Hans: grammatikalische Frage zu Futur 2/Konjunktiv 2

Hallo Leute,

ich habe eine Frage zu folgendem Sachverhalt: Nachher werde ich einen wichtigen Termin haben und wollte im Anschluss einer Freundin davon berichten. Wie würde man das grammatikalisch am Exastesten formulieren und dabei ausdrücken, dass es sich um ein Ereignis handelt, das erst in der Zukunft stattfinden soll (Google hat mir keine richtige Antwort geben können).

So liest es sich intuitiv am besten "Ich werde dir davon berichten, wie es gewesen sein worden wird?"? -kann man das noch um ein Plusquamperfekt erweitern?

"Ich werde dir davon berichten, wie es gewesen worden war sein wird?"?

Vielen Dank!

  1. Hallo Hans,

    intuitiv ist oft das Gegenteil von korrekt. Und "viel hilft viel" ist für Grammatik auch nicht hilfreich. Meine Intuition sagt mir folgendes:

    Präsens: „Wie es ist.“
    Futur : „Wie es sein wird.“
    Futur II: „Wie es gewesen sein wird.“

    Richtig wäre also: „Ich werde Dir davon berichten, wie es gewesen sein wird.“

    Was ist mit: "Ich berichte Dir dann, wie es war"? Klingt doch auch nicht schlecht. Aber:

    • Im Teil 1 Präsens statt Futur, mit einem „dann“ behelfsweise futurisiert. Falsch, aber umgangssprachlich häufig anzutreffen
    • Im Teil 2 Präteritum, das wäre richtig, wenn das Ereignis im Moment der Mitteilung schon vorbei ist. Aber umgangssprachlich auch häufig für deinen Use Case anzutreffen.

    Und nun mach ich gleich wieder zu, das Thema ist ja sowas von off-topic…

    Rolf
    typische Deutschnote zu Schulzeiten: 4

    --
    sumpsi - posui - obstruxi
    1. @@Rolf B

      Futur II: „Wie es gewesen sein wird.“

      Richtig wäre also: „Ich werde Dir davon berichten, wie es gewesen sein wird.“

      Ja.

      Was ist mit: "Ich berichte Dir dann, wie es war"? Klingt doch auch nicht schlecht. Aber:

      • Im Teil 1 Präsens statt Futur, mit einem „dann“ behelfsweise futurisiert. Falsch, aber umgangssprachlich häufig anzutreffen

      Warum falsch? Ist die Sprache, wie sie alle verwenden, falsch?

      Wikipedia sagt: „Überdies ist in Aussagen, die bereits einen klaren Zukunftsbezug aufweisen, eine zusätzliche Kennzeichnung der Zukunft im Verb aus sprachökonomischen Gründen unnötig. Die eigentliche Zukunftsform der deutschen Sprache (im Gegensatz zum Englischen oder zum Französischen) ist also das Präsens.“

      • Im Teil 2 Präteritum, das wäre richtig, wenn das Ereignis im Moment der Mitteilung schon vorbei ist. Aber umgangssprachlich auch häufig für deinen Use Case anzutreffen.

      Hm, es beißt nicht im Ohr. Wikipedia sagt allerdings nichts über Präteritum. Dafür übers Perfekt: „Umgangssprachlich werden vorzeitige Handlungen in der Zukunft, da sie ja relativ zur Haupthandlung in der Zukunft in der Vergangenheit liegen, auch durch das Perfekt ausgedrückt.“

      Also: „Ich werde Dir davon berichten, wie es gewesen ist“ oder „Ich berichte Dir dann, wie es gewesen ist.“


      Und nun mach ich gleich wieder zu

      Weil? Du das letzte Wort haben willst? Der Forumsserver gerade unter der schieren Last zusammenbricht?

      Ich sehe keinen Grund, die Off-Topic-Diskussion hier abzuwürgen. (Ich ändere aber mal die Kategorie. Oder werde das tun, s.o.)

      🖖 Живіть довго і процвітайте

      --
      Ad astra per aspera
  2. Ich werde dir nachher (davon) berichten. , wie es gewesen worden war sein wird.

