Gernot Back: Artikel - Deutsch

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Hallo Biesterfeld,

Also für Fachartikel würde ich das aber auch so sehen: Unpersönlicher Stil ist zu bevorzugen.
Ja, das ist aber auch etwas typisch deutsches. Gerade in englischer Fachliteratur sind öfter Phrasen wie "Note, that" oder "think of" usw.  zu lesen, die ich nicht mehr als unpersönlichen Stil bezeichnen würde. Gerade diese veranlassen bei mir als deutschen Muttersprachler immer ein merkwürdiges Gefühl wie 'irgendwas ist hier anders' und gleichzeitig ist es eben dieser dezente Verzicht auf Unpersönlichkeit der das Lesen spannend und in gewisser weise auch bindend macht. Insbesondere wenn man sich durch harten oder faden Stoff quält, wirkt eine persönliche Anrede sehr erfrischend.

Andererseits kann man doch gerade mit stilistischen Beschränkungen ganz wunderbare Stile entwickeln, man denke nur z.B. daran, was der Islam durch das Verbot bildlicher Darstellungen zur Ornamentik beigetragen hat.

Mit diesem gekünstelt-unpersönlichen Schreibstil wird im Deutschen ja auch gerne kokettiert: "Der geneigte Leser dieser Zeilen mag sich fragen", warum das hierzulande so üblich ist.

Irgendwie hat doch gerade das etwas ganz Putziges, findest du nicht?

Gruß Gernot