Karl Heinz: Fritzbox auf IPv6 umstellen - macht das Sinn?

Hallo,

bezogen auf meine Fritzbox 7490 gibt es unter dem Punkt "Internet ==> Zugangsdaten ==> IPv6" die Möglichkeit auf IPv6 IP-Adressen umzustellen.

Ich frage mich gerade welchen Sinn das haben könnte. Aus welchem Grund sollte man schon jetzt mit IPv6 Adressen arbeiten?

Ich sehe da aktuell keine Vorteile. Es gibt aber sicherlich Vorteile sonst würde diese Einstellmöglichkeit in der Fritzbox ja garnicht existieren.

Akzeptierte Antworten zum Thema:

  1. Hallo

    bezogen auf meine Fritzbox 7490 gibt es unter dem Punkt "Internet ==> Zugangsdaten ==> IPv6" die Möglichkeit auf IPv6 IP-Adressen umzustellen.

    Ich frage mich gerade welchen Sinn das haben könnte. Aus welchem Grund sollte man schon jetzt mit IPv6 Adressen arbeiten?

    Zum Beispiel, weil man einen Internetzugang hat, bei dem man vom Provider eine IPv6-Adresse bzw. einen Präfix bezieht? Wenn nicht gleichzeitig eine IPv4-Adresse vergeben wird, bleibt einem garnichts anderes übrig, als IPv6 zu aktivieren. Vielleicht möchte man auch IPv6 benutzen, weil es Vorteile gegenüber IPv4 hat oder weil im IPv6-Netz nicht so viel Traffic läuft.

    Ich sehe da aktuell keine Vorteile. Es gibt aber sicherlich Vorteile sonst würde diese Einstellmöglichkeit in der Fritzbox ja garnicht existieren.

    Sie existiert, abseits aller Vorteile, schon alleine deshalb, weil es Anschlüsse gibt, an denen nur IPv6-Adressen vergeben werden.

    Tschö, Auge

    -- Wo wir Mängel selbst aufdecken, kann sich kein Gegner einnisten.
    Wolfgang Schneidewind *prust*
    1. Hallo und guten Tag,

      [...] weil es Vorteile gegenüber IPv4 hat oder weil im IPv6-Netz nicht so viel Traffic läuft.

      Das würde mich jetzt mal interessieren: Gibt es für IPv6 ein eigenes Netz?

      Und da die Abfragen nach Neighbors vorher im IPv4-Netz eher anders gehandhabt worden sind, möchte ich das mit dem verminderten Traffic ebenfalls bezweifeln.

      Solange eine freie Version von IPv6-NAT nicht sicher funktioniert, werde ich sicherlich noch die Finger davon lassen, es sei denn, ich will meine Nachbarschaft ausforschen und (unerlaubtes) Logging betreiben.

      IPv6-Privacy funktioniert nämlich auch noch nicht zuverlässig!

      Und das schreibt Euch jemand, der sich intensiv mit Freifunk, also auch zwangsläufig mit IPv6 beschäftigt ohoh

      Grüße
      TS

      http://freifunk-oberharz.de

      -- es wachse der Freifunk
      1. Hallo

        [...] weil es Vorteile gegenüber IPv4 hat oder weil im IPv6-Netz nicht so viel Traffic läuft.

        Das würde mich jetzt mal interessieren: Gibt es für IPv6 ein eingenes Netz?

        Physikalisch wohl nicht, logisch schon, da es ja ein eigener, unabhängiger Adressraum ist. Ich habe das beim schreiben wohl auch mit den verschiedenen DOCSIS-Versionen für Internet über Koax vermischt, wo die Trennung im Übertragungsnetz tatsächlich recht weitgehend ist.

        Und da die Abfragen nach Neighbors vorher im IPv4-Netz eher anders gehandhabt worden sind, möchte ich das mit dem verminderten Traffic ebenfalls bezweifeln.

        Da viele ISPs noch bevorzugt IPv4-Adressen verteilen, sollte der Traffic über IPv6 noch vergleichsweise überschaubar sein. So zumindest meine Vermutung.