  3. Lieber Hans,

    • „Ich sage Dir dann wie es war.“ (umgangssprachlich)
    • „Ich werde Dir berichten wie es war.“ (umgangssprachlich, für Schriftdeutsch gerade noch akzeptabel)
    • „Ich werde Dir berichten wie es gewesen ist.“ (für Schriftdeutsch in Ordnung)
    • „Ich werde Dir berichten wie es gewesen sein wird.“ (Schriftdeutsch, kaum noch im Sprachgebrauch weil Futur 2)

    grammatikalisch am Exastesten

    Das Adjektiv exakt kennt inhaltlich keine Steigerungsform, auch wenn man nach den üblichen Regeln Steigerungsformen bilden kann. Aus Programmierersicht ist es ein Boolean, der entweder true oder false ist. So ähnlich wie schwanger - das zu steigern hat auch keinen Sinn. Oder sah die Frau Nachbarin heute schon wieder schwangerer als gestern aus? Wer früher stirbt, ist töter, als jemand der später...

    Liebe Grüße

    Felix Riesterer

    1. Das Adjektiv exakt kennt inhaltlich keine Steigerungsform, auch wenn man nach den üblichen Regeln Steigerungsformen bilden kann. Aus Programmierersicht ist es ein Boolean, der entweder true oder false ist. So ähnlich wie schwanger - das zu steigern hat auch keinen Sinn. Oder sah die Frau Nachbarin heute schon wieder schwangerer als gestern aus? Wer früher stirbt, ist töter, als jemand der später...

      Du meinst also, "exakt" sollte man in keinster Weise steigern? 😜
      (ein ähnlicher Fußnagelaufroller)

    2. @@Felix Riesterer

      Das Adjektiv exakt kennt inhaltlich keine Steigerungsform

      Darüber muss ich mal genauer nachdenken. Ist „exakt“ nicht ein Synonym für „genau“? Genau. Und das kann man steigern (siehe gerade eben).

      auch wenn man nach den üblichen Regeln Steigerungsformen bilden kann.

      Wiktionary listet sie auf.

      🖖 Живіть довго і процвітайте

      --
      Ad astra per aspera
      1. auch wenn man nach den üblichen Regeln Steigerungsformen bilden kann.

        Wiktionary listet sie auf.

        Wiktionary widerspricht sich in diesem Artikel aber auch ganz schön.

        Bedeutungen:

        [1] den gegebenen Bedingungen vollständig entsprechend
        

        Beispiele:

        [2] Die Messungen müssen ganz exakt durchgeführt werden.
        

        Wenn die Messungen vollständig entsprechend durchgeführt werden, wozu dann eine Steigerung, sei es durch einem Komperativ/Superlativ oder durch "ganz exakt"? Gibt es auch "halb exakt" oder sonstige Einschränkungen? Oder Steigerungen? Mega exakt? Hyper exakt? Wahnsinns exakt?🤪

        1. Gibt es auch "halb exakt"

          Nun, da es sich um Messungen handelt, welche dem gesamten da beschriebenen Vorgang als Grundlage dienen (und eine geradzahlige Ansammlung von Messungen für die Aussage Grundlage sind oder das mit der Hälfte in der gestellte Frage nicht so … räusper … exakt gemeint war): ja.

          Anderseits: das ist ja auch nur ein halb schwangerer Gedanke. — Halt, nicht gleich zuschalgen! Denn einer binären Antwort fehlt die Definition, welcher Quantenzustand da a) den Unterschied ausmacht und b) wie diesem „der Heisenberg“ entrissen wird! 🥳

    3. Hallo

      • „Ich sage Dir dann wie es war.“ (umgangssprachlich)
      • „Ich werde Dir berichten wie es war.“ (umgangssprachlich, für Schriftdeutsch gerade noch akzeptabel)
      • „Ich werde Dir berichten wie es gewesen ist.“ (für Schriftdeutsch in Ordnung)
      • „Ich werde Dir berichten wie es gewesen sein wird.“ (Schriftdeutsch, kaum noch im Sprachgebrauch weil Futur 2)

      Manche Vereinfachung und Klarstellung der 1996-er Rechtschreibreform gegenüber den zuvor gültigen Regeln [1] finde ich als Vorgeborener und -gebildeter ja ganz charmant, aber hier fehlen mir an diversen Stellen Kommata [1:1] zur Trennung von Haupt- und Nebensätzen. Irgendwie komme ich von den über 50 Kommaregeln der Vor-1996-Regeln nicht ganz weg. Es ist ja nicht so, dass ich die alle kennen würde und anwenden könnte, aber das da oben ist mir dann doch zu viel der Vereinfachung. 😀

      Das Adjektiv exakt kennt inhaltlich keine Steigerungsform, auch wenn man nach den üblichen Regeln Steigerungsformen bilden kann. Aus Programmierersicht ist es ein Boolean, der entweder true oder false ist. So ähnlich wie schwanger - das zu steigern hat auch keinen Sinn. Oder sah die Frau Nachbarin heute schon wieder schwangerer als gestern aus?

