Hallo,
"Wahre Freiheit erfährt der Mensch erst dann, wenn er das Interesse daran verliert, welchen Eindruck er erweckt"
Hmm, vielleicht versuche ich mal, das auf meine Art zu formulieren. Freiheit ist eigentlich schon eine feine Sache. Seit langer Zeit sind die Menschen vor dem Gesetzt nicht mehr so frei gewesen wie heute. Nur benötigt man, um Freiheit nutzen zu können, zwei Dinge, mit denen der Durchschnittsmensch scheinbar nicht im Übermaß gesegnet ist: Kreativität und Stärke. Wem nicht einfällt, was er anders machen könnte als all die Anderen, oder wer Angst davor hat, dann als Außenseiter verspottet zu werden, der kann auch mit der größten Freiheit nichts anfangen und ebensowenig mit Menschen, die diese Freiheit tatsächlich nutzen.
Weil niemand unendlich kreativ und unendlich stark ist, braucht aber jeder Mensch auch ein gewisses Maß an Unfreiheit. Er benötigt die Meinung anderer Menschen, um sich selbst eine Meinung zu bilden (stellvertretend auch die Medien, längst verstorbene Philosophen oder die "gottgegebenen" Ideale einer Religion). Je unkreativer und schwächer er ist, um so mehr wird er von dieser Meinung Anderer abhängig. (Man frage einmal einen der vielen "Mein Haus, Mein Auto, Mein Boot"-Zombies, wie er eigentlich zu seinem Wertesystem gekommen ist.) Freiheit benötigt man nur, um sich anders zu verhalten als der Durchschnitt. Aber genau das ist (fast) immer auch mit einem Verlust an gesellschaftlicher Akzeptanz verbunden. Ich glaube, die Frage ist heute nicht mehr, wieviel Freiheit ein Mensch hat, sondern wieviel Freiheit er zu nutzen bereit und in der Lage ist.
Gruß
Steffen