        Solange eine freie Version von IPv6-NAT nicht sicher funktioniert, werde ich sicherlich noch die Finger davon lassen, es sei denn, ich will meine Nachbarschaft ausforschen und (unerlaubtes) Logging betreiben.

        Warum will man sich unaufgefordert NAT ans Bein binden? Und warum glaubst du, die Nachbarn (einfacher als mit IPv4) ausforschen zu können?

        IPv6-Privacy funktioniert nämlich auch noch nicht zuverlässig!

        Ich bitte um Details.

        Tschö, Auge

        -- Wo wir Mängel selbst aufdecken, kann sich kein Gegner einnisten.
        Wolfgang Schneidewind *prust*
        1. Hi,

          Das würde mich jetzt mal interessieren: Gibt es für IPv6 ein eingenes Netz?

          Physikalisch wohl nicht, logisch schon, da es ja ein eigener, unabhängiger Adressraum ist.

          das schon, aber solange beide Protokolle über dasselbe physische Netz genutzt werden, addiert sich der Traffic, d.h. die verfügbare Bandbreite teilt sich auf IPv4 und IPv6 auf. Das ist so wie früher, als man in manchen lokalen Netzen noch Novell IPX/SPX und Microsoft NetBIOS parallel fuhr: Solange beide Protokolle dasselbe Übetragungsmedium nutzen, teilen sie sich die verfügbare Bandbreite.

          Und da die Abfragen nach Neighbors vorher im IPv4-Netz eher anders gehandhabt worden sind, möchte ich das mit dem verminderten Traffic ebenfalls bezweifeln.

          Da viele ISPs noch bevorzugt IPv4-Adressen verteilen, sollte der Traffic über IPv6 noch vergleichsweise überschaubar sein. So zumindest meine Vermutung.

          Ja, aber was hilft das?

          IPv6-Privacy funktioniert nämlich auch noch nicht zuverlässig!

          Ich bitte um Details.

          Moi aussi.

          So long,
           Martin

          -- Es gibt eine Theorie, die besagt, dass das Universum augenblicklich durch etwas noch Komplizierteres und Verrücktes ersetzt wird, sobald jemand herausfindet, wie es wirklich funktioniert. Es gibt eine weitere Theorie, derzufolge das bereits geschehen ist.
          - (frei übersetzt nach Douglas Adams)
        2. IPv6-Privacy funktioniert nämlich auch noch nicht zuverlässig!

          Ich bitte um Details.

          Naja. Wenn Privacy Extensions abgeschaltet sind und ein Jailbreak oder das Rooten des Geräts notwendig ist um diese zu nutzen, dann ist sogar "funktioniert nicht" als Äußerung zulässig.

          1. Hallo

            IPv6-Privacy funktioniert nämlich auch noch nicht zuverlässig!

            Ich bitte um Details.

            Naja. Wenn Privacy Extensions abgeschaltet sind und ein Jailbreak oder das Rooten des Geräts notwendig ist um diese zu nutzen, dann ist sogar "funktioniert nicht" als Äußerung zulässig.

            In welchem OS sind die Privacy-Extensions heutzutage noch abgeschaltet? Soweit ich mich erinnere, war diverse Linux-Distributionen die letzten Betriebssysteme, bei denen sie standardmäßig aktiviert wurden. Und das ist einige Jahre her. Selbst Windows XP war um einiges früher dran.

            Die Wahrscheinlichkeit, auf ein System zu treffen, bei dem die Privacy-Extension nicht aktiviert ist (obwohl sie es sein sollte), ist mittlerweile doch als recht gering einzuschätzen, oder?

            Tschö, Auge

            PS (und edit): Zur zeitlichen Einordnung des von dir verlinkten Artikels. Dieser Artikel ist mittlerweile 5 Jahre alt.

            -- Wo wir Mängel selbst aufdecken, kann sich kein Gegner einnisten.
            Wolfgang Schneidewind *prust*
          2. Hallo und guten Morgen,

            IPv6-Privacy funktioniert nämlich auch noch nicht zuverlässig!

            Ich bitte um Details.

