Mathias Bigge: 2000 vs XP

Beitrag lesen

Hi Ashura,

Und genau deshalb meide ich bisher ein professionelles Ausüben meiner Fähigkeiten: ich fürchte, meine Ideale vom Bedürfnis zu Überleben untergraben lassen zu müssen.

Einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen, lernt man meist bei konkreten Projekten. Es ist nur scheinbar eine moralische Herangehensweise, immer die Aufgabenstellung in Frage zu stellen anstatt über Realisierungsmöglichkeiten nachzudenken. Die Ausgangsfrage, so unklar sie auch formuliert war, ist doch ganz einfach. In irgendeinem Anwendungskontext soll eine Grafik bildschirmfüllend angezeigt werden, gleichgültig welche Betriebssystemumgebung läuft. Was ist darn schlimm?

Ich habe sehr wohl mitbekommen, dass die Branche kein Zuckerschlecken ist. Stellt man sich bockig und besteht auf eine vermeintlich saubere, aber auch teurere und zeitaufwendigere Lösung, ist man schnell einen Kunden los und ein anderer erfreut sich eines weiteren. Dass letztlich die Qualität bei ersterem besser hätte sein können, interessiert nicht. Es zählt kein Aufwand, sondern nur Resultate.

Das kommt darauf an. Meist verhält es sich etwas anders. Du hast einen Etat und eine Aufgabe. Jetzt hängen Dein Stundenlohn und Deine Freizeit davon ab, wie lange Du für die Realisierung brauchst. Dieses Prinzip der Ökonomie ist durchaus sinnvoll und es entwickelt sich daraus eine Perspektive, die auch Zeitaufwand und nötige Mittel in Überlegungen einbezieht. Letztlich tut das der Amateur auch, nur vielleicht weniger konsequent.

Während der Student bei einer Seminararbeit sich vielleicht bei der Recherche in den Tiefen des Netzes oder den Regalen einer Bibliothek eine zeitlang verliert, bevor er doch noch auf den Punkt kommt, lernt der Praktiker, von Anfang an zielorientiert zu arbeiten. Zeit für die Wuselrecherche kann man sich dennoch immer wieder nehmen, etwa wenn man etwas Neues lernt oder zuviel Zeit hat.

Selbst so eine simple Vorgabe, einen Bildschirm mit einem Screendesign zu füllen, zu welchem Zweck auch immer, wird moralisch hinterfragt.
Naja, das hängt aber auch mit der Umgebung ab. Schließlich befinden wir uns im SELFHTML-Forum, wo alles (aus gutem Grund) hinterfragt wird.

Das Hinterfragen ist gar nicht das Problem, eher die heimliche Unterstellung, es gehe um eine Website fürs Netz, die als skalierte Grafik erstellt werden soll. Das wäre Mist und es ist möglich, dass der Ausgangsposter so verpeilt ist, deutlich formuliert ist es in der unklaren Problemschilderung aber nicht.
Der zweite Aspekt ist das Moralisieren: Es ist vielleicht der ungünstige Weg, eine Website als Grafik zu bauen, aber dennoch ist hier keine moralische Frage angesprochen. Man könnte also etwas nüchterner Kosten und Nutzen analysieren.

Viele Grüße
Mathias Bigge