Moin!
Naja, man kann gescannte Zeugnisse genauso gut manipulieren, wie man abgetippte Zeugnisse manipulieren kann. Der Leser gewinnt also keinerlei Sicherheit, daß die angezeigten Informationen wirklich echt sind, und nicht nur vorgetäuscht.
Das möchte ich bezweifeln. Beim Abtippen können immer mal Fehler passieren, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt.
Unabsichtliche Fehler sollte man natürlich vermeiden. Das betrifft aber alles, was man produziert: Korrekturlesen und korrekturlesen _lassen_ hilft.
Beabsichtigte Fehler - naja, das ist dann schlicht Betrug oder Urkundenfälschung. Wer sich in diese Nesseln setzen möchte - bitteschön.
Ein Bewerber muß doch davon ausgehen, daß seine Angaben geprüft werden. Was ist, wenn rauskommt, daß er ein Zeugnis geschönt hat? Allein schon der mögliche Zwang, das Original vorzulegen, sollte jeden davon abhalten, bei der Webkopie "Korrekturen" einzufügen.
Von daher glaube ich schon an ein gewisses Misstrauen seitens des Arbeitgebers. Vor allem kann er auch glauben, dass schlechte Noten weggelassen wurden, was ja nciht ganz abwegig ist. Eine eingescannte Vorlage ist entweder vorsätzlich gefälscht oder nur kopiert, bei HTML kann viel manipuliert sein.
Eine Manipulation ist eine Manipulation - egal, auf welchem Medium. Also entweder glaubt der Arbeitgeber den Angaben des Bewerbers (dann ist es absolut egal, ob die als HTML-Text abgetippt, als Grafik gescannt oder als Fotokopie beigelegt werden) und vertraut auf deren Korrektheit - dann ist es vollkommen egal, wie die Daten geliefert werden.
Oder der Arbeitgeber vertraut den Angaben nicht. Dann muß er Anstrengungen unternehmen, diese zu verifizieren. Ich glaube dir zwar, daß du denkst, gewisse Medien würden scheinbar mehr Echtheit vermitteln als andere Medien, aber bei Licht betrachtet gibt es im Zeitalter der digitalen Information keinerlei Gewißheit mehr. Wenn man also davon ausgeht, daß eingescannte Zeugnisse geradezu dazu einladen, manipuliert zu werden, _weil_ sie so echt aussehen, dann sind eingescannte Zeugnisse sogar ein Nachteil.
Abgesehen davon halte ich Riesengrafiken für einen großen gestalterischen Nachteil. Es kommt auch auf das Design einer Seite an. Das ist schließlich eine Arbeitsprobe für diejenigen, die sich im Internetbereich bewerben (Und nur bei denen sehe ich wirklich einen Sinn darin, sich per eigener Homepage zu bewerben. Alle anderen werden sich um die Gestaltung wahrscheinlich eher keinen Kopf machen.).
Also, eine große Grafik hat zwei Probleme zu lösen, die nicht gleichzeitig lösbar sind:
Erstens sollte sie bei einer gewissen Bildschirmauflösung komplett (oder zumindest in der Breite) auf den Bildschirm passen. Das begrenzt die Breite in Pixeln im Prinzip auf unter 800. Macht man die Grafik breiter, gibts möglicherweise horizontale Scrollbalken, die das Lesen extrem stören. Schneidet man den bei Papierseiten üblichen breiten Rand einfach weg, sieht das Ergebnis extrem eklig und schlecht aus (sofern man dadurch nicht ohnehin Briefköpfe wegschneiden würde, was sich natürlich verbietet).
Natürlich kann man argumentieren, daß der neue Arbeitgeber sicherlich nicht mehr mit 800er-Auflösung arbeitet, sondern mit 1024er. Ok, aber irgendwo muß ja die Navigation gelassen werden. Ein beliebter Platz dafür ist immer noch links oder rechts am Rand. Wieviel Platz bleibt da noch für die Grafik?...
Zweitens: Man muß soviele Pixel Breite und Höhe erzeugen, daß man die Seite überhaupt lesen kann. Faxgeräte arbeiten gewöhnlich mit 100 dpi - die Ergebnisse von Faxausdrucken sind bei unpassender Schrift entsprechend unlesbar. 150 dpi wäre eine gute Idee - als ersten Scan, der noch nachzubearbeiten ist (und vielleicht verkleinert werden kann) ist aber 300 dpi anzuraten.
Bei 100 dpi entstehen aus einer 21 cm breiten Seite 826 Pixel. Paßt so gerade. Bei 150 dpi werden es schon 1240 Pixel. 300 dpi erzeugen entsprechend 2480 Pixel Breite. Die Frage ist: Wie gut ist die Schrift bei den jeweiligen Auflösungen lesbar? Wie groß ist sie? Wie gut ist die Scanqualität, oder wie fleckig ist das weiße Papier?
Was die Möglichkeit angeht, alles in ein PDF zum Drucken zu stecken: Ok, man kann sich das PDF am Bildschirm ansehen. Es sollte aber kein Zwang zum Ausdrucken damit verbunden werden. Wer als Personalchef eine Bewerberseite ansteuert, der will sich schnell ein Bild über den Bewerber machen. Also Lebenslauf, Referenzen, Zeugnisse. Die Information muß ansprechend am Bildschirm präsentiert werden, nicht auf dem Drucker. Jede Zusatzaktion, die notwendig ist, um an die Info zu kommen, behindert den Menschen in seiner Arbeit und verringert die Aussichten, positiv wahrgenommen zu werden. Erst wenn der Bewerber interessant erscheint, wird _vielleicht_ etwas ausgedruckt.
Ich bleibe bei meiner Empfehlung: Zeugnisse als Text im Design der Seite anbieten, damit sie am Bildschirm gelesen werden können. Das schließt ja die Möglichkeit nicht aus, noch ein Downloadpaket zu schnüren (PDF), in dem alle Informationen druckfertig und angeblich originaler (als Scan) enthalten sind.
- Sven Rautenberg