            Naja. Wenn Privacy Extensions abgeschaltet sind und ein Jailbreak oder das Rooten des Geräts notwendig ist um diese zu nutzen, dann ist sogar "funktioniert nicht" als Äußerung zulässig.

            Danke für den Link zum Artikel.
            Der beschreibt ja schon einige der Probleme.

            Ich finde jetzt leider die Doku nicht wieder, die beschreibt, wie man die PE per DHCP-Konfiguration ausschalten kann. Das hat mich etwas erschreckt. Dann weiß man (in mobilen Netzen) nämlich eigentlich nie, ob man nun eine wiedererkennbare IP hat oder eine per PE anonymisierte.

            Grüße
            TS

            http://freifunk-oberharz.de

            -- es wachse der Freifunk
            1. Moin!

              Ich finde jetzt leider die Doku nicht wieder, die beschreibt, wie man die PE per DHCP-Konfiguration ausschalten kann. Das hat mich etwas erschreckt. Dann weiß man (in mobilen Netzen) nämlich eigentlich nie, ob man nun eine wiedererkennbare IP hat oder eine per PE anonymisierte.

              Wenn der DHCP dir unter v4 eine fixe IP immer wieder geben will, kannst du dich genauso wenig dagegen wehren (außer dem Netzwerk fernbleiben). Und die Netzinfrastruktur könnte sogar so gebaut sein, dass diese IP entweder public ist, oder auf dem NAT-Gateway auf eine individuelle Public-IP gemappt wird. Dann siehst du 192.168.1.201 auf deinem Interface und fühlst dich sicher, und trotzdem trackt dich die Welt.

              Insofern: Wenn tatsächlich ein DHCPv6 im Netz aktiv ist und Suffixe managen will, soll er das machen. Er wird dir mutmaßlich nicht deine eigene MAC-Adresse als Suffix zuweisen, so wie das bei IPv6 initial bei der konfigurationslosen Findung der IP vorgesehen ist. Also ist davon auszugehen, dass du maximal bei Teilnahme im gleichen Netzwerk einen konstanten Suffix hast (zufällige Suffixe gingen ja auch und wären äquivalent zu PE) und damit dein Traffic längerfristig deiner Maschine zuzuordnen ist. Wenn du über andere Netze gehst, hast du wieder zufällige Suffixe.

              Grüße Sven

          3. Moin!

            IPv6-Privacy funktioniert nämlich auch noch nicht zuverlässig!

            Ich bitte um Details.

            Naja. Wenn Privacy Extensions abgeschaltet sind und ein Jailbreak oder das Rooten des Geräts notwendig ist um diese zu nutzen, dann ist sogar "funktioniert nicht" als Äußerung zulässig.

            Wer heutzutage IOS 4 oder Android 2.1 einsetzt, hat ganz andere Sicherheitsprobleme als fehlende IPv6-Privacy Extensions.

            Zumal man mit Mobilgeräten nur selten IPv6 hat - die Telefonanbieter nutzen im Mobilfunknetz nämlich immer noch private IPv4-Adressen mit Carrier-NAT, und ich habe keine Berichte gehört, dass man daran bald etwas ändern will.

            Grüße Sven

      2. Das würde mich jetzt mal interessieren: Gibt es für IPv6 ein eigenes Netz?

        Unterhalb von OSI-Level 3 nicht. Aber ab Level 3 sind die Unterschiede so groß, dass ein Verbindungsaufbau zwischen jeweils reinen IPv4 / IPv6 Geräten nicht möglich ist. Insofern kann man durchaus den Begriff "eigenes (virtuelles) Netz" gebrauchen.

        Beispiel: Internet eines beliebten deutschen Kabelanbieters, der nur IPv6-Adressen bereit stellt und dessen Teilnehmer nicht mal eben einen Heimserver (also kein Webserver, kein SSh_Server, kein VPN-Server, ...) aufsetzen können, der via IPv4 erreichbar ist, was wieder eine Vielzahl von ISP's als einzige Verbindung anbieten. Also von der weit überwiegenden Mehrheit der übrigen Anschlüsse aus nicht.

