern von einem perfektionistischen Ewigkeitsanspruch, dann wird der Standard 1. nie fertig und 2. nicht alltagstauglich.
Ich bin auch kein Freund davon, wenn Standards letztlich nur "Industriestandards" sind und keine Standards, die ohne Schielen nach links oder rechts der menschlichen Weitsicht entspringen. Aber lieber ein halbwegs vernünftiger Industriestandard, als gar keiner.
Im übrigen glaube ich auch nicht, dass HTML 5 total naiv und falsch wahrgenommen wird. Gut, das könnte sich ändern durch Marketing-Aussagen wie "Google Wave is a HTML 5 aspplication". Doch momentan sehe ich durchaus ernste Bemühungen, die Möglichkeiten von HTML 5 zu verstehen und auszuloten. Ein gutes Beispiel dafür ist der Dr.Web-Artikel JavaScript animiertes Säulendiagramm mit HTML-Canvas.
viele Grüße
Stefan Münz