Moin
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Vor einiger Zeit bzw. noch immer versuchen die etablierten Gewerkschaften
ins Netz zu kommen. Haben dabei aber übersehen das hier ein ganz anderen soziales und arbeitstechnischen Umfeld ist und kommen mit Thesen die nicht zu gebrauchen sind.
Spannend, dass du das gerade heute abend hier schreibst. Ich lese heute abend gerade den Satzungentwurf der (deutschen) Gewerkschaft ver.di durch, einer vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft, die aus den bisherigen Gewerkschaften DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV die 2000/2001 entstehen soll.
Diese Gewerkschaft wird sowohl regional in Landes- und Kreisverbände als auch sektoral nach Fachbereichen gegliedert sein. Und neben vielen anderen Gruppen (Finanzdienstleistungen oder Ver- und Etnsorgung oder Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen oder ... - insgesamt sind es 13 Gruppen) gibt es auch die Gruppe "Kunst und Kultur, Medien, Druck und Papier, industrielle Dienste und Produktion" sowie die Gruppe "Telekommunikation, Informationstechnologie, Datenverarbeitung". In diesem Gruppen werden sich wohl die meisten der Berufe und Beschäftigungsverhältnisse, die ich dem Bereich "neuer Markt" zuordnen würde, wieder finden. Also auch die "Webworker".
Die Idee einer Gewerkschaft oder einer Interessenvertretung ist von daher nicht
ganz so schlecht.
Du hattest es zuvor ja schon gut beschrieben. Wenn der Hype erst mal verflogen ist, der Kater, der Alltag und seine typischen Sorgen und Nöte bewusst werden, wird die Sorge, eine starke Interessenvertretung haben zu wollen, erst bewusst. Dann ist es aber zu spät zum Handeln.
Was sind also die Möglichkeiten
eigene Interessensvertretung?
Das hört sich für mich nach Debattierklub und Fortbildungswerk an. Wohl kaum etwas was, um die von dir beschriebenen Problem und Gefahren gewältigen zu können. Ein Zahnloses Ungeheuer halt.
eigene Gewerkschaft?
Gewerkschaften sind Kampforganisationen. Sie erstreiten durch gute Argumente und das Kampfmittel Streik Rahmenbedingungen der Arbeitswelt: Gehalt (es gibt in D in der Regel kein gesetzliches Mindestgehalt), Urlaub (gesetzlich sind nur 18 Tage drin), Lohfortzahlung im Krankheitsfall (auch hier sind die tariflichen Bedingungen zumeist wesentlich besser als die gesetzlichen, zuletzt von der Regierung Kohl zusammen gestrichenen Lestungen) etc. etc.
Wer eine Gewerkschaft gründen will, dem sollte klar sein: Papiertiger werden kein starken Verhandlungspartner sein, Organisationsquoten über durchschnittlich 40 Prozent werden wohl das Mindestmaß sein, um sich überhaupt erst mal Gehör zu verschaffen (Nachher kann die Quote ruhig weniger werden: Wer erst mal im Geschäft ist, wird auch von den AG als Regulativ akzeptiert. Im Banken- oder Versicherungsbereich sind die Organisationsquoten teilweise unter der Peinlichkeitsgrenze, gleichwohl wird das Prinzip der Tarifverhandlungen auch von den AG nicht wirklich ernsthaft in Frage gestellt)
Und selbst bekannte Kleingruppen wie die Piloten-Organisation Cockpit oder die Ärzte-Organisation Marburger Bund sind schon längst nicht mehr eigenständig sonder haben enge Kooperationsmodelle mit den etblierten Gewerkschaften eingegangen, um überleben zu können.
Gwerkschaft anschließen?
Nach dem eben gesagten scheint mir das die realistische Alternative zu sein. Solange ver.di noch im werden ist, wird viel Bewegungsfreiraum sein. Den kann man nutzen.
Da Gewerkschaften aber nun mal Mitgliedorganisationen sind, sollte man bitte, Wolfgang, nicht darüber klagen, dass sie "Thesen die nicht zu gebrauchen" sind fordern, sondern einsehen, dass sie das schon deshalb nicht können, weil die, die die Bedürfnissen formulieren könnten, nicht drin sind. Die einzigen, die definieren können, was sie brauchen, sind die Webworker selbst. Wenn _sie_ nicht handeln, haben sie weder moralisch noch tatsächlich das Recht, sich über irgendwas zu beschweren.
Muß man dies so stehen lassen?
Wer, wenn nicht ihr und wann, wenn nicht jetzt?
Ihr müsst nur aufstehen.
Viele Grüße
Swen
Der weiss, was er sagt, da er über sechs Jahre aktiv auf Bundes- und Landesebene Gewerkschaftsarbeit gemacht hat.