Gunnar Bittersmann: Nachdenkliches zum Wochenende: Den Schwerpunkt auf das Bedeutsame legen (Tim Kadlec)

Frederic Hemberger‏ sagt: „Ein Talk, den jeder Webentwicker gesehen haben muss.“ Unrecht hat er damit nicht.

Focusing on What Matters (Tim Kadlec)

Auszüge (Übersetzung von mir):

„Die Realität ist: Wir werden dem nicht gerecht. Wir lassen unsere Voreingenommenheit und unsere beschränkte Sicht, was Verwendung von Technologie angeht, Einfluss auf die Art nehmen, wie wir entwickeln, und sperren infolgedessen Menschen aus.“

„Es gibt Menschen auf der ganzen Welt und bei uns um die Ecke, die weitaus schwerwiegendere Belange haben.
Es gibt Menschen bei uns um die Ecke und auf der ganzen Welt, die gegen Zensur ankämpfen müssen, um an benötigte Informationen zu gelangen.
Es gibt Menschen bei uns um die Ecke und auf der ganzen Welt, für die es mehr als eine Unannehmlichkeit ist, wenn ihre Daten in falsche Hände gelangen. Das kann ihre Existenzgrundlage zerstören.
Es gibt Menschen bei uns um die Ecke und auf der ganzen Welt, die sich nicht das neuste und beste Gerät leisten können, die sich keinen großen Datenvolumentarif leisten können, die sich keine schnelle Netzverbindung zuhause leisten können.
Es gibt Menschen bei uns um die Ecke und auf der ganzen Welt, die körperliche Einschränkungen oder Sehbeeinträchtigungen haben, was es für sie schwierig macht, Technologie zu benutzen – dieselbe Technologie, die wir tagtäglich benutzen und als gegeben ansehen.“

„Diese drei Dinge: Sicherheit, Zugänglichkeit und Performanz – Paul Lewis nannte sie vor ein paar Jahren die „die unsexy Pfeiler des Webs“ – sie sind entscheidend, sie sind fundamental, aber unterbewertet und es wird kaum darüber gesprochen. Diese drei Dinge sind es in unserer Entscheidung, ob wir ihnen Bedeutung schenken oder nicht, die ausschlaggebend dafür sind, wer die Technologie benutzen kann, die wir entwickeln.“

„Wenn wir uns nicht die Zeit nehmen sicherzustellen, dass unsere Websites zugänglich sind, dass sie sicher sind, dass sie performant sind, wenn wir diesen fundamentalen Dingen keine Beachtung schenken, dann geben wir den Menschen nicht gleichen Zugang zum Web. Wir lassen unsere Perspektive, wir lassen unsere Voreingenommenheit bestimmen, wer unsere Websites und Webanwendungen benutzen kann und wer nicht.“

LLAP 🖖

-- “When UX doesn’t consider all users, shouldn’t it be known as ‘Some User Experience’ or... SUX? #a11y” —Billy Gregory

Folgende Nachrichten verweisen auf diesen Beitrag:

  1. Hallo Gunnar,

    Auszüge (Übersetzung von mir):

    vielen Dank dafür, so bin ich mittendrin, statt außenvor...

    Fred

    1. @@Fred

      vielen Dank dafür, so bin ich mittendrin, statt außenvor...

      Protip: Man kann beim Ansehen des Videos auch die Untertitel einblenden. Die automatisch generierten englischen sind (von fehlender Interpunktion abgesehen) fast immer korrekt. Automatische Übersetzung ins Deutsche hab ich noch nicht ausprobiert.

      LLAP 🖖

      -- “When UX doesn’t consider all users, shouldn’t it be known as ‘Some User Experience’ or... SUX? #a11y” —Billy Gregory
  2. Ne Gunnar. Wichtiger als die Verpackung ist der Inhalt. Das war schon immer so. Auch ein [Beleidigung entfernt] wird alles versuchen um an den Inhalt ranzukommen, auch dann wenn er genau weiß, dass er es niemals alleine schaffen wird. (H. v. Ditfurth)

  3. @@Gunnar Bittersmann

    „Wenn wir uns nicht die Zeit nehmen sicherzustellen, dass unsere Websites zugänglich sind, dass sie sicher sind, dass sie performant sind, wenn wir diesen fundamentalen Dingen keine Beachtung schenken, dann geben wir den Menschen nicht gleichen Zugang zum Web. Wir lassen unsere Perspektive, wir lassen unsere Voreingenommenheit bestimmen, wer unsere Websites und Webanwendungen benutzen kann und wer nicht.“

    Da will ich nochmal nachhaken: wir – wir Webentwickler. Wir sind es, die es in der Hand haben.

