Hallo,
Angenommen, ein Architekt entwirft ein rollstuhlgerechtes Haus und läßt das Haus auch bauen, im Haus keine einzige Stufe usw.
Nur um von der Straße ins Haus zu kommen, gibt es eine kleine Rampe (nach entsprechender Norm gebaut, mit normalem Rollstuhl kein Problem).Ist es dann dem Architekten vorzuwerfen, wenn jemand mit einem Steinzeit-Rollstuhl (Räder aus Mühlsteinen, Baumstamm als Achse usw.) die Rampe nur sehr langsam raufkommt?
M.E. ist das dann Schuld des Rollstuhlfahrers, wenn er mit entsprechend veralteter Technik daherkommt.
Es kommt nicht von ungefähr, dass der Rollstuhlfahrer veraltete Technik benutzt, sondern es wäre vermutlich auf strukturelle Gründe zurückzuführen. Die ganze Barrierefreiheitsdebatte dreht sich gerade darum, bestehende Benachteiligungen wie diese nicht noch zu verstärken, sondern sie aufzulösen. Das heißt auch, darauf Rücksicht zu nehmen, dass gewisse Seitenbesucher etwa aufgrund sozialer Umstände alte Rechner benutzen. Insofern ist es, wie hier schon öfters gesagt wurde, keinesfalls im Sinne der Barrierefreiheit ein Abbau von Diskriminierungen, keine Rücksicht auf alte Browser, schmale Bandbreiten et cetera zu nehmen, sondern das genaue Gegenteil. Die übliche Argumentationsschiene »der Seitenbesucher ist selber Schuld« ist daher ein arger Rückfall in Zeiten, in denen Benachteiligungen und deren Hintergründe (soziale Umstände etc.) niemanden interessiert haben und sie durch den Ausschluss dieser Menschen ständig verschlimmert wurden.
Mathias