Linuchs: Wer nutzt barrierefreie Seiten?

Immer wieder taucht hier im Forum die Forderung nach barrierefreien Seiten auf.

Kann mir bitte mal ein "Barrier-ter" berichten, was seine Barrieren sind?

Oder sind das nur fiktive Forderungen und Sonntagsschreiben?

Gruß, Linuchs

  1. Hallo Linuchs,

    Kann mir bitte mal ein "Barrier-ter" berichten, was seine Barrieren sind?

    Früher hatt' ich Augen wie ein L(in)uchs und amüsierte mich über die Leut'chen, die Schriftstücke mit ausgestreckter Hand lasen.

    Heute geht's mir selber so:

    • Großer Monitor mit „normalem“ Abstand → Seiten + Schrift ist zu klein und muss hochgezoomt werden. Die meisten Seiten schau' ich bei 133% Zoom an.
    • Lichtempfindlichkeit, Blendungen und Kontraste → früher kein Problem, jetzt nicht mehr so gut.

    CU

    Jonathan

    --
    "Es gibt Besserwisser, die niemals begreifen, dass man recht haben kann und trotzdem ein Idiot ist."

    Folgende Beiträge verweisen auf diesen Beitrag:

  2. Hallo

    Immer wieder taucht hier im Forum die Forderung nach barrierefreien Seiten auf.

    Kann mir bitte mal ein "Barrier-ter" berichten, was seine Barrieren sind?

    Als mit Rot-Grün-Schwäche geschlagener Mensch sind mir bestimmte Farbkombinationen ein Graus und als Mensch, der, dem linearen Verlauf der Zeit folgend, älter wird, muss ich so manche Seite zoomen, die ich früher nicht hätte zoomen müssen. Einem Bekannten fehlen zwei Finger einer Hand. Der kann mit einer Maus nichts anfangen und hat stattdessen einen Trackball. Auch wenn er dafür gut trainiert ist, ist so ein Gerät nach meiner Beobachtung nicht unbedingt für feinste Bewegungen ausgelegt. Seiten mit fitzelig kleinen Bedienelementen sind somit schlecht zu bedienen. Die Einschränkungen stark sehbehinderter und blinder Menschen sind hier ja exemplarisch immer wieder Thema. Dazu sollte ich nichts sagen müssen. Auch als Sehender sollte man sich zumindest ansatzweise vorstellen können, wo die Einschränkungen liegen könnten.

    Auch ohne schwerwiegende Behinderungen lassen sich -zig Gründe für die Nichterrichtung bzw. den Abbau von Barrieren aufführen. Daher wundert es mich schon, dass du hier mit der Fragestellung „Oder sind das nur fiktive Forderungen und Sonntagsschreiben?“ daherkommst.

    Oder sind das nur fiktive Forderungen und Sonntagsschreiben?

    Nein.

    Tschö, Auge

    --
    Wenn man ausreichende Vorsichtsmaßnahmen trifft, muss man keine Vorsichtsmaßnahmen mehr treffen.
    Toller Dampf voraus von Terry Pratchett
    1. Hallo,

      er kann mit einer Maus nichts anfangen und hat stattdessen einen Trackball. Auch wenn er dafür gut trainiert ist, ist so ein Gerät nach meiner Beobachtung nicht unbedingt für feinste Bewegungen ausgelegt.

      Ich bin vor Jahren von Maus auf Trackball umgestiegen, weil ich damit viel präziser arbeiten kann. (Maus → Arm vs. Trackball → Finger)

      Gruß
      Kalk

      1. Hallo

        er kann mit einer Maus nichts anfangen und hat stattdessen einen Trackball. Auch wenn er dafür gut trainiert ist, ist so ein Gerät nach meiner Beobachtung nicht unbedingt für feinste Bewegungen ausgelegt.

        Ich bin vor Jahren von Maus auf Trackball umgestiegen, weil ich damit viel präziser arbeiten kann. (Maus → Arm vs. Trackball → Finger)

        Mein Bekannter ist in der Hinsicht auch gut geschult, gerade im Gegensatz zu mir, der alle Jubeljahre an seinem Rechner sitzt und dann den ganzen Eingabeapparat kreuz und quer über den Tisch schiebt. :-) [1]

        Was Programmoberflächen angeht, die gut sortiert und übersichtlich sind, fegt der Achteinhalbfingerige mit dem Mauszeiger über den Bildschirm hin und her wie ein junger Gott. Dennoch kommt er immer wieder an seine Grenzen und die liegen bei ihm in fein ziselierten und/oder im Haufen auftretenden kaum unterscheidbaren Bedienelementen, z.B. eben Links und Buttons. Und das gerade dann, wenn irgendetwas eine sofortige Reaktion erfordert, wobei der Mauszeiger oft in der schnellen Bewegung übers klitzekleine Ziel hinausschießt. Dann führt der Klick schnell zum falschen Ziel.