    Wenn der Projektmanager fragt „Wie lange dauert’s, um Feature X zu realisieren?“ und wir Webentwickler antworten „um’s richtig zu machen 5 Tage; um’s für 99% der Nutzer zu machen 4½ Tage“, dann ist es dem Projektmanager nicht übelzunehmen, wenn er sagt „99% ist fein. Dann haben ist ein halben Tag für etwas anderes gewonnen.“

    Das ist unser Fehler, nicht seiner. Unser Versagen, nicht seins. Und das gleich auf drei Ebenen.

    Erstens: die Abschätzung „99%“ ist Bullshit. Barrierefreiheit kommt allen zugute. Jeder ist sehbedindert, wenn er mit seinem Mobilgerät im gleißenden Sonnenlicht steht. Performanz kommt allen zugute. Das beste 4G-Gerät ist langsam, wenn man in der U-Bahn nur EDGE hat.

    Zweitens: Die Abschätzung „richtig machen dauert ½ Tag länger“ ist Bullshit. Ein Feature performant / barrierefrei zu implementieren ist nicht aufwendiger (eher im Gegenteil). Es bedarf allerdings des Wissens, wie man’s richtig macht; und sich dieses Wissen anzueignen kostet auch Zeit. Einmal angeeignet kann man aber bei nachfolgenden Projekten davon zehren – das muss man bei der Aufwandskalkulation mit einbeziehen.

    Drittens: Wir sind es, die den Projektmanager erst vor die Wahl stellen, es richtig zu machen oder zu sagen: erstmal hopp hopp, richtig machen wir’s später (heißt: nie). Wir sind es, die sagen sollten „Feature X dauert 5 Tage“. Der Projektmanager wird dann kaum fragen „wenn wir auf einen großen Anteil an Nutzern keinen Wert legen, geht’s dann auch in 4½?“

    Wir Webentwickler sind es, die es in der Hand haben.

    LLAP 🖖

    -- “When UX doesn’t consider all users, shouldn’t it be known as ‘Some User Experience’ or... SUX? #a11y” —Billy Gregory

    Folgende Nachrichten verweisen auf diesen Beitrag:

    1. Tach!

      Wir Webentwickler sind es, die es in der Hand haben.

      Schöne Idealvorstellung. Aber letzten Endes sind wir Webentwickler nicht alle Revolutionäre und machen dann nur das, wofür wir bezahlt werden. Wenn der Arbeitgeber keine Zeit rausrückt, damit man sich mit dem "Richtigmachen" beschäftigen kann, dann bleibt das eben weg. Minderwertige Qualität lässt sich schließlich auch verkaufen, dafür sorgen schon die Vertriebsmitarbeiter.

      dedlfix.

      1. @@dedlfix

        Wenn der Arbeitgeber keine Zeit rausrückt, damit man sich mit dem "Richtigmachen" beschäftigen kann, dann bleibt das eben weg.

        Wenn wir sagen „5 Tage“, warum sollte er dann nicht 5 Tage rausrücken?

        Wenn wir sagen „5 Tage oder 4½ Tage“, dann wird er freilich nur 4½ Tage rausrücken. Unser Fehler, nicht seiner.

        Wir sollten ihn nicht vor die Wahl stellen, wenn er die Konsequenzen der Wahl gar nicht überblicken kann. Wir können das. Es gibt gar keine Wahl.

        Wie Léonie Watson auf die Frage, wie man Stakeholder davon überzeugt, sagte: “Don’t! Just go ahead and do it anyway!”

        5 Tage, nicht weniger.

        Minderwertige Qualität lässt sich schließlich auch verkaufen, dafür sorgen schon die Vertriebsmitarbeiter.

        Es ist unser Verständnis von unser Arbeit, ob wir uns überhaupt dazu hinreißen lassen, minderwertige Qualität abzuliefen.

        LLAP 🖖

        -- “When UX doesn’t consider all users, shouldn’t it be known as ‘Some User Experience’ or... SUX? #a11y” —Billy Gregory
        1. Hallo Gunnar,

          zum Thema Zugänglichkeit: können wir mal auf diese unsinnige Hervorheberei jedes zweiten Wortes verzichten? Das macht den Text ausgesprochen schwer lesbar. Danke.

          LG,
          CK

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