      „Schwangerer“ aussehen als Tags zuvor halte ich für durchaus möglich [2] und – im Gegensatz zu schwanger sein – für nonbinär/nicht boolesch.

      Tschö, Auge

      --
      „Habe ich mir das nur eingebildet, oder kann der kleine Hund wirklich sprechen?“ fragte Schnapper. „Er behauptet, nicht dazu imstande zu sein“ erwiderte Victor. Schnapper zögerte (…) „Nun …“ sagte er schließlich, „ich schätze, er muss es am besten wissen.“ Terry Prattchett, Voll im Bilde

      1. Da die Kommasetzung zu den 1996 gravierend entschlackten Grammatikregeln gehört, ist die Bezeichnung der Rechtschreibreform als „Rechtschreibreform“ eigentlich nicht hinreichend exakt. Sei's drum. ↩︎ ↩︎

      2. Quasi als Entsprechung zu Bäuchlein versus Bauch. ↩︎

      1. „Schwangerer“ aussehen als Tags zuvor halte ich für durchaus möglich [^2] und – im Gegensatz zu schwanger sein – für nonbinär/nicht boolesch.

        Nur, dass "schwanger" einen Zustand beschreibt. "Schwanger aussehen" ist eine Konstruktion, die bestenfalls als umganssprachlich zu bezeichnen ist. Habe ich auch noch nie gehört. Und nein, eine Frau im 9. Monat ist keineswegs "schwangerer" als eine im 1. Monat der Schwangerschaft, auch wenn man es der erstgenannten deutlich mehr ansieht.

        1. Hallo

          „Schwangerer“ aussehen als Tags zuvor halte ich für durchaus möglich [^2] und – im Gegensatz zu schwanger sein – für nonbinär/nicht boolesch.

          Nur, dass "schwanger" einen Zustand beschreibt. "Schwanger aussehen" ist eine Konstruktion, die bestenfalls als umganssprachlich zu bezeichnen ist. Habe ich auch noch nie gehört. Und nein, eine Frau im 9. Monat ist keineswegs "schwangerer" als eine im 1. Monat der Schwangerschaft, auch wenn man es der erstgenannten deutlich mehr ansieht.

          Was ich sagte, nur mit anderen Worten …

          Tschö, Auge

          --
          „Habe ich mir das nur eingebildet, oder kann der kleine Hund wirklich sprechen?“ fragte Schnapper. „Er behauptet, nicht dazu imstande zu sein“ erwiderte Victor. Schnapper zögerte (…) „Nun …“ sagte er schließlich, „ich schätze, er muss es am besten wissen.“ Terry Prattchett, Voll im Bilde
          1. Nur, dass "schwanger" einen Zustand beschreibt. "Schwanger aussehen" ist eine Konstruktion, die bestenfalls als umganssprachlich zu bezeichnen ist. Habe ich auch noch nie gehört. Und nein, eine Frau im 9. Monat ist keineswegs "schwangerer" als eine im 1. Monat der Schwangerschaft, auch wenn man es der erstgenannten deutlich mehr ansieht.

            Was ich sagte, nur mit anderen Worten …

            Sie sieht aber auch nicht "schwangerer" aus, man sieht ihr lediglich den Zustand der Schwangerschaft deutlicher an. 😉

            1. Hallo

              Nur, dass "schwanger" einen Zustand beschreibt. "Schwanger aussehen" ist eine Konstruktion, die bestenfalls als umganssprachlich zu bezeichnen ist. Habe ich auch noch nie gehört. Und nein, eine Frau im 9. Monat ist keineswegs "schwangerer" als eine im 1. Monat der Schwangerschaft, auch wenn man es der erstgenannten deutlich mehr ansieht.

              Was ich sagte, nur mit anderen Worten …

              Sie sieht aber auch nicht "schwangerer" aus, man sieht ihr lediglich den Zustand der Schwangerschaft deutlicher an. 😉

              Ja, das ist genau das, wass ich umgangssprachlich als „schwangerer aussehen“ bezeichnen würde.

