Tach,
du hast den Kernpunkt meiner Kritik nicht verstanden: Ich kritisiere nicht das Wesen der Demokratie, das nun einmal auch zur Folge hat, dass meine eigene Stimme unter 50 Millionen anderen untergeht. Ich kritisiere aber, dass das Volk *nach* einer Wahl keine Möglichkeit mehr hat, auf seine gewählten Vertreter Einfluss zu nehmen. Damit überlässt man die Geschicke des Landes der Willkür von wenigen Abgeordneten (wenig im Verhältnis zur Bevölkerung), die im Prinzip tun und lassen können, was sie wollen. Schließlich sind sie in ihren Entscheidungen nur ihrem Gewissen verpflichtet - wenn sie eins haben.
du hast den Kernpunkt von repräsentativer Demokratie nicht verstanden. Einfluß hat der Bürger mit der nächsten Wahl, für den Abgeordneten muss es von Vorteil sein wieder gewählt zu werden und das müsste er durch seine Entscheidungen in der Wahlperiode erreichen. Dass im heutigen System die Leute unabhängig ihrer Leistungen wiedergewählt werden, ist allerdings dämlich, da stimme ich dir zu.
Was unserem System fehlt, ist ein Mechanismus, der den Abgeordneten z.B. vorschreibt, in ihren Wahlkreisen Umfragen oder ähnliches zu aktuellen Themen durchzuführen (also Meinungen der Bürger einzuholen), und der sie dann auch verpflichtet, im Sinne der Mehrheit zu entscheiden, die bei diesen Umfragen erkennbar ist. Dann und erst dann hätten wir "eine Staatsgewalt, die vom Volke ausgeht".
Ich würde davon ausgehen, dass wir damit ausschließlich handlungsunfähige Parlamente erzeugen würden; Koalitionen wären nicht mehr möglich (die Abgeordneten wüssten ja nicht mehr wofür sie stimmen werden). Ein System wie Liquid Democracy könnte ich mir für die Zukunft allerdings vorstellen.
mfg
Woodfighter