Alexander (HH): Datenarchivierung wie?

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Moin Moin!

Man kommt mit relativ billigen Platten aus, die nicht extrem hochgezüchtet und damit fehleranfällig sein müssen.

Nach welchen Kriterien wählst du denn Festplatten aus, um möglichst zuverlässige zu erhalten?

Wer sagt denn, das ich besonders zuverlässige Platten kaufe? ;-)

Ich kaufe eben nicht State-of-the-Art, mit der jeweils neuesten, maximal ausgereizten Technik und maximaler Kapazität, sondern die nächstältere Generation, die auch schon eine Weile auf dem Markt ist. Besonders fehleranfällige Platten sind da bereits bekannt und teilweise auch schon wieder vom Markt verschwunden. Außerdem erspart mir das den "newest and greatest"-Preisaufschlag, und auch Inkompatibilitäten aufgrund veränderter Technik (LBA, LBA-48, 4K-Sektoren, ...).

Als ich vor etlichen Jahren meinen ersten ernsthaften Homeserver aufgebaut habe, habe ich mir einen Satz aus fünf identischen 400 GByte-IDE-Platten gekauft, zu dem Zeitpunkt waren 500 GByte IDE das Maximum. Ich habe das billigste Modell vom billigsten Händler gekauft, vier Platten verbaut und die fünfte als Cold Spare ins Regal gelegt. Diese Platten sind über mehr als fünf Jahre absolut problemlos gelaufen, bis ich den Server letztes Jahr ausgemustert habe. Die Cold Spare, die ich zum Schluß gelegentlich mal für ein "schnelles Backup zwischendurch" mißbraucht habe, und die kaum auf 100 Betriebsstunden kam, dient jetzt bei meinem Vater in einem alten Rechner. Die anderen vier Platten warten noch auf einen neuen Job.

Mein aktueller Server hat ab Werk vier SATA-Wechselrahmen und kam mit 2x 1 TByte von WD bestückt. Dazu habe ich eine relativ alte 1 TByte Hitachi gepackt, die bisher dem alten Server als Backup in einem USB-Gehäuse diente, und schließlich noch eine neue externe Seagate 1 TByte aus ihrem Plastiksarg befreit (die war billiger als die billigste "nackte" 1 TByte-Platte) und in einen Wechselrahmen transplantiert. Als Backup dient eine 2 TByte Hitachi in einem separat gekauften E-SATA-Gehäuse.

Wenn ich so eine Konstruktion meinem Chef für den Einsatz in der Firma vorschlagen würde, würde der mich wahrscheinlich zum Drogentest schicken. Oder mir die Füße küssen. ;-)

Aber im Ernst: Vier Platten von drei verschiedenen Herstellern und mit unterschiedlichem Alter sorgen für sehr unterschiedliche Ausfallwahrscheinlichkeiten. Insgesamt dürfte das Risiko etwas höher sein als bei einem 4er-Satz nagelneuer Platten, aber die Wahrscheinlichkeit für einen simultanen Ausfall zweier Platten dürfte geringer sein als bei einem 4er-Satz.

Auf den Platten gibt es zwei verschiedene, völlig unabhängige RAIDs (dank Software-RAID, mit Hardware-RAIDs ist das meistens nicht möglich). Boot/Root liegt auf einem RAID-1 aus vier Platten, überlebt also sogar den Ausfall von drei Platten. Boot/Root ist nicht sonderlich groß, der Verschnitt stört also nicht sonderlich. Die Daten-Partition liegt auf einem RAID-5, überlebt also einen Plattenausfall. Fällt eine Platte aus, setze ich irgendeine neue SATA-Platte mit 1 TByte ein, lege die drei notwendigen Partitionen an (Boot/Root, Swap, Daten) und starte die Array-Rekonstruktion. Zwei oder drei Stunden später ist das Array dann wiederhergestellt.

Den Ausfall merke ich an einer Benachrichtigungsmail, roten LEDs auf der Server-Front, und schlimmstenfalls an einer Totalverweigerung des Servers.

Sollte der gesamte Server ausfallen, habe ich immer noch die Backup-Platte, auf der der gesamte Server-Inhalt gesichert wird. Zusammen mit einer Installations-DVD (im Regal, kann ich mir notfalls von rund 100 Servern im Netz runterladen und neu brennen) kann ich die Daten auf komplett neuer Hardware wiederherstellen. Das dauert nach meinen Erfahrungen mit der Datenmigration vom alten auf den neuen Server etwa einen Tag.

Selbst das Szenario ist noch akzeptabel. Noch ist der neue Server sogar noch neu zu kaufen, ich hätte also die Möglichkeit, den Server auf identischer Hardware neu aufzubauen. Das erspart etwas Feinuning nach dem Restore vom Backup.

Wie Du siehst, ist die Zuverlässigkeit einer einzelnen Festplatte für mich nicht sonderlich relevant. Wenn mir natürlich alle zwei Monate eine Festplatte abrauchen würde, wäre ich reichlich genervt. Passiert das einmal alle zwei oder drei Jahre, ist das nicht weiter schlimm. In den letzten sechs Jahren hatte ich mehrere kleine und einen größeren Zwischenfall, die kleineren wegen mangelhafter SCSI-Adapter, den größeren wegen einem defekten IDE-Controller. Kein einziger Zwischenfall war auf eine defekte Platte zurückzuführen.

Alexander

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Today I will gladly share my knowledge and experience, for there are no sweeter words than "I told you so".