        Sowas ist frustrierend, auch als mehr oder minder kundiger Zuschauer.

        Tschö, Auge

        --
        Wenn man ausreichende Vorsichtsmaßnahmen trifft, muss man keine Vorsichtsmaßnahmen mehr treffen.
        Toller Dampf voraus von Terry Pratchett

        1. Er „Auge, du kannst auch die Maus nehmen.“, ich „Ja, wo isse denn?“, er „Na da, rechts unter dem Monitor, wo se mich nich stört.“ :-) ↩︎

        1. Hallo,

          den ganzen Eingabeapparat kreuz und quer über den Tisch schiebt. :-)

          Soviel Platz hab ich nicht auf dem Tisch ;) Ein weiterer Vorteil des stationären Trackballgeräts…

          Gruß
          Kalk

  3. Kann mir bitte mal ein "Barrier-ter" berichten, was seine Barrieren sind?

    Orientierungslosigkeit ist mein Hauptproblem. Zudem leide ich unter Panikattacken, was das auslöst ist nicht immer klar definierbar.

    Oder sind das nur fiktive Forderungen und Sonntagsschreiben?

    Die Frage ist, inwiefern man Behinderten entgegenkommen kann. Für mich stellt jede Seite eine Barriere dar, u.a. auch Seiten deren Autoren meinen sie müssten irgendwelche Anker anspringen und ich mühsam wieder dahin scrollen muss wo ich vermeintlich hergekommen bin. Und vor Allem Seiten die lange Ladezeiten haben und Seiten die zuviele Informationen auf einmal bringen.

    Barrierefrei definiere ich Seiten bzw. Anwendungen die funktionieren und griffig navigierbar sind. Texte lese ich, da auch nur ein Mensch, von oben nach unten und ob ich unten ankomme, hängt nicht davon ab ob eine Seite als barrierefrei gilt, sondern von meiner Verfassung. Was dem entgegenkommt, sind Seiten auf denen man sich gut orientieren kann und das ist nicht unbedingt eine Frage der Technik.

    MfG

  4. @@Linuchs

    Kann mir bitte mal ein "Barrier-ter" berichten, was seine Barrieren sind?

    Da denkst du vermutlich an Blinde, motorisch stark Eingeschränkte, …? Ich glaube, solche Nutzer gibt es hier im Forum nicht. Was bedauerlich ist. Und die Frage aufwirft: Warum ist das so?

    Außerhalb des Forums fallen mir spontan ein:

    englisch:

    Oder sind das nur fiktive Forderungen und Sonntagsschreiben?

    Ganz. Und. Gar. Nicht.

    Wie Johannes schon andeutete, sind Behinderungen nicht 0 oder 100. Und mit zunehmendem Alter nehmen Seh- und Hörvermögen und Motorik ab.

    Hinreichend große Schrift ist angesagt. Für unleserlich kleine Schrift git es keine Entschuldigung.

    “Designers, especially young ones, tend to forget this, probably because most of them don’t yet need reading glasses… Small print may look fabulous to them, but for most people it doesn't work.
    “On the web, such restrictions are unnecessary. A lot of text, or very little: it makes no difference to the expense of the site. There is absolutely no excuse for using eye-damagingly small typesets.”

    —Bas Jacobs, underware.nl

    Barrierefreiheit kommt allen zugute: ausreichend Farbkontrast auch denen, auf deren Gerät helles Tageslicht scheint. (Und wer bei „Gerät“ ausschließlich an Smartphone oder Tablet denkt, denkt zu schmal.)

    Tastaturbedienbarkeit kommt auch denen zugute, die gerade ein Baby auf dem Arm haben. Oder deren Batterien in der Maus gerade mal wieder alle sind.

    LLAP 🖖

    --
    „Wer durch Wissen und Erfahrung der Klügere ist, der sollte nicht nachgeben. Und nicht aufgeben.“ —Kurt Weidemann
    1. Hallo Gunnar,

      Hinreichend große Schrift ist angesagt. Für unleserlich kleine Schrift git es keine Entschuldigung.