        1. Hallo und guten Morgen,

          Das würde mich jetzt mal interessieren: Gibt es für IPv6 ein eigenes Netz?

          Unterhalb von OSI-Level 3 nicht. Aber ab Level 3 sind die Unterschiede so groß, dass ein Verbindungsaufbau zwischen jeweils reinen IPv4 / IPv6 Geräten nicht möglich ist. Insofern kann man durchaus den Begriff "eigenes (virtuelles) Netz" gebrauchen.

          Beispiel: Internet eines beliebten deutschen Kabelanbieters, der nur IPv6-Adressen bereit stellt und dessen Teilnehmer nicht mal eben einen Heimserver (also kein Webserver, kein SSh_Server, kein VPN-Server, ...) aufsetzen können, der via IPv4 erreichbar ist, was wieder eine Vielzahl von ISP's als einzige Verbindung anbieten. Also von der weit überwiegenden Mehrheit der übrigen Anschlüsse aus nicht.

          Die Frage war auch eher rhethorisch gemeint.

          Warum sollte IPv6 mehr Geschwindigkeit garantieren, wenn doch dieselben Leitungen benutt werden (wie schon beschrieben), und außerdem der Overhead bei IPv6 sowieso größer ist. Denn inzwischen kommen zu Recht schon wieder die ersten Anwender mit IPv&-NAT auf, um die Annonymität ihrer Netzteilnehmer (LAN) nach außen (WAN, Internet) zu wahren.

          Grüße
          TS

          http://freifunk-oberharz.de

          -- es wachse der Freifunk
          1. Warum sollte IPv6 mehr Geschwindigkeit garantieren, wenn doch dieselben Leitungen benutt werden (wie schon beschrieben), und außerdem der Overhead bei IPv6 sowieso größer ist.

            Mit dem "garantieren" habe ich hier erhebliche Bauchschmerzen. Nur in einem Fall gehe ich davon aus, dass IPv6 im Hinblick auf die Geschwindigkeit merkliche Vorteile hat: (Ich zitiere Dich mal selbst)

            Sie existiert, abseits aller Vorteile, schon alleine deshalb, weil es Anschlüsse gibt, an denen nur IPv6-Adressen vergeben werden.

            Ein Geschwindigkeitsvorteil ergibt sich allenfalls dann, wenn ausschließlich IPv6 auf dem gesamten Kommunikationsweg verwendet wird. Ist jedoch irgendwo IPv4 dazwischen, dann muss an den Schnittstellen "ziemlich viel nachgesehen und an den Paketen gefummelt" werden (NAT, Tunneling und so weiter). Es sind dann also Operationen erforderlich, die über das sonst nur erforderliche Routen und/oder/besonders Switchen hinausgehen. Und also Zeit kosten.

            Noch ein Faktor könnten bei großen Datenmengen Jumbogramme sein (äh: werden), weil der Anteil der Nutzdaten steigt. Fraglich nur wie ein 4GB-Jumbogramm sauber oder auch nur korrigierbar durchs Netz kommen soll. Und "Echtzeit" geht damit erst recht nicht...

            Ich gehe also davon aus, dass ein Behaupten eines "Geschwindigkeitsvorteils" von IPv6 sowas wie "Werbung" ist, weil der nur unter bestimmten und "eher seltenen" Umständen zutrifft. Wir verstehen uns?

            1. Hallo

              Warum sollte IPv6 mehr Geschwindigkeit garantieren, wenn doch dieselben Leitungen benutt werden (wie schon beschrieben), und außerdem der Overhead bei IPv6 sowieso größer ist.

              Mit dem "garantieren" habe ich hier erhebliche Bauchschmerzen. Nur in einem Fall gehe ich davon aus, dass IPv6 im Hinblick auf die Geschwindigkeit merkliche Vorteile hat: (Ich zitiere Dich mal selbst)

              Sie existiert, abseits aller Vorteile, schon alleine deshalb, weil es Anschlüsse gibt, an denen nur IPv6-Adressen vergeben werden.

              Nur zur Klarstellung: Da hast du mich und nicht @TS zitiert.