              Tschö, Auge

              --
              „Habe ich mir das nur eingebildet, oder kann der kleine Hund wirklich sprechen?“ fragte Schnapper. „Er behauptet, nicht dazu imstande zu sein“ erwiderte Victor. Schnapper zögerte (…) „Nun …“ sagte er schließlich, „ich schätze, er muss es am besten wissen.“ Terry Prattchett, Voll im Bilde
        2. Hi,

          Und nein, eine Frau im 9. Monat ist keineswegs "schwangerer" als eine im 1. Monat der Schwangerschaft, auch wenn man es der erstgenannten deutlich mehr ansieht.

          Aber eine Frau, die Zwillinge erwartet, ist doch schwangerer (doppelt so schwanger) als eine Frau, die nur ein Kind erwartet …

          😀

          cu,
          Andreas a/k/a MudGuard

        3. Hi Jörg,

          vielleicht könnte man sich darüber streiten, denn immerhin implizieren ja z.B. die Abtreibungsregeln einen gewissen Entwicklungszustand, ab dem man selektieren "darf"; daher ist es imho nicht falsch davon zu sprechen, dass jemand schwangerer sein kann als jemand anders.

          Gruß Hans

          1. Hallo

            vielleicht könnte man sich darüber streiten, denn immerhin implizieren ja z.B. die Abtreibungsregeln einen gewissen Entwicklungszustand, ab dem man selektieren "darf"; daher ist es imho nicht falsch davon zu sprechen, dass jemand schwangerer sein kann als jemand anders.

            Auch wenn sich der Entwicklungsstand eines Embryos im Laufe der Zeit (notwendigerweise) ändert, ist der Zustand des schwanger seins dennoch boolesch. Frau ist es oder ist es nicht. Dazwischen gibt's nix, auch kein mehr oder weniger schwanger sein oder eine Scheinschwangerschaft.

            Tschö, Auge

            --
            „Habe ich mir das nur eingebildet, oder kann der kleine Hund wirklich sprechen?“ fragte Schnapper. „Er behauptet, nicht dazu imstande zu sein“ erwiderte Victor. Schnapper zögerte (…) „Nun …“ sagte er schließlich, „ich schätze, er muss es am besten wissen.“ Terry Prattchett, Voll im Bilde
        4. Hi Jörg,

          imho ist das auch mehr ein "Prozess".

          Gruß Hans

        5. Hallo,

          „Schwangerer“ aussehen als Tags zuvor halte ich für durchaus möglich [^2] und – im Gegensatz zu schwanger sein – für nonbinär/nicht boolesch.

          Nur, dass "schwanger" einen Zustand beschreibt. "Schwanger aussehen" ist eine Konstruktion, die bestenfalls als umganssprachlich zu bezeichnen ist. Habe ich auch noch nie gehört. Und nein, eine Frau im 9. Monat ist keineswegs "schwangerer" als eine im 1. Monat der Schwangerschaft, auch wenn man es der erstgenannten deutlich mehr ansieht.

          Mann kann auch schwanger aussehen, ohne es zu sein…

          Gruß
          Kalk

    4. Lieber Felix,

      danke erstmal für deine Ausführungen. In der Schule habe ich damals gelernt, dass "tot" steigerbar ist; war es ein Zufall, dass du das jetzt ausgewählt hast?

      Ansonsten kann ich mich noch an Zeiten erinnern, in denen es im Selfforum kein Offtopic gab, gerade weil viele User auch zu anderen als Webthemen sehr brauchbare Beiträge liefern können. Vielleicht sollten wir da in Zukunft wieder offener werden (auch, wenn ich selbst eher Mitleser bin).

      LG Hans

      • „Ich sage Dir dann wie es war.“ (umgangssprachlich)

      So würde ich es sagen.

      Und warum würde ich das? Hm… Vielleicht weil wenn ich "dann" etwas darüber erzählen werde, ist "es" ja schon vergangen und "war" somit.

      1. Also dern Unterschied zwischen

        Nachher werde ich einen wichtigen Termin haben und wollte im Anschluss einer Freundin davon berichten.

        und

        Ich sage Dir dann wie es war.

        scheint mir doch unübersehbar zu sein.

        „Nacher werde ich einen wichtigen Termin haben und will im Anschluß daran einer Freundin darüber berichten“?

        Oder war der erwähnte Bericht, die Absicht dazu, schon beim Stellen der Frage hier obsolet?

      2. Lieber encoder,

        So würde ich es sagen.

        dann ist Dein Anwendungsfall die gesprochene Sprache. Für den Schriftverkehr könnten je nach Art andere Maßstäbe gelten.

        Liebe Grüße

        Felix Riesterer