      Das Problem betrifft mich auch. Manchmal kommen Winz-Schriften. Wenn ich die Seite hoch-zoome, läuft der Text aus dem Rahmen, ist also so oder so nicht lesbar.

      Linuchs

      1. Hej Linuchs,

        Hinreichend große Schrift ist angesagt. Für unleserlich kleine Schrift git es keine Entschuldigung.

        Das Problem betrifft mich auch. Manchmal kommen Winz-Schriften. Wenn ich die Seite hoch-zoome, läuft der Text aus dem Rahmen, ist also so oder so nicht lesbar.

        Vielleicht hilft bei der Beantwortung deiner Frage ein Gedankenexperiment zur Definition, was eine Behinderung ist. Letztlich doch nur eine unterdurchschnittlich entwickelte Fähigkeit. Insofern sind wir alle Menschen mit Behinderungen. Denn niemand kann alles mindestens durchschnittlich gut: sehen, hören, rennen, die Luft anhalten, auf einem Bein stehen… - die Liste lässt sich beliebig verlängern.

        Nicht jede Fähigkeit, die weniger als durchschnittlich ausgebildet ist, macht unseren Alltag oder die Nutzung des Webs unbequemer oder unmöglich. So ist jemand mit einer Querschnittslähmung, der die Hände noch normal bewegen kann, von der Nutzung des Webs nicht stärker ausgeschlossen, als jeder, den wir gemeinhin als Mensch ohne Behinderung bezeichnen würden.

        Wir alle haben also Einschränkungen, wenn man als "Normalwert" vom Durchschnitt ausgeht, den prinzipbedingt nur etwa die Hälfte aller Personen erreicht.

        Jemand mit altersbedingter Schwerhörigkeit wird in der Regel nicht als Behindert empfunden und hat schon mehr Probleme bei Videos, die auf dem quäkenden, leisen eingebauten Lautsprecher eines Billig-PCs wiedergegeben werden.

        Was aber wenn wir hören wie ein Kaninchen und sehen wie ein Adler und der PC hat überhaupt keinen Lautsprecher?

        Oder der PC ist ein Handy und wir sitzen in einem bus, der durch die Allee fährt. Es schaukelt also und ruckelt und pralle Sonne und Schatten wechseln ständig. Wird schon schwierig dann eine Webseite mit kleinen Schriften und winzigen Schaltflächen zu bedienen.

        Um es kurz zu machen: Es gibt dauerhafte (angeborene oder erworbene) Einschränkungen, es gibt temporäre Einschränkungen nach einer durchzechten Nacht oder einem Unfall, die wieder verschwinden. Und es gibt situative Einschränkungen wie eine laute Werkhalle oder eine miese Arbeitsplatzausstattung in einem Internet-Café am Ende der Welt.

        Alle drei Punkte treffen auf fast jeden von uns zu.

        Deshalb: Barrierefreiheit ist ohne Ausnahme für jeden von uns! Ohne Wenn und Aber!

        Und: Menschen haben keine Behinderungen, sie sind im Vergleich zum Durchschnitt in bestimmter Hinsicht weniger leistungsfähig.

        Eine Behinderung oder Barriere muss erst gemacht werden.

        So kann Steven Hawking weitgehend selbstbestimmt am Leben teilnehmen, an Konferenzen teilnehmen und überall hin, wo er möchte. Es sei denn, jemand baut ihm eine Stufe in den Weg.

        The world is, what we designed it to be!

        Und behindert ist man nicht, behindert wird man — beispielsweise von Menschen, die Barrieren in ihre Seiten oder Stufen vor ihre Türen bauen.

        Marc

        1. Hej Linuchs,

          ich hätte es auch kürzer sagen können:

          Wer nutzt (besser braucht) barrierefreie Seiten?

          Du!

          Und die Antwort, stimmt immer, egal wer die Frage stellt!

          Marc

  5. Hej Linuchs,

    Wer nutzt barrierefreie Seiten?

    Jeder! - Wenn diese denn bereit stehen.

    Deine Frage macht also keinen Sinn. Aber ich nehme an du meinst: Wer braucht barrierefreie Webseiten?

    Die Antwort lautet: Jeder!

    Eine Barriere ist ein technisches Hindernis, das mehr oder weniger vielen Menschen die Nutzung einer Sache (z.B. einer Website) unmöglich macht oder unnötig erschwert.

    Ist die Barriere hoch genug, ist niemand mehr in der Lage, eine Website zu nutzen. Sind die Barrieren gering genug, ist fast jeder in der Lage eine Website zu nutzen.

    Marc