              Ein Geschwindigkeitsvorteil ergibt sich allenfalls dann, wenn ausschließlich IPv6 auf dem gesamten Kommunikationsweg verwendet wird. Ist jedoch irgendwo IPv4 dazwischen, dann muss an den Schnittstellen "ziemlich viel nachgesehen und an den Paketen gefummelt" werden (NAT, Tunneling und so weiter). Es sind dann also Operationen erforderlich, die über das sonst nur erforderliche Routen und/oder/besonders Switchen hinausgehen. Und also Zeit kosten.

              Meinst du, ein Vorteil ergäbe sich wirklich nur bei ausschließlich über IPv6 geroutetem Verkehr? Kosten ein oder wenige Umformungen wirklich so viel Zeit?

              Tschö, Auge

              -- Wo wir Mängel selbst aufdecken, kann sich kein Gegner einnisten.
              Wolfgang Schneidewind *prust*
              1. Meinst du, ein Vorteil ergäbe sich wirklich nur bei ausschließlich über IPv6 geroutetem Verkehr? Kosten ein oder wenige Umformungen wirklich so viel Zeit?

                Sie kosten überhaupt Zeit. Da sich die Paketlaufzeiten in der Regel im Rahmen von wenigen (ein oder zweistellig) Millisekunden bewegen sind weitere Millisekunden da schon "eine ganze Menge Zeit". Es geht um die Frage, ob (und wann) IPv6 schneller ist bzw. sein kann.

                Im Fall von Tunneln kommt sogar noch der Umweg über den Tunnelprovider hinzu. Und der kann technisch und auch geografisch ein sehr weiter sein...

              2. Hallo und guten Tag,

                Ein Geschwindigkeitsvorteil ergibt sich allenfalls dann, wenn ausschließlich IPv6 auf dem gesamten Kommunikationsweg verwendet wird. Ist jedoch irgendwo IPv4 dazwischen, dann muss an den Schnittstellen "ziemlich viel nachgesehen und an den Paketen gefummelt" werden (NAT, Tunneling und so weiter). Es sind dann also Operationen erforderlich, die über das sonst nur erforderliche Routen und/oder/besonders Switchen hinausgehen. Und also Zeit kosten.

                Meinst du, ein Vorteil ergäbe sich wirklich nur bei ausschließlich über IPv6 geroutetem Verkehr? Kosten ein oder wenige Umformungen wirklich so viel Zeit?

                Ja, das kostet. IPv6 over IPv4 muss getunnelt werden, was wiederum meistens zur Fragmentierung führt. Und wenn das Fragment zu groß ist, wird es einfach verworfen. Der Client muss also alles nochmal senden.

                Grüße
                TS

                http://freifunk-oberharz.de

                -- es wachse der Freifunk
            2. Moin!

              Ein Geschwindigkeitsvorteil ergibt sich allenfalls dann, wenn ausschließlich IPv6 auf dem gesamten Kommunikationsweg verwendet wird. Ist jedoch irgendwo IPv4 dazwischen, dann muss an den Schnittstellen "ziemlich viel nachgesehen und an den Paketen gefummelt" werden (NAT, Tunneling und so weiter). Es sind dann also Operationen erforderlich, die über das sonst nur erforderliche Routen und/oder/besonders Switchen hinausgehen. Und also Zeit kosten.

              Das betrifft Probleme beim Versuch, von IPv4 mit IPv6 zu kommunizieren oder umgekehrt. Die Kommunikation IPv6 mit IPv6 funktioniert bestens.

              Noch ein Faktor könnten bei großen Datenmengen Jumbogramme sein (äh: werden), weil der Anteil der Nutzdaten steigt. Fraglich nur wie ein 4GB-Jumbogramm sauber oder auch nur korrigierbar durchs Netz kommen soll. Und "Echtzeit" geht damit erst recht nicht...

              Ich gehe also davon aus, dass ein Behaupten eines "Geschwindigkeitsvorteils" von IPv6 sowas wie "Werbung" ist, weil der nur unter bestimmten und "eher seltenen" Umständen zutrifft. Wir verstehen uns?

