molily: Ist doch politisch korrekt!

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Hallo,

Die Besonderheit der Politischen Korrektheit deutscher Prägung sehe ich in der Ausdehnung sprachregelnder Tendenzen über das politische hinaus in alle Lebensbereiche

Da sehe ich keine Besonderheit, das ist eben die Substanz politischer Korrektheit: Den Denkhorizont auszudehnen und beim Handeln und somit beim Reden die Tragweite zu berücksichtigen.

  • Wie kann es sein, daß die Liedtexte durch die Ereignisse einen Bedeutungswandel erfahren?

Was ist an dem Bedeutungswandel unverständlich? Ist es nicht eine triviale Tatsache, dass eine beliebige Äußerung, also auch ein Liedtext etwa, immer im Kontext der aktuellen persönlichen Situation oder Geistesverfassung rezipiert wird, welche eben durch die Medienberichterstattung über solche Ereignisse beeinflusst wird? Wenn jemand also diese Äußerung zu einem bestimmten Zeitpunkt verbreitet, ist es absehbar, dass entsprechende Konnotationen erweckt werden. Dass sich also die Lesart bzw. das Verständnis einer Äußerung von heute auf morgen schlagartig ändern kann, erscheint mir gänzlich natürlich. Dass sich jemand dieses Zusammenhangs bewusst ist, ist für mich an sich ein gutes Zeichen, weil diese Erkenntnis reflektierte Kommunikation bedeutet.

  • Wo liegt der Schwellwert der Bedeutsamkeit eines Ereignisse, das einen solchen Bedeutungswandel eintreten läßt und einen entsprechenen moralischen Handlungszwang hervorruft?

Die Bedeutsamkeit ist unerheblich, es ist eher allein die empfundene räumlich-zeitliche Nähe der beiden Informationen. Mit der Zeit verblasst die Erinnerung an die Katastrophe und man assoziiert die »perfekte Welle« nicht mehr mit dem Tsunami. Erst wenn Sudan-Reportage und Kochshow parallel laufen und der Zuschauer mit der Nase auf den Widerspruch gestoßen wird, kommt es ihm ins Bewusstsein und es wühlt ihn auf – um es kurz darauf wieder zu vergessen.

Selbstverständlich kann ich es akzeptieren, daß Medienverantwortliche aus ihrem Pietätsverständnis heraus diese Lieder eine Zeitlang nicht spielen möchten, aber es bedarf dann in keinster Weise der medienwirksam Präsentation einer solchen Entscheidung.

Solche Inszenierungen und Selbstdarstellungen finden sich an allen Ecken und Enden. Natürlich möchte jeder durch aufgetragene moralische Integrität Bonuspunkte sammeln. »Tue Gutes und rede darüber«. Die Botschaft, die vermittelt werden soll, ist eben »wir tun etwas, wir tragen unseren Teil bei«, »wir zeigen Mitgefühl und Anteilnahme« usw. Für Menschen, die in Medien auftauchen oder auch Medien machen, gibt es kein moralisches Handeln ohne Zweck und Hintersinn, das ist nichts Neues.

Mathias