Angy: Datenschutz gegen Linkfreiheit

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Nabend, Merlin, Nabend Bertold,

ich werd' doch wohl nicht den Eindruck erweckt haben, ein Freund von Linkverboten oder so zu sein?

Was ich aufzeigen wollte, ist folgendes: Unterstellen wir mal den Fall, meine einleitenden Worte über die informationelle Selbstbestimmung, die Ihr in Zusammenhang mit dem Kohl-Urteil brachtet, hätte doch was mit dem Datenschützer zu tun. Nehmen wir weiter mal an, Ihr wäret in irgendeiner Form betroffen. Gehen wir dann mal davon aus, daß Ihr Euch wünscht, daß Eure Daten vom DSB mit Klauen und Zähnen verteidigt werden.

Wie heißt es noch so schön: "Wo es um die Freiheit geht, hat die Frfeiheit das Nachsehen". Es geht einfach nicht, daß _gleichzeitig_ die Freiheit der MfS-MA geschützt wird und gleichzeitig die des Internet. Jeder "gewöhnliche" Kriminelle darf hoffen, daß nach Verbüßung der Strafe oder nach Verjährung oder Amnestie (passt hier wohl besser) er wie ein normaler Mensch unter normalen Menschen leben darf. Dasselbe gilt für ex-Stasis. Und dann findet halt diese Güterabwägung statt und ergibt, daß die Freiheit, Links überall hinzusetzen das niederstehende Gut ist.

Ich weiß nicht, ob Ihr die Zeit der großen Volksbefragung vor etwa 20 Jahren miterleben konntet. Da sind wir für auf die Straße gegangen, um _nicht_ Fragen nach unserem Sexualleben, nach nichterkannten oder nichtverfolgten Straftaten oder auch nur nach unserer Telefonnummer beantworten zu müssen (die Tatsache, daß jetzt jeder eine "Geheimnummer" haben kann, ist die direkte Folge). Da war jeder, der auch nur ansatzweise als Datenschützer auftrat, unser Held, und wir hätten _in_dem_Kontext_ eine Zensur á la Linkverbot gerne dagegen eingetauscht!

Was ich damit sagen will (muß ich ja wohl erklären bei meiner miesen Form heute <g>): Ob der Mensch nun Günni heißt oder ein DSB ist, mich quält das immer und bringt mich auf die Palme, wenn Zensur ausgeübt ist, und sei es nur deswegen, weil ich es nicht mag, wenn man die Menschen für blöde und unmündig hält, die nicht in der Lage sind, ftp-Explorer von anderen zu unterscheiden oder verantwortlich mit den Stasi-Daten umgehen zu können. Aber es geht einfach nicht, daß der DSB meine Daten verteidigt und die anderer nicht. Deshalb: solange ich einen DSB brauchen werde, um meine Daten zu schützen, solange akzeptiere ich auch die Linkzensor des DSB (nicht die von Günni).

Ich hoffe, mein Standpunkt ist ein kleines bisserl übergekommen!

Angy