              Hab gerade mal einen http://ipv6-test.com/speedtest/ gemacht: IPv4 mit 6,12 MBit/s, IPv6 mit 25,7 MBit/s (an einem 100MBits/s Kabelanschluss mit klassischem Dual Stack, also Public IP für beide Protokolle). Der Speedtester ist allerdings grauslig lahm, zeigt keine wirkliche Leitungsbandbreite an, die 25,7 MBit/s sind eher unrealistisch.

              In der Praxis sind Geschwindigkeitsvorteile allerdings durchaus denkbar: Zum einen ist die IPv6-Hardware noch nicht so ausgelastet, zum zweiten ist sie mutmaßlich neuer, und bei IPv6 ist das Protokoll auch auf Routing optimiert worden.

              Klar, wenn die Leitung nur 1 MBit/s hinkriegt, wird es mit jedem Protokoll nicht schneller gehen als Maximum. In der Regel liegen die Geschwindigkeitsbremsen aber nicht in der Leitung der letzten Meile, sondern irgendwo in der Internet-Infrastruktur. Und mit IPv6 nimmt man an manchen Stellen eben andere Wege. Von daher ist mindestens ein Unterschied erklärbar - warum IPv6 gefühlt trotzdem immer schneller ist, weiß ich auch nicht.

              Grüße Sven

          2. Moin!

            Warum sollte IPv6 mehr Geschwindigkeit garantieren, wenn doch dieselben Leitungen benutt werden (wie schon beschrieben), und außerdem der Overhead bei IPv6 sowieso größer ist. Denn inzwischen kommen zu Recht schon wieder die ersten Anwender mit IPv&-NAT auf, um die Annonymität ihrer Netzteilnehmer (LAN) nach außen (WAN, Internet) zu wahren.

            Der Overhead bei IPv6 ist kleiner, das Routing geht schneller.

            Nur weil die IP mehr Bytes hat (vier Mal soviele), heißt das nicht, dass die Auswertung der IP auch länger dauert. Im Gegenteil entstehen Vorteile durch die klare Splittung von 64 Bit Netz und 64 Bit Client im Gegensatz zu nahezu beliebigen Netz/Client-Aufteilungen der 32 Bits von V4.

            Grüße Sven

        2. Moin!

          Das würde mich jetzt mal interessieren: Gibt es für IPv6 ein eigenes Netz?

          Unterhalb von OSI-Level 3 nicht. Aber ab Level 3 sind die Unterschiede so groß, dass ein Verbindungsaufbau zwischen jeweils reinen IPv4 / IPv6 Geräten nicht möglich ist. Insofern kann man durchaus den Begriff "eigenes (virtuelles) Netz" gebrauchen.

          Beispiel: Internet eines beliebten deutschen Kabelanbieters, der nur IPv6-Adressen bereit stellt und dessen Teilnehmer nicht mal eben einen Heimserver (also kein Webserver, kein SSh_Server, kein VPN-Server, ...) aufsetzen können, der via IPv4 erreichbar ist, was wieder eine Vielzahl von ISP's als einzige Verbindung anbieten. Also von der weit überwiegenden Mehrheit der übrigen Anschlüsse aus nicht.

          Und genau deswegen brauchen wir IPv6 überall. Diejenigen, die Server mit IPv6-Adresse nicht erreichen können, sollten ihren Provider ansprechen, wann er gedenkt, auch IPv6 anzubieten.

          Wer weiß, dass er IPv6 braucht, findet Tunnelanbieter, die durch die IPv4-Wüste hindurchleiten. Das kann aber nicht die Lösung sein.

          Grüße Sven

  2. Moin!

    bezogen auf meine Fritzbox 7490 gibt es unter dem Punkt "Internet ==> Zugangsdaten ==> IPv6" die Möglichkeit auf IPv6 IP-Adressen umzustellen.

    Ich frage mich gerade welchen Sinn das haben könnte. Aus welchem Grund sollte man schon jetzt mit IPv6 Adressen arbeiten?

    Deine Frage macht insofern keinen Sinn, als man sein Netzwerk in der Regel nicht "UMstellt", sondern IPv6 ZUSÄTZLICH konfiguriert. Du verlierst also keine IPv4-Funktionalität, sondern gewinnst IPv6 dazu.

    Ob's sinnvoll ist, bei DEINER Box IPv6 zu aktivieren, hängt von deiner Situation ab: Wenn dein Internetprovider IPv6 schon zusätzlich anbietet, würde ich es in jedem Fall benutzen wollen.

    Wenn er es nicht anbietet, wird es erstmal nur innerhalb deines eigenen Netzwerks funktionieren - beziehungsweise würdest du dir für dein lokales Netz vermutlich "nur" ein ULA-Prefix definieren und damit deinen Netzwerkgeräten ein zentral definiertes Prefix geben, anstatt dass diese sich (als unterste Stufe von IPv6) nur mit einem Link-local-Prefix austauschen.

    Sprich: Eventuell benutzt du schon IPv6, ohne es zu merken.

    Ich sehe da aktuell keine Vorteile. Es gibt aber sicherlich Vorteile sonst würde diese Einstellmöglichkeit in der Fritzbox ja garnicht existieren.

    Die Vorteilsdiskussion ist sowieso schwierig zu führen. Für den schlichten Endverbraucher, der KEINERLEI Netzwerkkenntnisse hat, sondern Internet kauft, seinen Rechnern und seine Mobilgeräte anschließt und nur ein wenig Surfen will, ist es egal, ob er IPv4 oder IPv6 benutzt - er will einfach nur die Webseiten bekommen.

    IPv6 ist in diesem Szenario kein Nachteil, und nur sehr sehr selten ein Vorteil, denn für den deutschen Markt ist IPv6-only für die Nutzer derzeit noch kein relevantes Szenario. Sprich: Alle für Deutsche interessanten Webseiten sind via IPv4 erreichbar, und Webseiten, welche nur via IPv6 erreichbar sind, sind nicht interessant (auch deshalb, weil sie von der Mehrheit der Internetnutzer mangels IPv6 nicht erreicht werden können).

    Andererseits ist die Nutzung von IPv6 durchaus ein Vorteil, denn IPv4-Infrastruktur kann durchaus mal unabhängig von IPv6 ausfallen. Dann ist der wichtigere Teil des Internets (Google, Wikipedia, Heise, Facebook?, und diverse kleinere Seiten) trotzdem noch erreichbar.

    Was die Äußerungen der forumsansässigen Paranoiker angeht: Bullshit!

    IPv6 ist nicht unsicherer, nur weil es kein NAT anbietet. NAT ist Mist. NAT ist von denjenigen, die ohne tiefere Kenntnisse ihren Router aufgesetzt haben, als Firewall missverstanden worden, und wird deshalb irrtümlich vermisst, wenn es um IPv6 geht.

    Die Sache ist total simpel: Wer sein Netzwerk via IPv6 ans Internet anschließt, braucht eine Firewall - kein NAT anstelle einer Firewall.

    Auch das Gerede über die Unwirksamkeit der Privacy-Extensions ist Unsinn. Beim alten IPv4 wurden alle Verbindungen von Rechnern, die hinter dem NAT-Router standen, auf die eine globale IP gemappt, die der Router hatte. Bei IPv6 generiert sich jeder Rechner seinen 64-Bit-IP-Suffix zufällig neu, und alle Verbindungen werden unter dem einen globalen Netzprefix gemacht, den der Router hat.

    Alles Gerede um mehr Überwachbarkeit oder Verfolgbarkeit auf IP-Ebene ist sinnlos, solange auf den höheren Protokollschichten mehr als ausreichend Möglichkeiten für genau dasselbe existiert - Stichwort Cookies (noch harmlos), Etag-Evercookies, Javascript und Flash-Schweinereien, Browser-Fingerprinting etc.

    Alle, die bezüglich IPv6 behaupten, dass es inhärent unsicher sei oder Privatsphäre im Vergleich zu IPv4 verschlechtert, sind aufgefordert, das zu belegen. Hörensagen zählt nicht, Links zu verifzierbaren Untersuchungen sind gefragt.

    Grüße Sven